Heft 251 August 2011
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Abkühlung

Quer durch die ganze Stadt

Immer der Kälte hinterher


Frau am Ventilator

Spätestens wenn die Außentemperatur über die menschliche Normaltemperatur von 36 Grad klettert, fangen die meisten Menschen an, über die unerträgliche Hitze zu stöhnen. Das mag daran liegen, dass wir gerade nicht zur wechselwarmen Spezies gehören und nicht so anpassungsfähig sind, wie zum Beispiel Amphibien. DER MAINZER hat ein kühnes und zugleich kühles Experiment im Auge: Kann man in Mainz einen heißen August-Sommertag verbringen, ohne allzu viele Schweißperlen zu produzieren und trotzdem viel zu Gesicht zu bekommen? Das ist keine heiße Luft, versprochen. Eher »Cool watching«.

Gestartet wird das Vorhaben an der Uni. Der RW 1, der größte Hörsaal im Haus Recht und Wirtschaft (Jakob-Welder-Weg 9), ist technisch auf dem neuesten Stand und kann es spielend mit jeder Kältekammer aufnehmen. Einfach ein Laptop unter die Arme geklemmt und schon fällt man unter den ganzen Studenten gar nicht mehr auf. Da im August eh Semesterferien sind, kann die Zeit im RW 1 genutzt werden, um im Internet zu surfen - W-Lan lässt grüßen - und sich psychisch und physisch auf die bevorstehende »Eiszeit« vorzubereiten. Spätestens nach einer halben Stunde fühlt sich jeder abgehärtet genug, um es mit den weiteren Stationen aufnehmen zu können.

Ostkrypta Der Weg führt nun direkt ins Herzstück von Mainz - zum Dom. Kurz bevor man wieder halbwegs »aufgetaut« ist, steht man am Eingang zur Ostkrypta. Schon jetzt scheint das hektische, heiße Pflaster der Innenstadt meilenweit entfernt. Mit jeder Stufe nach unten wird die Luft angenehmer, natürlich nur was die Temperatur angeht, der typische, etwas modrige Kirchengeruch dürfte dagegen nicht jedermanns Geschmack sein. Unten angekommen findet der Besucher einen Schrein mit Reliquien von Mainzer Heiligen vor. Da kommt die Gänsehaut ganz von allein.

Nachdem genug kühlende Geschichte eingeatmet ist, kann man zur Stärkung in der klimatisierten Römerpassage einen leckeren Eisbecher schlemmen, eine tolle Erfrischung von innen.

Anschließend in den nächstgelegenen Supermarkt. Auf der Suche nach einem ordentlich gekühlten Durstlöscher schlendert man ganz langsam am Tiefkühlregal vorbei, um möglichst lange in den Genuss der kostenlosen »Ganz­körpergefriertruhe« zu kommen.

Regionalexpress Mittlerweile gibt die Mittagssonne alles. Eigentlich genau die richtige Zeit für ein Mittagsschläfchen. Wo kann man am besten schlafen? Richtig, im Zug. Warum also nicht einfach in den nächsten Regionalexpress nach Frankfurt steigen? Der Zug, von Saarbrücken kommend, läuft ab Mainz Hauptbahnhof erst so richtig heiß, äh pardon, eis(kalt). Die Klimaanlage arbeitet auf Hochtouren. Nach dem Stündchen Fahrt weiß jeder, was ein »Eisbein« ist. Auch ohne Aspik. Wirklich schlafen kann man allerdings nur, wenn die Sitznachbarn »stillhalten«. In der Regel hilft dabei ein Buch und gekonntes Lesen mit geschlossenen Augen. Woher nehmen? Stadtbibliothek in der Rheinallee! Hineinsetzen und schmökern. Denn die offenen Fenster, durch die stetig eine leichte Brise vom Rhein weht, wirken wie eine natürliche Klimaanlage.

Landesmuseum Am Nachmittag bietet sich das Landesmuseum an. Im August steht dort alles auf Wasser. Ab dem 2. August werden im Rahmen der Wasserausstellung die Videoinstallationen von Fiona Léus eröffnet. Das Landesmuseum ist mit einer aktiven und passiven Klimatisierung ausgestattet, bei der passiven werden die Baulichkeiten und die Lage des Gebäudes berücksichtigt, wodurch ein bestimmtes Klima erzeugt werden kann. In allen Räumen herrscht ein konstantes Klima von 18-22 Grad, sodass die Kunstwerke so wenig wie möglich einer Stresssituation durch Temperatur- oder Feuchtigkeitsschwankungen ausgesetzt sind.

Nach dieser perfekten geistigen Belebung, die es zum Eintrittspreis von fünf Euro gibt, steht einem der Sinn nach cooler Unterhaltung. Ideal aufgehoben ist man da natürlich im Kino. Im CineStar gibt es in allen Sälen eine Klimaanlage, die letztes Jahr im Juni generalüberholt wurde. Die Temperatur pendelt hier meistens im angenehmen Bereich bei 21 und 22 Grad, sodass auch keine akute Erkältungsgefahr besteht. Zudem lockt das attraktive Sommerprogramm a n den Kinokassen auch die gigantischsten Sonnenfans, jedenfalls spätestens bei einem Regentag, vor die Leinwände.

Eine kühle Alternative bietet sich auch in der Sektkellerei Kupferberg. Hier gibt es Führungen, die in die angeblich tiefsten Sektkeller der Welt gehen, allerdings vorher bestellt werden müssen. Hinunter in die Gewölbekeller mit anschließender Sektverkostung geht es ab zwölf Euro pro Person. Eine Führung durch die ehemaligen Fassläger und die alten Gemäuer dauert ca. eineinhalb Stunden.

Sie müssen zugeben: so lässt sich die Hitze doch ganz gut aushalten, oder? Wenn Sie das nächste Mal also wieder über die unerträgliche Schwüle jammern, probieren Sie doch einfach mal einen unserer Programmpunkte aus, um wieder einen kühlen Kopf zu bekommen.

Stefanie Gundel