Heft 250 Juli 2011
Werbung




Jubiläum

Das Institut Français feiert 60. Geburtstag

Reden wie Gott in Frankreich


Wir alle würden doch gerne wie Gott in Frankreich leben. Das herrliche Essen, die abwechslungsreiche Landschaft, der köstliche Wein . Nur mit der Sprache hapert es bei den Meisten. Auch wenn Französisch angeblich die Sprache der Liebe ist, haben wir Deutschen sie einfach nicht wirklich drauf. Und selbst solche, die sie in der Schule angeblich gelernt haben, sind nach einigen Jahren glücklich, wenn sie auf französischem Boden nicht verhungern.

Isabelle Farçat
Im Einsatz für die deutsch-französische Freundschaft und für die europäische Vision: Isabelle Farçat

Die Mainzer haben es allerdings recht leicht, ihre Sprachkenntnisse wieder aufzufrischen. Immerhin gibt es hier schon seit 60 Jahren das renommierte Institut Français. Am 26. Juni 1951 wurde es offiziell gegründet und bezog schon damals seinen Sitz im Schönborner Hof, also ganz in der Nähe des Schiller-Denkmals. Seit diesem Tag arbeitet man aber nicht nur an der Förderung der französischen Sprache in Deutschland, sondern vor allem am interkulturellen Austausch. Und das ist bei ehemaligen Erzfeinden wie Deutschland und Frankreich gar nicht so einfach. Aber die beiden dahintersteckenden Staatsmänner Charles de Gaulle und Konrad Adenauer haben ihren »europäischen Plan« klug angefangen. Das weiß auch Isabelle Farçat, die ­Direktorin des Mainzer Institut Français. »Für einen engen Dialog braucht es eine gemeinsame Sprache und ein Verständnis der anderen Kultur und Kunst.« Bei der Gründung des »Institut« war damals schon klar, dass man sowohl die französische Sprache als auch den Mittler Kultur zum Schwerpunktthema der Organisation machen müsste. »Mainz war damals die Hauptstadt der französischen Besatzungszone.

Man war direkter Nachbar und auch ein wenig wesensverwandt, « erklärt Farçat, die bereits als Kulturattachée der französischen Botschaft in Den Haag wirkte. »Und so wurde Mainz zum Brückenkopf für die französische Kulturarbeit. Von hier aus sollte für eine gemeinsame europäische Zukunft gearbeitet werden.« Kein Wunder also, dass hier das erste von inzwischen elf Institut Français entstanden ist und dass man lange Zeit von hier aus die französische Kulturarbeit in Deutschland koordinierte. Und so immer weiter an der europäischen Vision gefeilt wurde.

Französische Kulturnetzwerker
Französische Kulturnetzwerker in Mainz (v.h.l.): Michkael Pavy, Leiter Sprachkursabteilung, Isabelle Farcat, Direktorin, Yvan Léger, Direktions- und Kulturprogramm Assistent; (vorne) Sprachlehrer Abdessalem Aboub, Annabelle Link Sekretärin und Sprachreferentin Sandrine Diesel

Bislang auch sehr erfolgreich. Es gibt regen Schüleraustausch von beiden Seiten, man lernt Französisch oft als zweite Fremdsprache und teilt sich einen Fernsehsender. Allerdings hat die Begeisterung für alles Französische in den letzten Jahrzehnten abgenommen. Da kommt dem Institut Français der 60. Geburtstag gerade recht. »Wir hoffen uns damit wieder mehr ins Bewusstsein zu ­rücken«, erklärt die Direktorin »Mit dem Jubiläum wollen wir aber nicht nur unserer Geschichte gedenken, sondern vor allem in die Zukunft blicken.« Aus diesem Grund hat man bei dem Programm auch darauf geachtet, zu zeigen, wie jugendlich die französische Kultur ist. Auch wenn Edith Piaf und Serge Gainsbourg immer noch absolute Klassiker sind, kann die französische Musikszene viel mehr und vor allem viel Frischeres bieten. Den Beweis gibt es bei der Jubiläumsparty am 9. Juli mit einem Konzert von URBS und einer anschließenden Party im Institut. Aber auch ganz abseits vom Geburtstagstrubel ist das Institut Français bekannt für seine kulturellen Angebote. Ob Ausstellungen, Lesungen, Theateraufführungen, Konzerte: Französische Kulturschaffende sind in Mainz gerne gesehen und gehört. »Künstlern fällt es oft leicht, einer kopflastigen Sache Leben einzuhauchen.« Und die deutsch-französische Verständigung ist eben am Anfang eine rein taktische Entscheidung zweier Staatsoberhäupter gewesen. Auch wenn es heute nicht mehr nur um diese beiden Länder geht, sondern um Europa. »Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, gemeinsam Europa zu bilden«, bekräftigt die einstige Französisch-Lehrerin. »Und um genau das zu tun, brauchen wir Bildungszentren wie das Institut Français.«

In den letzten Jahren hat das Institut Français Mainz seine Arbeit in den Kernfeldern Sprachkooperation und Sprachkurse weiter intensiviert. Im Jahr 2010 hat das »Institut« eine Gesamtzahl von 519 Schülern und 8.393 Kursstunden erreicht. Es lernen also immer mehr Mainzer dank dem »Institut« Französisch. So das keiner mehr verhungern muss und vielleicht sogar eine nette Konversation auf Französisch führen kann.


Infos: www.institutfrancais.de/Mayence


Daniela Tratschitt