Heft 251 August 2011
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Kommunikation

OK:TV Mainz

Lokalfernsehen von Bürgern für Bürger


Nori Blumenkamp (li.) Tristan Blaskowitz und Florian Preßmar
Nori Blumenkamp (li.) und Tristan Blaskowitz lassen sich während ihres achtwöchigen Schulpraktikums von Florian Preßmar die Funktion von Fernseh-Kameras erklären.

»Wenn man die Menschen auf der Straße befragt, dann kennt man den Sender, mit Programm und Logo. Aber viele Fragen sich, was dahinter steckt«, sagt Florian Preßmar, Referent des Offenen Kanal Mainz (OK:TV Mainz), erstaunt. Schließlich wird der Sender von ungefähr 95.000 Haushalten in Mainz und Rheinhessen empfangen. Aber er bietet mehr als nur Beiträge aus der Region, denn Bürgerinnen und Bürger können selbst Fernsehen gestalten. Egal ob Profi oder Laie, Jung oder Alt. Jeder kann mitmachen. Einzige Vorgabe ist, dass sich der Wohnsitz in Rheinland-Pfalz oder im Postleitzahlgebiet mit 65 beginnend befinden muss.

Das Sendeschema ist blockweise angelegt und ausgestrahlt wird 24 Stunden lang, jeden Tag. Los geht es morgens von 7 bis 11 Uhr mit lokalen Berichten aus Mainz und Umgebung. Danach folgen Kurzfilme und ab 13 Uhr Sendungen von und mit Kindern und Jugendlichen. Im Zeitfenster zwischen 17.30 und 22 Uhr werden alle neuen Beiträge gezeigt, die von Bürgern eingereicht wurden. »Diese sind thematisch offen und müssen so gesendet werden, wie wir sie erhalten. Das ist Pflicht, denn dies steht im für uns geltenden Landesmedienrecht. Wir schauen uns die Beiträge zwar vorher an, dürfen aber nicht in die Dramaturgie eingreifen«, erklärt Preßmar.

Im Gegenzug sind die Produzenten der Beiträge Sendeverantwortliche und damit voll haftbar. Generell sind Werbefilme, diskriminierende oder menschenrechtsverletzende Inhalte sowie pornografische Darstellungen verboten. Ab 22 Uhr bis zum Frühstart steht Musik auf dem Programm, mit Videos oder Konzerten unterschiedlicher Stilrichtungen und lokalen Bands. Während der Woche haben außerdem 15 Sendungen ihren festen Platz im Programm, zu denen »Blickpunkt Mainz«, die Tiersendung »Pfötchen sucht Händchen« und »OK:JukeBox« gehören.

Fernsehmachen selber lernen

Sophie Michels und Gerd Plachtka beim schneiden eines Films
Sophie Michels absolviert ihr Freiwilliges Soziales Jahr beim Sender und zeigt Gerd Plachtka wie er seinen selbst gedrehten Reisefilm schneiden kann.

»Nicht immer ist die Qualität der Produktionen gut«, gibt der Medien- und Sozialpädagoge offen zu, »Unsere OK-Mitarbeiter dürfen allerdings nicht nachbearbeiten. Deshalb geben wir den Bürgern Tipps für Verbesserungen, auch mit Hinweis auf unsere verschiedenen Seminare.« Hier lernt man beispielsweise wie eine Kamera bedient, Videos gedreht oder Fernsehtexte verfasst werden. Das ist ein weiterer Schwerpunkt von OK:TV Mainz. Mit der Gestaltung des Programms erhalten die Bürger die Möglichkeit, sich grundlegende technische, inhaltliche und rechtliche Kenntnisse im Medienbereich anzueignen. Darüber hinaus können sie Kameras ausleihen, Beiträge drehen oder ihre privaten Filme in dem zur Verfügung stehenden Sendestudio und an zwei Schnittplätzen schneiden. Für Kinder und Jugendliche gibt es spezielle Projekte und Praktikumsangebote.

Dorit Fauck nahm als 14-Jährige an einem Medienprojekt des Kanals teil und macht heute, sechs Jahre später, ein Praktikum bevor sie im Oktober mit dem Studium Medienkultur beginnt. »Ich engagiere mich total gerne im Sender«, schwärmt sie, und ist kein Einzelfall. »Wir haben hier viele junge Leute, die immer wieder zu uns kommen. Das liegt zum einen an unserem großen Ferienprogramm, in dem die meisten starten. Außerdem bieten wir an, bei uns ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) zu absolvieren und ehrenamtlich mitzuarbeiten«, erläutert Sozialarbeiter Preßmar. Er ist als einziger fest angestellt und führt mit vier FSJ'lern, drei Praktikanten und 30 Ehrenamtlichen die Geschicke des Senders.

Vor allem letztere sind eine große Stütze, denn unter ihnen befinden sich einige Medienexperten wie Redakteure vom ZDF, die ihr Fachwissen einbringen und professionell mitorganisieren. Ein interessantes Team mit so unterschiedlichen Menschen, bemerkt Preßmar, der auch den Kanal gegenüber der Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) vertritt. Sie finanziert das Equipment während der Trägerverein «L:OKAL Fernsehen und Medienbildung e.V." die Kosten für die Räume über Mitgliedsbeiträge und Spendengelder trägt. Von der LMK hat dieser zudem den Auftrag erhalten, die Kommunikationsplattform Offener Kanal anzubieten und den Geschäfts- und Sendebetrieb sicherzustellen.

Der Bürgersender OK:TV Mainz kooperiert außerdem eng mit den Hochschulen in Mainz und dem Medien­KompetenzNetzwerk Mainz-Rheinhessen und tauscht regelmäßig mit den 25 Offenen Kanälen in Rheinland-Pfalz Program­me aus. 1995 war Sendestart von OK:TV Mainz, seitdem stieg die Zahl seiner Nutzer stetig. In den letzten drei Jahren wurden über 1.000 Bürger registriert, die technisches Material ausliehen, an Projekten teilnahmen oder Sendeverantwortliche waren. Dabei liegt das Durch­schnittsalter zwischen 30 und 35 Jahren. Der OK:TV Mainz-Referent ist überzeugt: »Offene Kanäle sind so wichtig, weil sie sich direkt an die Zuschauer in der Region richten und Medienbildung mit lokaler Berichterstattung verbinden. Eben Fernsehen von Bürgern für Bürger.«

KH

Info:
www.ok-mainz.de

Hinweis:
Ab Ende August startet das Medienprojekt KinderUni für 11- bis 14-Jährige, bei dem OK:TV Mainz Partner ist. Die Anmeldung wird in der letzten Juliwoche frei geschaltet.
www.medienprojekt-kinderuni.de