Heft 250 Juli 2011
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Mainzer Köpfe

Herzlichen Glückwunsch zum 75-igsten Geburtstag

Lore Bert und die Wissenschaften


Lore Bert
Lore Bert


Lore Bert und Leonardo da Vinci: «Perspektiven« (2010)
Lore Bert und Leonardo da Vinci: «Perspektiven« (2010)


Lore Bert und Goethe: »Circulum« (2004)
Lore Bert und Goethe: »Circulum« (2004)


Lore Bert und Nelson Goodmann: »Bewegung« (1999)
Lore Bert und Nelson Goodmann: »Bewegung« (1999)


In künstlerischer Hinsicht zählt Lore Bert zu den ganz großen »Aushängeschildern«, die weltweit mit der Stadt Mainz in Verbindung gebracht werden. Am 2. Juli wird die Künst­lerin 75 Jahre alt. Seit Anfang der 60er Jahre lebt und arbeitet die Mutter der Mainzer Galeristin Dorothea van der Koelen - nicht nur aber auch - in der Gutenbergstadt. Der Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Metalllettern trug tatsächlich, aber indirekt, dazu bei, dass Lore Bert in Mainz ansässig wurde.


Gutenberg als »Wegbereiter«

Die Wiedereröffnung des Guten­bergmuseum 1963 war der Ausgangspunkt ihrer Hinwendung zu Mainz. Genauer der »Schell-Bau«. Rudolf van der Koehlen, Architekt und Lore Berts Ehemann, war dessen Bauleiter. Während des Studiums in Darmstadt, hatten sich der angehende Architekt und die angehende Künstlerin kennengelernt und 1956 in der Abtei Maria Laach geheiratet. Zwei Jahre später wurde der Sohn geboren, 1960 Tochter Dorothea, und Mitte der 60er Jahre bezog die Familie das Haus in Mainz, in dem Lore Bert noch heute lebt und arbeitet. Wenn sie nicht unterwegs ist und Ausstellungen in Szene setzt. »Mainz atmet Geschichte - der tausendjährige Dom, die alte Universität, es ist eine schöne Stadt, französisch angehaucht, ich mag die Menschen, deren Herzlichkeit untereinander«, begründet Lore Bert ihre Verbundenheit: Mainz sei ein Stück Heimat geworden.

Gutenberg-Museum als Ausstellungsort

In ihrer ersten Einzelausstellung im Gutenberg-Museum bezog Lore Bert 1989 u.a. das großformatige Environment für Martin Buber »Das dialogische Prinzip« mit ein und das Diptychon »Schrift Worte«. Dorothea van der Koelen schreibt 2003 zum Diptychon: »Schrift Worte heißt ein Diptychon, das Lore Bert 1989 anläßlich ihrer Ausstellung für das Johannes-Gutenberg-Museum in Mainz herstellt, ein elementares Werk, das ihre Wertschätzung des Geschriebenen und Gedachten zum Ausdruck bringt. Oft hat sie sich philosophischen Überlegungen gewidmet, hat ethische und ästhetische Fragestellungen in ihren Bildwerken thematisiert und mit Textstellen aus unterschiedlichen Quellen Bezug genommen. So wurden Schrift und Schriften zu einem wesentlichen Bestandteil ihres Werkes; Buchstaben, Worte und Begriffe in verschiedenen Sprachen, Ziffern und Zahlen in unterschiedlichen Schreibweisen.« (Lore Bert, Hauptwerke, 2003, S. 11)

Gutenberg-Museum als Ort der Ehrung

Eine Hommage an Lore Bert aus Anlass ihres 75. Geburtstags ist die neuerliche Ausstellung der Mainzer Künstlerin im Gutenberg-Museum: »Lore Bert und die Wissenschaften«. Leonardo da Vinci, Georg Cantor, Nikolaus Kopernikus, Immanuel Kant, Johann Wolfgang von Goethe, Nelson Goodman - Lore Bert versammelt in dieser Ausstellung eine illustre Gelehrtenschar. Auf die ihr eigene Weise. Die Auseinandersetzung mit deren Werken, die Adaption und Umsetzung in ihre eigene künstlerische Sprache gehört zu den Markenzeichen der Jubilarin. Ein Stück weit weg von Gutenberg, in Bretzenheim, wird in der Galerie Dorothea van der Koehlen, ebenfalls anlässlich des Geburtstages von Lore Bert, unter dem Titel »Hic et Nunc - Hier und Jetzt« eine Nicht-Retrospektive gezeigt. Dazu Dorothea van der Koelen: »Schließlich ist die Künstlerin, ungeachtet ihrer intensiven künstlerischen Ausstellungstätigkeit in den letzten Jahrzehnten (mit mehr als 200 Ausstellungen in 25 Ländern auf sämtlichen Kontinenten) und ihres Alters, noch immer rege im Atelier tätig und auf der Welt unterwegs um Ausstellungs¬projekte zu realisieren - zuletzt im Mai 2011 war sie Ehrenkünstlerin der Biennale in Izmir (Türkei).«

Ein Geburtstagswunsch

DER MAINZER fragte Lore Bert, ob sie einen besonderen Wunsch zu ihrem Geburtstag habe, einen, den sie öffentlich kundtun möchte? Lore Bert: »Ich wünsche mir, dass es auf der ganzen Welt keine Kriege mehr gibt. » Als Kind, so berichtet die Künst­lerin, habe sie sich nicht vorstellen können, wie das sei: Frieden. Alle Menschen auf dieser Welt, so wünscht sie sich, sollen Frieden erleben können. Lore Bert war 8 Jahre alt, als in der sogenannten »Brandnacht« vom 11. auf den 12. September 1944 ihre Heimatstadt Darmstadt durch Einheiten des RAF Bomber Commands weitgehend zerstört wurde.

SoS

Informationen
Ausstellung im Gutenberg-Museum »Lore Bert und die Wissenschaften« vom 4. Juli bis 11. September
www.gutenberg-museum.de
Ausstellung in der Galerie Dorothea van der Koelen in Mainz-Bretzenheim: ,Hic et Nunc - Hier und Jetzt', 2. Juli bis 16. September 2011
www.galerie.vanderkoelen.de