Heft 251 August 2011
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>Mainzer Köpfe - Andreas Lukas

Fundierte fachliche Kenntnisse gepaart mit Begeisterung

Erfolgsrezept zum Wohle der Natur


Andreas Lukas

Naturschutz ist sein Ding. Ohne wenn und aber. Ehrenamtlich und beruflich. Wie Natur und Stadt in Einklang gebracht werden können, ist eine Frage, die es zu beantworten gilt. Damit Tiere und Pflanzen in Städten überleben, und die Menschen ihre Freude daran haben.
Andreas Lukas ist stellvertretender Vorsitzender des Naturschutzbundes (NABU) Rheinland-Pfalz. Mitglied im NABU ist er seit mindestens zehn Jahren, um es ganz genau sagen zu können, müsste er den Mitgliedsausweis zu Rate ziehen. Den hat er nicht dabei. Solche Details sind ihm nicht so wichtig. Wichtig ist die Arbeit für den Verband, die Besetzung von Themen, die Mobilisierung möglichst vieler Menschen, um Naturschutz nicht als Abstraktum zu empfinden, sondern ganz konkret im Alltag zu verankern. Auch in einer mittelgroßen Stadt wie Mainz. Und hier in dem Stadtteil Neustadt, der aufgrund seiner Bevölkerungsstruktur oft als »Sozialer Brennpunkt« bezeichnet wird. Naturschutz und Menschen mit Migrationshintergrund? Naturschutz und Menschen, die von Hartz-IV leben müssen?

Andreas Lukas kennt solche »Bedenken«. Er ist Jurist und Philosoph. Die Wirkungen von guten Argumenten, sind ihm geläufig. Er weiß sie einzusetzen. »Ich bin in der Neustadt aufgewachsen, Möglichkeiten zum Spielen gab es damals keine. Also haben wir auf dem Schulhof der Leibnizschule gespielt, was eigentlich verboten war, es wurde geduldet.« Es war die Erfahrung, zu wenig Raum zu haben zum Spielen, die ihn für die Belange des Naturschutzes sensibilisierte, sagt er rückblickend. Zu wenig Raum haben auch viele Tiere und Pflanzen, um (über-)leben zu können. Hinzu kam noch das Bewusstsein für Unterschiede: Sonntags mit der Familie im Gonsenheimer Wald, wochentags in den Straßenschluchten der Neustadt. Auch Omas Garten in Schifferstadt wirkte: begrenzt von einem Bach mit großen alte Bäumen.

Nein, es habe keine »Initialzündung« gegeben für den hohen Arbeitseinsatz, den er seit mindestens zehn Jahren ehrenamtlich dem Naturschutz widmet, entgegnet er der Vermutung, da müsse doch etwas Besonderes vorgefallen sein. Ja, er habe mit seinem Engagement eher alleine gestanden, die meisten Neustadtkinder hatten andere Interessen, auch seine Mitschüler im Frauenlobgymnasium.

Abstrakt und ganz konkret

Zeit für die durchschnittlich zehn Wochenarbeitsstunden beim NABU hat Andreas Lukas eigentlich nicht. Nach dem ersten juristischen Staatsexamen sitzt er an seiner Promotion und berät, gegen Entgelt, zwei Tage in der Woche für einen in Frankfurt ansässigen Verein aktive Umweltschützer bei Planungs- und Zulassungsverfahren.

Studiert hat Andreas Lukas in Trier. Dort bietet der Fachbereich Rechtswissenschaft als einen Schwerpunktbereich Umwelt- und Technikrecht an. Das passt. Zusätzlich zu dem Vollstudium Jura stand noch Philosophie auf dem Studienplan. »Ich hatte ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes, also musste ich nicht arbeiten und konnte deshalb zwei Fächer gleichzeitig studieren.« Langweilig war ihm nicht. Nebenbei arbeitete er im Trierer NABU mit. Seine Zeit als Vorstandssprecher der NABU-Jugendorganisation NAJU hatte Andreas Lukas da schon hinter sich, und die als Jugendvertreter im NABU-Bundespräsidium ebenso wie die internen Organisationsveränderungen infolge des Bundesgeschäftsstellenwechsels von Bonn nach Berlin.

Beim Zuhören wird klar, dass in solchen Ehrenämtern schon in jungen Jahren Erfahrungen gesammelt werden, die in jeder beruflichen Situation hilfreich sein können. Bestand habe diese Arbeit, meint Andreas Lukas. Er bezieht sich auf konkrete Aktionen, die kleinen Meilensteine, die einer Art das Überleben sichern können, die Menschen sensibilisieren für die Funktion von Natur. In Trier die Streuobstwiese im Tiergartental: der NABU nahm die Fläche unter seine Fittiche, entfernt regelmäßig die Stockausschläge, hegt und pflegt die Hochstammobstbäume. Längst herrscht dort reges (Tier-) Leben, es summt und brummt, ein Imker hat seine Bienenstöcke aufgestellt, Kinder machen Streuobstapfelsaft. »Hier komme ich immer wieder gerne hin, damit kann ich mich voll und ganz identifizieren.« Anders die Gutachten und Stellungnahmen, die Andreas Lukas schreibt, in denen die Belange des Natur- und Umweltschutzes im Planungsrecht konkretisiert werden - das ist ungemein wichtig, bleibt aber abstrakt. Ist den NABU-Mitgliedern und der breiten Öffentlichkeit schwieriger zu vermitteln. Vielleicht hat der NABU im Vergleich zu anderen Umweltverbänden mehr Zulauf, weil es die vielen konkreten Aktionen vor Ort gibt, überlegt der stellvertretende rheinland-pfälzische Vorsitzende. Der die Bedeutung der Basisarbeit, die Auseinandersetzung mit den Mitgliedern gut kennt und schätzt. Auch die Diskussionen, ob es sinnvoll ist, in der Stadt Nistkästen für Vögel aufzuhängen oder im Winter die Piepmätze zu füttern.

»Ich will nicht missionieren, jeder muss seinen Weg finden und entscheiden, welche Maßnahmen er für sinnvoll hält«, stellt Andreas Lukas klar. Klar ist auch, dass Naturschutz und Umweltbewusstsein nicht unbedingt und immer Hand in Hand gehen müssen. Im Garten die Nistkästen für Grünspechte und in der Garage ein spritfressender SUV - passt das zusammen? Für manche schon. Andreas Lukas hat kein Auto, er kauft seine Nahrungsmittel im »Natürlich« ein und Fernreisen unternimmt er nur nach Ruanda: die Partnerschaft mit dem ostafrikanischen Land gehört zu seinen Aufgabengebieten als stellvertretender NABU-Vorsitzender in RLP.

Als zweiten Arbeitsbereich im Vorstand hat er »gesellschaftliche Verankerung des Naturschutzes« gewählt und ein Konzept für mehr Natur in diesem Mainzer Stadtteil erstellt: 25.000 Bürger, auch eher »umweltferne Menschengruppen«, wie Migranten und Geringverdiener, können an ihren »Wohnungs- und Balkontüren abgeholt« und für die Belange des Umweltschutzes aktiviert werden. Helfen könnten dabei der Grünspecht und Wildblumenpflanzaktionen.

SoS

Info: Am Montag, den 22. August um 18:30 Uhr findet im Stadtteilbüro (Sömmerringstr. 12) das erste Treffen der »AG Umwelt Mainzer Neustadt« statt. www.mainz-neustadt.de