Heft 250 Juli 2011
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Denkmal

»Mann mit Pferd«

Übersetzung der Natur


Denkmal

Kaum ein Bildhauer ist so häufig mit seinen Werken in Mainz vertreten wie Reinhold Petermann. Allein auf dem Gelände der Mainzer Universität sind an drei Standorten Skulpturen des Mainzer Künstlers installiert. Thema dieses Artikels ist die älteste - die Plastik »Mann mit Pferd« ziert seit 1968 den Eingang des Philosophicums. Als sich vor ein paar Jahren eine Gruppe von Studenten mit den Kunstwerken auf dem Campus befasste, interviewten sie auch Petermann zu seinen Werken. Dabei sagte er über seinen »Mann mit Pferd«: er habe bewusst keine fotografisch genaue Abbildung gewählt. Es sei ihm mehr um eine ,Übersetzung' der Natur gegangen. So habe er auch kein bestimmtes Pferd darstellen wollen. Es sei vielmehr »die Summe aller Pferde«. Über den Sockel, auf den Mann und Pferd gestellt wurden, war Petermann übrigens gar nicht begeistert. Den Studenten sagte er, das gebe dem Werk etwas ,unangemessen Denkmalhaftes'. Außerdem fand er die Perspektive ungünstig. Ihm selbst gefiel nämlich der lange schmale Rücken des Pferdes am besten. Den aber bekommt der Betrachter so hochgestellt kaum zu sehen. Bei den Studierenden, die täglich an der Skulptur vorbei ins Philosophicum gehen, kommen Ross und Reiter gut an, glaubt Petermann.

Zwar wurde das Pferd im Laufe der Jahre immer mal umgestaltet, mit Streifen zum Zebra gemacht oder es musste als Plakatständer und Fahrradständer herhalten. Geärgert hat sich Petermann darüber aber nicht, er fand es lustig. Das Motiv hätte Petermann sich übrigens kaum von sich aus ausgesucht. In der Ausschreibung für den Wettbewerb war damals vorgegeben worden, dass ein Tier dargestellt werden sollte. Also bewarb Petermann sich mit einem kleinen Modell von Mann und Pferd und setzte sich damit gegen drei Konkurrenten durch. Eigentlich aber besteht das Hauptwerk von Reinhold Petermann aus den unterschiedlichsten Frauenakten. Eine solche Bronzefigur steht seit dem vergangenen Oktober im Botanischen Garten der Mainzer Uni. Sie heißt »Elisabeth« und ist Thema im nächsten MAINZER.

Ilona Hartmann