Heft 251 August 2011
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Jubiläum

Viele Hürden - trotz Gleichstellung in vielen Bereichen

Eingetragene Lebenspartnerschaft


Dieter Kilian
Dieter Kilian, Gründer von VelsPol-Rheinland-Pfalz, engagiert sich auch im Ruhestand aktiv für Probleme und Fragen von Schwulen und Lesben im Polizeidienst.

Am 1. August begeht die »Eingetragene Lebenspartnerschaft für Homosexuelle« ihren zehnten Jahrestag. Das Lebenspartnerschaftsgesetz (LPartG) trat 2001 in Kraft und besagt unter Paragraph 1: »Zwei Personen gleichen Geschlechts, die gegenüber dem Standesbeamten persönlich und bei gleichzeitiger Anwesenheit erklären, miteinander eine Partnerschaft auf Lebenszeit führen zu wollen (Lebenspartnerinnen oder Lebenspartner), begründen eine Lebenspartnerschaft.« Lesben und Schwulen ist somit ihrer Beziehung ein eigener rechtlicher Rahmen gegeben worden und dieser schafft in vielen Bereichen eine Gleichstellung mit der Ehe, wie beim Unterhalts-, Güter- und Erbrecht. Hürden gibt es dennoch, etwa im Einkommenssteuerrecht, das Lebenspartner nicht gemeinsam veranlagt, sondern wie Ledige behandelt, und auch die gemeinsame Adoption eines nichtleiblichen Kindes ist unmöglich. Grundsätzlich ist das LPartG ein entscheidender Schritt, der verdeutlich, wie sich eine Gesellschaft und mit ihr die Gesetzgebung ändern kann, zumal erst 1994 der diskriminierende Paragraph 175 des Strafgesetzbuches abgeschafft wurde, der Homosexualität unter Strafe stellte.

Dieter Kilian und Erwin Raufelder
Dieter Kilian (links) und Erwin Raufelder wollten ihre Beziehung endlich offiziell anerkennen lassen und machten vor zehn Jahren den Schritt in die Eingetragene Lebenspartnerschaft.

Seit Inkrafttreten des Gesetzes haben sich, so schätzt der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) e.V., bundesweit 25.000 Paare für eine Eingetragene Lebenspartnerschaft entschieden. Zu ihnen gehören auch der Pensionär und ehemalige Polizei-Verwaltungsbeamte Dieter Kilian und sein Partner Erwin Raufelder, die sich am 30. August 2001 das Ja-Wort gaben. Mit Kilian, der den rheinland-pfälzischen Verband Lesbischer und Schwuler Polizeibediensteter (VelsPol) 1994 gründete, sprach DER MAINZER über seine Entscheidung, sich trauen zu lassen und über Vorbehalte gegenüber Homosexuellen.

Herr Kilian, Sie haben Ihren Partner vor 32 Jahren kennen gelernt und leben fast so lange mit ihm zusammen. Wurden Sie wegen ihrer Homosexualität benachteiligt?

»Ich selbst eigentlich weniger. Mein Partner und ich hatten damals zwar Schwierigkeiten, eine Wohnung zu finden, da man nicht an zwei Männer vermieten wollte. Daraufhin haben wir uns 1981 entschlossen, ein Haus zu bauen. Danach ließ es sich im Polizeipräsidium nicht mehr verheimlichen, dass ich schwul bin. Ich wurde gefragt, warum und mit wem ich ein Haus baue und ich habe erklärt, dass ich das mit einem Freund tue. Ich habe mir aber kein Schild umgehängt, dass ich schwul bin. Manchmal kamen schon dumme Sprüche, aber dann muss man dagegenhalten. Allerdings wurden auf die erste Einladung für eine Sitzung des VelsPol, die ich vor 17 Jahren im Job an das Info-Brett hing, einige stark abwertende Bewertungen und Beleidigungen gekritzelt. Auch heute gibt es noch immer sehr viele Vorbehalte gegenüber Homosexuellen, speziell innerhalb der Polizei und dort auch bei den Vorgesetzten, weil das Image besteht, als Polizist ein harter Typ sein zu müssen. Dadurch trauen sich viele nicht zuzugeben, dass sie homosexuell sind. Das merkt man auch bei unseren Verbands-Treffen, die nur von wenigen besucht werden. Bis heute haben wir nur 17 Mitglieder bei VelsPol, und das erst seit vier Jahren. Davor war ich allein aktiv, habe aber schon die ganze Zeit zahlreiche Fragen beantwortet, Hilfen und Tipps gegeben, natürlich alles anonym. Denn leider outen sich viele Polizeibedienstete nicht, weil sie noch immer befürchten, nicht befördert zu werden oder den entsprechenden Posten nicht zu bekommen.«

Sie haben sehr schell, vier Wochen nach Inkrafttreten des Gesetztes, geheiratet. Hatten Sie schon auf diese Gelegenheit gewartet?

»Man hat immer wieder gehofft, dass es so etwas gibt in Deutschland. Aber leider war das Gesetz damals erst mal nur mit Nachteilen versehen. Es gab nur Pflichten, aber keine Rechte für uns. Einige Nachbesserungen waren bis heute nötig. Von der Eingetragenen Lebensgemeinschaft habe ich gehört, weil ich Mitglied im LSVD bin und mich informiert habe. Als das Gesetz kam, haben mein Partner und ich nicht lange überlegt, sondern gesagt, wir machen das. Egal, ob wir Nachteile haben werden, aber wir wollten ein Zeichen setzen, dass wir zusammen gehören, ganz offiziell. Und da es die Möglichkeit gab, haben wir es auch gemacht. Von unserem Umfeld ist dieser Schritt positiv auf-genommen worden.«

Außenminister Guido Westerwelle gehört zu den bekanntesten Personen, die sich für die Lebenspartnerschaft entschieden haben. Denken Sie, dass das Gesetz geholfen haben könnte, die gesellschaftliche Benachteiligung von Homosexuellen zu verringern?

»Ein bisschen haben das Gesetz und natürlich die Zeit dazu beigetragen, dass sich im Bewusstsein etwas geändert hat. Trotzdem gibt es noch immer sehr viele Vorbehalte. Sie sind irgendwo zumindest bei der älteren Generation noch in den Köpfen drin. Viele wol­len sich auch nicht mit dem Thema befassen. Das Gesetz ist trotzdem gut, weil es insbesondere jungen Leuten den Weg erleichtert, sich zu outen und man braucht im Prinzip keine Nachteile mehr zu befürchten. Wobei es die im Einzelfall vermutlich verdeckt noch gibt, aber dagegen muss man vorgehen. Der Schritt von Guido Westerwelle als Politiker in seiner Position war groß, aber irgendwie finde ich, ist er noch viel zu zurückhaltend. Ansonsten sieht und hört man nichts von ihm zu den Rechten Homosexueller. Ich würde mir wünschen, dass er sich beispielsweise bei der Bundesregierung für die Veränderung des Steuerrechts einsetzt.«

KH