Heft 250 Juli 2011
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Frauenfussball

Nicht nur zur Weltmeisterschaft

Das Sommermärchen reloaded


SVW
Die Frauenfußballmannschaft des SVW mit Abteilungsleiter Herbert Egner.

Seit fünf Tagen rollt der Ball. 16 Länder kämpfen zurzeit in neun deutschen Stadien um den WM-Pokal im Frauenfußball. Mit jedem deutschen Sieg steigt das Interesse der Fans und spätestens, wenn am 17. Juli ein Finale mit deutscher Beteiligung stattfinden sollte, hat das Fußballfieber wieder etliche Zuschauer gepackt. Hiervon sind auch die Fußballerinnen des Bezirksligisten SV Weisenau überzeugt, mit denen sich DER MAINZER vorab getroffen hat.

»Natürlich kommt es, was die Euphorie angeht, hauptsächlich auf die Medien an, wie die das puschen, aber jeder hat ja noch seine komplette Fanausrüstung daheim und alle feiern schließlich gerne«, stellt Stefanie Schaulies mit einem Augenzwinkern fest. Die 25-jährige Stürmerin des SV Weisenau spielt seit zwei Jahren Fußball. »Für junge Spielerinnen wird es durch die Heim-WM einen Aufschwung geben und wir werden weiter wachsen«, ergänzt Herbert Egner, Manager und Abteilungsleiter des SVW.

Tatsächlich sind alle Spiele


bereits ausverkauft und auch für Stefanie war es nicht leicht, noch eine Karte für das Vorrundenspiel Äuqatorial-Guinea gegen Brasilien zu ergattern. Frauenfußball ist längst keine exotische Randsportart mehr. Den größten Unterschied zum Männerfußball sieht die 27 Jahre alte Franziska Sehne, Kapitänin des SVW, einerseits im Tempo und andererseits darin, »dass Männer wehleidiger sind.« Für Innenverteidigerin Sonja Sauckel-Plock machen dagegen die »Männer mehr taktisches Gefoule, während bei Frauen eher aus emotionalen Gründen gefoult wird. Insgesamt haben Frauen aber weniger Kraft, was sie spielerisch ausgleichen müssen. Fußball, insbesondere die Spielfeldgröße, ist eher auf den männlichen Körper ausgerichtet.« Die 21-jährige Studentin, die früher Volleyball gespielt hat, erfuhr über die Uni von der Neugründung der Frauenfußballmannschaft des SVW im letzten Jahr. Nachdem sich die vorherige Mannschaft nach 19 Jahren aufgelöst hatte, bedingt durch den Weggang von Spielerinnen und der Trainerin, entschloss sich der Vorstand eine komplett neue Mannschaft aus dem Boden zu stampfen.

Durch gezielte Werbung im Internet fanden sich immer mehr Mädchen, die das Abenteuer Frauenfußball wagen wollten. Mittlerweile gehören 35 Frauen dem Kader an. Gerade der Umstand, dass es eine völlig neue Gruppenfindung war, hat auch Sonja, Stefanie und Franziska gereizt. Die heutige Kapitänin weist bereits eine Fußballkarriere von 13 Jahren auf. »Anfangs, also Ende der 90-er waren schon einige Eltern dagegen«, erinnert sie sich. Heute kommen immer mehr Zuschauer und viele Eltern schauen zu. Sogar die Herrenmannschaft des SVW feuert mittlerweile die Damen an. Laut Franziska sollten interessierte Mädels »eine Grundfitness mitbringen, Teamgeist, Laufbereitschaft und keine Angst vorm Ball haben.«

Teamgeist und Spass


SVW
WIR wird groß geschrieben bei den Frauenfußballerinnen des SV Weisenau: v.l.: Stefanie Schaulies (25 Jahre, Sturm), Sonja Sauckel-Plock (21 Jahre, Innenverteidigung) und Franziska Sehne (27 Jahre, Libero und Kapitänin der Mannschaft).

Besonderen Wert wird beim SVW vor allem auf die Förderung von Jugendmannschaften gelegt. Denn noch immer schlüpfen Jungs deutlich früher in die Fußballschuhe als Mädels und können so lange von ihren frühen Erfahrungen zehren.

Im Gegensatz zu anderen Vereinen geht das Konzept des SVW über das sportliche hinaus und verbindet Sport, Freizeit und berufliche Förderung. »Wir wollen mehr bieten als andere Vereine. Wir unterstützen unsere Spielerinnen auch beruflich, indem wir z.B. Praktikaplätze suchen, damit die Leistung auf dem Platz stimmen kann«, betont Egner. Die Philosophie des Vereins reiht sich nahtlos in dieses Konzept ein. Im Vordergrund stehen hier Teamgeist und Spaß. Die jüngsten Erfolge der Mannschaft sprechen für sich. Unvergesslich ist der erste Sieg gegen Bad Kreuznach.

Das Saisonziel - 6 Punkte - hat die Mannschaft bereits ein Spiel vor Saisonende mit 18 Punkten und Platz 8 weit übertroffen. »Ich bin stolz, was die Mannschaft quasi aus dem Nichts geschaffen hat«, schwärmt Egner, der der Trainerin der Mannschaft, Haruka Schmelich auch während den Spielen oft beratend zur Seite steht. Wenn sich Birgit Prinz und Co. daran ein Beispiel nehmen, kann die Mission Titelverteidigung ja nur gelingen.

Das »Wir-Gefühl« des SVW ist auch für jeden Außenstehenden sichtbar. Von Gezicke keine Spur. Wenn dies auf dem Rasen doch mal vorkommt, »wird das nach dem Spiel sofort geklärt.«, berichtet Sonja. Der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft wird durch gemeinsame Grillabende und Feiern gestärkt. Auch zu den Sponsoren REWE und das Strandcafé gibt es einen engen Kontakt. In naher Zukunft ist zudem eine Fahrt nach Dijon im Rahmen eines Trainingslagers geplant.

Die Spiele der deutschen Nationalmannschaft wird sich das Team dann auch zum Teil gemeinsam im Strandcafé ansehen. Bei einem Vorrundenspiel stellt der SVW die Mannschaft vor und Bundesligaspielerinnen aus Frankfurt werden ebenfalls zu Gast sein. Alle, deren Neugier jetzt geweckt ist, sind im Namen des SVW herzlich eingeladen, bei den Spielen auf dem Sportgelände Weisenau vorbeizuschauen. DER MAINZER drückt für das nächste Ziel, den Aufstieg, schon mal alle zur Verfügung stehenden Daumen.

Nähere Informationen unter www.svw-mainz.de


Stefanie Gundel