Heft 250 Juli 2011
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Catering

Andreas Gaul und sein Engagement in der Coface-Arena

Erstligareifes Catering im erstklasssigen Stadion


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Andreas Gaul (rechts) mit Bereichsleiter Michael Kahl





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Andreas Gaul





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Es gibt eine dem Fußball eng verbundene Sportart, die zwar nicht olympisch ist - in Mainz aber von vielen Nullfünf-Anhängern regelmäßig betrieben wird: Der Halbzeit-Triathlon. Wenn der Schiedsrichter zur Halbzeitpause pfeift, traben die 22 Aktiven in die Kabinen um sich etwas zu erholen und den mahnenden Worten des Trainers zu lauschen. Gleichzeitig bricht auf den Rängen eine gewisse Unruhe aus: Tausende Zuschauer erheben sich fast gleichzeitig und eilen zu den überall im Stadion strategisch verteilten Verkaufsstellen, um sich mit Nahrung und Getränken für den zweiten Teil des Spiels einzudecken.

Hat man den Kiosk erreicht, beginnt die Phase des zermürbenden Wartens und »Schlange-Springens«, gefolgt von Bestellungsaufgabe und -annahme, Bezahlen - und schließlich als letzter großer Akt: Das vorsichtige Zurückbalancieren der erhaltenen Produkte. Jeder, der seinen Platz vor Wiederanpfiff erreicht hat - ohne die Hälfte der Getränke zu verschütten - darf sich, zumindest moralisch, als Sieger fühlen.


die »Halbzeit-Herausforderung«

Der Mathematiker kann über solche Bemühungen nur den Kopf schütteln: Wenn auch nur ein Drittel der Besucher (10.000) den Weg zum Kiosk antritt und man 30 Sekunden von der Bestellannahme bis zum Abschluss der Bezahlung rechnet - oder genauer: bis der Fan seine Ware sicher gegriffen und dem nächsten in der Schlange Platz gemacht hat - kann eine Arbeitskraft in 15 Minuten hochgerechnet 30 Personen versorgen: Es wären also 330 Ausgabestellen von Nöten, etwa die gleiche Zahl an Zuarbeitern im Kiosk und ein vielköpfiges Serviceteam hinter den Kulissen: rund 700-800 Personen insgesamt. Bei warmen Wetter, einem guten Spiel oder anderen durstfördernden Umständen entsprechend mehr. Betriebswirtschaftlich nicht umsetzbar - oder etwa doch?

Das Mainzer Konzept: Miteinander

Wenn am 3. Juli die Coface-Arena offiziell eingeweiht wird, beginnt für Verein und Fans ein neues Zeitalter: Mainz ist dann auch in Sachen Stadion erstklassig - und in der Catering-Tabelle ganz weit oben zu finden. Schon jetzt hört man von Insidern viel Lob für das neue Konzept der Nullfünfer. Was anfangs noch von vielen Skeptikern belächelt wurde - »Wie wollen die denn überhaupt wissen, wie man ein Stadion baut?« - gilt heute schon als ein Vorzeigeprojekt.

Eine der Ursachen des Erfolges: Die Verantwortlichen des Vereins ließen sich schon frühzeitig von ausgewiesenen Spezialisten beraten, setzten die Ergebnisse auf die spezifischen Mainzer Erfordernisse um und besprachen rechtzeitig alle Entscheidungen mit den jeweils Betroffenen. Zu diesem Konzept zählte auch die frühe Ausschreibung der Cateringrechte: sie gingen für zunächst zehn Jahre an den bisherigen Inhaber Andreas Gaul und seine Gaul Sportcatering GmbH & Co. KG, die sich gegen ein halbes Dutzend gro­ße Konkurrenten durchsetzen konnte.

Caterer mit internationaler Erfahrung

Sportcatering ist nur ein Zweig des in Mainz ansässigen, national und international tätigen Catering-Service. Für Gaul, der schon vor Jahren das alte Bruchwegstadion übernommen und das Optimale aus den dort teilweise noch archaischen anmutenden Strukturen herausgekitzelt hat, ist die neue Aufgabe, als Mainzer und Null-Fünf-Fan, eine Herausforderung, der er sich unbedingt stellen wollte.

Durch die frühzeitige Planung konnte Gaul noch in alle ihn betreffenden Entscheidungsprozesse mit einbezogen werden. Der Mainzer Caterer brachte das erforderliche Know-How mit - und genaue Vorstellungen über die baulichen und infrastrukturellen Notwendigkeiten am neuen Standort. Das bedeutete allerdings auch für ihn zunächst: Große Investitionen.

Für VIP's und Ultras

Der Aufgabenbereich des Catering umfasst im Einzelnen:

  • den Business- und Logenbereich für ca. 2.500 Gäste
  • 17 autarke Ausgabestationen im »allgemeinen Fanbereich« für rund 30.000 Personen
  • die Fankneipe mit einem großen angeschlossenen Biergarten

Außerdem ist Gaul's Catering auch für alle Veranstaltungen außerhalb eines Spieltages verantwortlich: Von der Geburtstagsfeier in der Fankneipe (die für private Zwecke gemietet werden kann) bis zur Rund­um-Versorgung bei Konferenzen und Tagungen im Business-Bereich.

In der Warteschlange

Zurück zur Halbzeitpause: Wie schon angedeutet, sind die am Anfang genannten Zahlen Idealwerte: Wer schon einmal in einer Schlange im Bruchwegstadion gestanden hat, kennt die nervenaufreibende Praxis: Der Vordermann beginnt erst mal zu überlegen »Was sollte ich mitbringen?«, »Was trinke ich eigentlich?«, versucht dann einen Kurzflirt mit der charmanten jungen Dame am Stand, ruft einem Bekannten in der Nachbarschlange noch schnell seinen Kurzkommentar zur ersten Spielhälfte zu, beginnt dann eine Diskussion über die Größe der Bratwürste oder die Füllhöhe im Becher »Da kannste aber noch was drauf machen!«, sucht den - eigentlich unübersehbaren - Ketchup-Spender, wühlt schließlich umständlich den Geldbeutel aus der Hosentasche und steht dann vor dem Problem, wie er seine vier Bier und drei Würste sicher zurück auf die Tribüne bringt: »Habt ihr denn kein Tablett oder so was für mich?« - Und das alles in nur 30 Sekunden? Schön wär's! Eine ebenso nervenaufreibende wie schweißtreibende Situation für alle Beteiligten.

Die Lösung: Investitionen, Schulung, »Plastikgeld«

Gauls Antwort auf die Herausforderung ist klar. Um sich dem Idealstatus zu nähern musste er zunächst einmal kräftig investieren: seine hochmodernen, unabhängig operierenden Kioske sind die Basis für eine ebenso unterbrechungsfreie wie zeitnahe Produktionslinie: In wenigen Sekunden von der Fertigstellung bis zum Verkauf. Zehn Mitarbeiter warten pro Einheit auf die Kunden: fünf geben aus, fünf liefern zu: So sind alle Produkte direkt griffbereit - nichts muss erst auf Zuruf - »Machste mir noch 2 Radler« - erst noch zubereitet werden.

In nüchternen Zahlen bedeutet dies: neben einer Vielzahl neu geschaffener Arbeitsplätze werden pro Spieltag bis zu 350 Teilzeitarbeitskräfte benötigt, die vorab geschult werden müssen um den reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Die großen Investitionen und die hohen Personalkosten dienen nur einem Zweck: Dem Mainzer O5-Fan schnellstmöglich sein Bier und Brötchen zukommen zu lassen.

Die Sache mit der Pay-Card

Und auch beim Bezahlen hat man sich jetzt dem internationalen Standard angepasst: Der Kunde zückt nur noch seine aufladbare Pay-card - kurz »Plastikgeld« genannt - und der Betrag wird sofort abgebucht - kein umständliches Wechselgeld herausgeben und verstauen, kein »Haste es nicht kleiner«. Pay-Card - das kann die »05er FanKarte« sein: in Zehner-Schritten aufladbar bei den mobilen »Payment-Servicekräften« und 28 stationären Aufladestationen. Alternativ kann man auch mit der eigenen EC-Card bzw. Bank/­Giro-Karte bezahlen - vorausgesetzt sie besitzt eine »Geldkartenfunktion« und wurde vorher bei der eigenen Bank entsprechend aufgeladen.

Alles in allem: ein wesentlich schnelleres und auch hygienischeres Bezahlverfahren. Alleine - hier motzt noch so mancher Fan. Obwohl die Vorteile offensichtlich sind, ist die Aufregung - z.B. in diversen Internetforen - nicht zu übersehen. Größtes Missverständnis: Wer seine Karte auflädt, verwechselt das mit »Bezahlen« - glaubt, dass sein Geld in dubiosen Kanälen verschwindet, dass er einen zinslosen Minikredit vergibt: »Dann ist mein Zwanziger weg, und wenn ich nur für 12 Euro was trinke, haben die meine 8 Euro und können mit denen arbeiten bis ich am nächsten Spieltag wieder komme.« Stimmt nicht lieber Fan! Du hasst dein Geld immer noch im Portemonnaie - nur eben nicht in Form eines Scheins, sondern »auf der Karte«. Ein System, dass in allen anderen Stadien funktioniert - und auch in vielen Kantinen: Von der Uni-Mensa bis zum ZDF.

Außerdem: Wer will, kann seine Karte jederzeit, z.B. direkt nach Spielende, wieder entladen. Und bei Auswärtsspielen? Da ist man in Mainz kulant: Die Gästefans haben ihren eigenen Ausgabebereich - und da wird noch Cash bezahlt. Außerdem arbeitet man zurzeit ligaweit an einer einheitlichen Karte, die in allen Stadien einsetzbar ist. Und wer erst ein paarmal mit dem Plastikgeld bezahlt hat merkt sehr schnell wie praktisch und zeitsparend das ist. Nur: rechtzeitiges Nachladen nicht vergessen: Die Leute in der Schlange, werden es danken.

Brezel oder Feuerwurst

Auch beim Angebot hat Andreas Gaul und sein Partner Babi Spanos nichts dem Zufall überlassen - in einem Gespräch mit Fanclubs wurden die Bedürfnisse hinterfragt:, dazu kam ein spezieller Wurst-Contest. Die Auswahl wird größer. So gibt es neben den Klassikern »Bier« und »Feuerwurst« auch rheinhessische Spezialitäten und Vegetarisches. Sollten sich weitere Fanwünsche herauskristallisieren, kann nachgerüstet werden: das System ist flexibel und nicht statisch angelegt.

Auch im neuen Stadion dabei ist »sauer Gespritzter« - von den Gästefans sicherlich ebenso als Exotica eingeschätzt wie die Fischbrötchen auf St. Pauli. Und an zwei Ständen gibt es Produkte aus dem Hause Ditsch - darunter natürlich das absolute »Muss«: Die große Brezel!

»Kommunikationspunkt Buffet«

Im V.I.P.- und Businessbereich warten andere Herausforderungen auf die Mitarbeiter. Alle Verantwortlichen haben sich im Logenbereich bewusst gegen eine dezentrale Bewirtung entschieden - die großen Selbstbedienung-Buffets befinden sich alle im Meeting Bereich. Die konkrete Fokussierung auf diesen Bereich schafft optimale Kommunikationsmöglichkeiten für die Gäste und garantiert jederzeit den Zugriff auf die gesamte Angebotspalette.

Das Herzstück des Systems sind die voll ausgestattete Haupt- sowie vier angeschlossene Satellitenküchen, die eine optimale Versorgung in diesem Bereich garantieren. Die Gäste können sich an den Buffets selbst bedienen - oder den Tisch-Service in Anspruch nehmen.

Fan-Party

Als erfahrener Caterer hat Andreas Gaul natürlich auch die großen amerikanischen Sport-Events im Auge: In den USA reisen die Fans z.B. zu großen Football-Ereignissen schon am Vortag an, grillen am Abend vor ihren Wohnmobilen und Zelten, amüsieren sich am Veranstaltungstag auf den stundenlangen Pregame-Partys und erleben dann das eigentliche Spiel als Höhepunkt eines komplexen Sportwochenendes. Dass dies auch in Deutschland möglich ist, wurde in Zeiten der NFL-Europe eindrucksvoll bewiesen. Fans der Frankfurt Galaxy erinnern sich noch mit Wehmut an die großen Partys der Footballfans im Rhein-Main-Gebiet. Aspekte, die sich natürlich nicht »eins zu eins« auf die deutsche Bundesliga übertragen lassen.

Als ersten Punkt dieser Events möchte Gaul im neuen Stadion: die Fan-Party übernehmen: Nach dem Spiel ist noch nicht Schluss. Die Fans werden sich in Zukunft nach Spielende in einem abgegrenzten Bereich der Arena treffen und, zu einem passenden Beiprogramm, Spiel und Mannschaft feiern. Der Schlusspfiff beendet dann zwar das Spiel - aber nicht den Sporttag. Dies soll nach der Eröffnung zur Regel werden.

Europa - wir kommen!

Mit dem Anpfiff am 3. Juli beginnt für Verein und Fans ein neues Zeitalter. Als man vor rund dreißig Jahren auf der Hügellandschaft stand die schon damals optimistisch »Gegengerade« genannt wurde und bei den Spielen gegen Mannschaften wie Salmrohr, Worms und Bingen um die Punkte zitterte, hätte wohl keiner ernsthaft daran geglaubt, dass der FSV einmal zu den Top-Teams der ersten Liga zählen und sich für einen europäischen Wettbewerb qualifizieren würde. Die Voraussetzung für eine erfolgreiche Saison - national wie international - sind in der neuen Arena gelegt. Der MAINZER drückt die Daumen, dass sie für alle - Verein, Fans und Caterer - auch den gewünschten Erfolg bringen wird.

(Matthias Dietz-Lenssen)