Heft 251 August 2011
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Nullfünfer: Coface Arena

Vom Bruchweg in die Arena

Eine Nachlese


Die Arena

Mainz lebt auf seinen Straßen und (Sport-)Plätzen. Das hat sich beim »Umzug« vom alten Bruchwegstadion zur neuen Coface-Arena am 3. Juli wieder einmal deutlich gezeigt. Eine - alles in allem - sehr gelungene Veranstaltung, bei der sich Verein und Fans präsentieren und gemeinsam feiern konnten. Großes Kompliment an alle Verantwortlichen! Und auch die neuen interaktiven Medien trugen ihren kleinen virtuellen Teil dazu bei. Viele Besucher schickten schon während der Veranstaltung ihre Bilder ins Netz, so dass man am Abend, nach geglückter Heimkehr, das Ganze noch einmal am PC in Ruhe Revue passieren lassen konnte. Besonders eindrucksvoll: Der Zug der Zwanzigtausend, begleitet von Motivwagen, Musikkapellen und vielen Ad-Hoc-Gruppen. Wer es noch nicht wusste: die Fans von Mainz sind kreativ. Eigentlich hat nur noch ein »Zuchplakettche« gefehlt, mit dem an das Großereignis erinnert wurde - aber dafür gab es den einmaligen Eröffnungsschal gratis - zumindest für diejenigen, die rechtzeitig an den Ausgabestellen waren. Die jungen Damen und Herren, die für die Verteilung zuständig waren, blieben übrigens alle unverletzt.

Wer immer auch ein Chaos prognostizierte musste am Schluss eingestehen, dass alles hervorragend funktionierte - sieht man von ein paar Hardlinern ab, die nach wie vor Stadtteil und Landwirtschaft in Gefahr sehen. Ihre Beträge in den Leserbriefspalten der Tagespresse hatte man ja auch nicht anders erwartet. Dass es noch Nachbesserungen geben wird ist klar - sie werden bei den nächsten Veranstaltungen mit Sicherheit schon greifen.

Die Probleme an den Kiosken sind auch leicht zu beseitigen: Durch die endgültige Einführung des Plastikgeldes werden die Wartezeiten geringer - und auch die Pfandrückgabe leichter. Vielleicht sollte man sich hier an den Erfahrungen anderer Stadien orientieren und einige Stände aufbauen an denen nur Becher zurückgegeben werden - das würde den Ablauf nach dem Spiel sicherlich zusätzlich beschleunigen. Bedauerlich war, das schon vor Beginn der Veranstaltung an den Getränkeschlangen die Parole ausgegeben wurde: »Nicht vergessen, Beck und Beutel niederpfeifen.« Dies wurde dann leider auch getan - und warf das einzige negative Licht auf die Veranstaltung. Auffallend, dass die Initiative offensichtlich von einigen schwarz gekleideten Fans ausging und von den anderen Tribünen aufgenommen wurde. Der Hintergrund war nur schwer zu erfahren: »Weil der Beck Lautern-Fan ist!« konnte ich jemand entlocken. Mhh! Und warum der ausgewiesene 05-Fan Beutel? Eine Antwort erhielt ich dann schließlich auch darauf: »Der ist doch auch in der Partei!« Dabei wird geflissentlich übersehen, dass die neue Arena ohne die Hilfe von Stadt und Land (die genau das ja von anderen Kritikern auch wieder vorgeworfen bekommen) nie zustande gekommen wäre.

Ein paar deutliche Worte vom Stadionsprecher hätte man sich nach dem Pfeifkonzert gewünscht. Hier ist aber Harald Strutz ein großes Kompliment zu machen, der bei seiner Rede präsidiale Qualitäten zeigte und sich deutlich hinter die Ausgepfiffenen stellte. Dass er dabei auf den Stehtribünen von den gleichen Leuten beklatscht wurde, die kurz vorher noch pfiffen, bleibt dem Betrachter allerdings unverständlich. Offen bleibt auch die Frage ob die »Schwarzen«, von denen viele auf ihren Sweatshirts die Forderung nach der Freigabe von Pyrotechnik im Fanblock erhoben, bei diesem Anliegen auch eine so große Unterstützung von den anderen Tribünen erhalten werden.

Zurück zum Neubau: Auch hier hat sich bestätigt, was beim langsamen Wachsen der Arena schon vermutet werden konnte: Der Bau ist genial, offen, ohne Schnickschnack und Firlefanz. Die Plätze sind schnell und leicht zu erreichen, die Ordner machen ihre Sache gut. Die Sicht aufs Spielfeld ist optimal - die Atmosphäre stimmt. Der Bau hat seine eigene Ästhetik und wird von den Fans, das darf nach diesem gelungenen Tag konstatiert werden, mit Sicherheit angenommen. Eine Bewährungsprobe steht noch aus: Der Anmarsch gegnerischer, zur Randale bereiten Fans. Es gibt aber heute keinen Grund anzunehmen, dass dies die Verantwortlichen nicht auch in den Griff bekommen.

(-mdl-)