Heft 251 August 2011
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Kneipe

Bar Dorett

Rotlicht für alle


Dorett

Auf Laufkundschaft setzt die Bar Dorett offensichtlich nicht. Von außen sieht das Lokal in der Zanggasse noch aus wie zu alten Zeiten, als dort bis 2009 - unter gleichem Namen - die älteste Erotikbar der Stadt ansässig war. Mit der roten Leuchtreklame und dem schummrigen Eingang ähnelt es äußerlich nach wie vor den beiden anderen Animierschuppen in der Straße, und wer gerade keine charmante Damenunterhaltung sucht und es nicht besser weiß, würde vielleicht zügigen Schrittes daran vorbeigehen. Dass die Bar Dorett tatsächlich aber zu den derzeit angesagtesten Läden in Mainz gehört, mag am Namen eines der Betreiber liegen: Pierre Scherner, besser bekannt als der »Bierbaron«, mischt schon seit Jahren im Mainzer Nachtleben mit. Noch bevor er die Bar im Oktober 2010 gemeinsam mit Sven Hummel und Franco Musso eröffnete, war sie unter Szenekennern in aller Munde.

Das Interieur ist in einem Indie-Stil gehalten, wie er in den vergangenen Jahren von den Szenestadtteilen Berlins aus in die mittelgroßen Städte des Landes gezogen ist. Geblümte Velourstapete, Mobiliar aus den 50er- bis 70er- Jahren wild zusammengekauft, auch die Theken sind 50er-Jahre-Modelle und stammen noch aus Animier-Zeiten, ebenso wie die rote Thekenbeleuchtung und die Damenporträts an den Wänden. Geraucht werden darf in einem Raum - ein Qualmverbot in der Atmosphäre des ehemals Verruchten wäre wohl auch Stilbruch. Serviert werden ausschließlich konzernfreie Getränke wie Schwabenbräu, Wulle Bier oder Fritz Kola. »Becks trinken ist wie Musik aus dem Radio hören, das hat nichts mit Geschmack zu tun«, findet Musso. Die Musik in der Bar variiert je nach DJ von Elektro über Funk bis Blues und Rockabilly. Von Mittwoch bis Samstag wird ab 21 Uhr geöffnet, das heißt, vor 23 Uhr braucht man nicht hinzugehen. Ab Oktober finden jeden zweiten Donnerstag im Monat Poetenlesungen statt, ausgerichtet von der Mainzer Künstlergruppe »Peng«.

Dorett Das ganz junge Publikum trifft sich hier eher nicht, die Gäste sind überwiegend zwischen Ende 20 und Mitte 40. »Und das finden wir super«, sagt Musso. Und auch die Stadt sei über das neue Konzept im Problembezirk Bleichenviertel nicht unglücklich, sagt der »Bierbaron« Scherner: »Das Dorett bringt eine andere Kundschaft hierher.« Ein Gast an der Theke, der sich als gebürtiger Berliner vorstellt, meint: »Als ich gesagt bekam, dass ich nach Mainz versetzt werde, dachte ich nur an Fachwerkhäuser. Ich hätte nicht gedacht, dass es hier auch so Läden gibt.«

Info: www.dorett-mainz.de

Alice Gundlach