Heft 251 August 2011
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Mainzer Plätze

Der Bismarckplatz

Durchlaufstation statt Wohlfühlambiente


Der Bismarckplatz
Den »trinkfesten« Zeitgenossen reicht die Aufenthaltsqualität auf dem Bismarckplatz.

Wo Barbarossa- und Kaiser-Karl-Ring, Hattenberg-, Moltke- und Richard-Wagner-Straße zusammenstoßen, befindet sich der Bismarckplatz. Ähnlich seiner Lage am Rande der nordwestlichen Neustadt, hat sich auch der Platz selbst immer mehr ins Abseits manövriert. Selbst bei strahlendem Sonnenschein erscheint er öde. Obwohl reger Verkehr herrscht. Die meisten Anwohner queren den Platz, kürzen den Weg zu den Haltestellen von Bus und Bahn ab. Selbst der kleine Junge, der mit seiner Wasserpistole dem Wasserfall zustrebt, der aus dem Bubenbrunnen fließt, wird von seiner Oma eiligst zum Weitergehen gedrängt. Länger aufhalten mögen sich hier nur die »trinkfesten« Zeitgenossen, die zu jeder Tageszeit die vier Sitzbänke, die den Platz umsäumen, in Beschlag nimmt.

»Hier sitzen viele Leute, die trinken, das ist eklig«, stellt Andreas angewidert fest. »Der Bismarckplatz ist nur unser Treffpunkt. Spielen tun wir dann auf dem Valenciaplatz«, ergänzt der 13-Jährige, während er auf seine Freundin wartet. Schon die unmittelbare Straßennähe macht den Platz für spielende Kinder zu Recht unattraktiv. Viel zu gefährlich wäre es, wenn ein Ball auf die stark befahrende Straße rollen würde. Kaum verwunderlich also, dass sich kein Spielgerät auf dem Bismarckplatz befindet.

Der Bubenbrunnen
Der Bubenbrunnen - unschön »verziert«

Wahr- und »Wasserzeichen« des Bismarckplatzes ist der »Bubenbrunnen«, der auch gerne liebevoll »Määnzer Biddel« oder »zwe Meenzer Buwe« genannt wird. Der Brunnen wurde von Bildhauer Heinz Müller-Olm gestaltet, von der Kunstgießerei Gebrüder Krieghoff in Kastel errichtet und vor 32 Jahren aufgestellt. Nicht verschont blieb er von äußeren Einflüssen in Form von Farbschmierereien. 1901 erhielt der Platz seinen heutigen Namen. Benannt wurde er nach dem Gründer und ersten Kanzler des Deutschen Reiches, Otto von Bismarck (1815-1898). 1870 und 1871 verbrachte er mehrere Monate in Mainz, wohnte im Haus Kupferberg und lenkte von diesem »Büro des Auswärtigen Amtes« die Geschicke des Landes.

Anfang des 20. Jahrhunderts stand der Bismarckplatz ganz im Zeichen von hochmoderner Technik und Fortschritt. Die erste Linie der elektrischen Straßenbahn führte über den Bismarckplatz und drehte dort auch eine Schleife. Es mutet geradezu grotesk an, dass ausgerechnet dieser Ort seine Vorreiterposition verlor und von vielen anderen Plätzen der Stadt überholt wurde.

»Die Stadt Mainz hat natürlich gesehen, dass es auch beim Bismarckplatz Aufwertungsbedarf gibt«, erklärt Bernd Quick, Neustadt-Quartiermanager. Der Platz ist im integrierten Entwicklungskonzept »Soziale Stadt« aufgeführt; allerdings konzentriert sich das Konzept zurzeit auf den nordöstlichen Teil der Neustadt. »In den nächsten zwei, drei Jahren ist eine Gesamtsanierung des Platzes als langfristiges Ziel im Konzept angesprochen worden. Da die Priorität hier aber nicht so hoch ist wie beispielsweise am Zollhafen, gibt es leider noch keinen exakten Zeitplan, sodass noch nicht feststeht, was genau geplant ist«, gesteht Bernd Quick. Anfangs wurde der Bismarckplatz als »mittlerer Bedarf« eingestuft, dessen »Verschönerungsmaßnahmen« spätestens 2012 und 2013 in Angriff genommen werden sollten. Durch die Situation im Nordosten der Neustadt ist das Projekt nun aber etwas nach hinten geschoben worden.

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Der 13-jährige Andreas fühlt sich nicht wohl auf dem Bismarckplatz.

Dabei hat die Örtlichkeit durchaus Potenzial. Aufmerksamen Beobachtern entgehen wohl kaum die stilvollen und architektonisch hochwertigen Häuserfassaden, die zwischen den grünen Blättern hervor blitzen. Die ersten Wohnhäuser, die den Bismarckplatz umrahmen, wurden 1926 errichtet. Ein Vorteil ist auch, dass die hohen Büsche und Bäume rings um den Platz genug Schatten spenden und den potentiellen Besuchern eine angenehme Abkühlung in der brütenden Sommerhitze bescheren. Einen Blickfang auf dem Bismarckplatz stellen eine Mini-Solaranlage und ein futuristisch anmutender Fahrradständer dar, der farblich und optisch mit dem nahe gelegenen Briefkasten harmoniert. Nach Informationen des städtischen Grünamtes soll hier womöglich eine solarbetriebene Fahrradverleihstation entstehen.

Die ersten Schritte in die richtige Richtung sind also gemacht. Es bleibt abzuwarten und zu hoffen, dass die städtischen Maßnahmen in den kommenden Jahren greifen werden, sodass jeder gerne den Bismarckplatz betritt und ihn nicht mehr nur möglichst schnell überqueren möchte.

Stefanie Gundel