Heft 249 Juni 2011
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Wohnen

Die Beratungsstelle »LebensWohnraum für Mainz«:

Anlaufstelle und Lotse


WohnSinnSisters
Gemeinschaftlich · genossenschaftlich Generationsübergreifend · Woh Die »WohnSinnSisters« eröffnen am 11. August im Mainzer Rathaus d lung »Wohnprojekte in Rheinland-Pfalz« (www.wohnsinnsisters.de)

Immer mehr Menschen werden immer älter und wollen am allerliebsten in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben. Ein schwieriges Unterfangen. Aber machbar. Je früher, desto einfacher. Für alle Menschen. Auch für diejenigen, die keine Reichtümer besitzen. Erste Annäherungsversuche an das Thema fördern einige Begriffe zutage: Barrierefreies Wohnen, generationenübergreifendes Wohnen, altengerechtes Wohnen, gemeinschaftliches Wohnen - geht es dabei immer um dasselbe? Berit Herger kennt die Unterschiede genau. Sie leitet beim DRK die Beratungsstelle »LebensWohnraum für Mainz« - eine Kontaktstelle für Menschen, die gemeinschaftlich wohnen wollen. Nicht erst wenn und nicht nur weil der Rollator nicht durch die Badezimmertür passt.



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Gegenseitigkeit und Netzwerken: Ulrike Orth (li) möchte mit anderen zusammen in einer Gemeinschaft wohnen; Berit Herger fördert als Lei- terin der DRK-Beratungsstelle Le- bensWohnraum für Mainz mit Wissen und Kontakten die private Initiative.

Die Ausgangslage stellt sich, zugespitzt, wie folgt dar: Der demographische Wandel erfordert auch von der privaten wie öffentlichen Wohnungswirtschaft immense Anpassungen, die noch nicht wirklich in Gang gekommen sind. Die Nachfrage, insbesondere in Ballungsräumen, nach »normalen« Mietwohnungen ist immer noch groß genug. In ein paar Jahren aber werden viele dieser Wohnungen leer stehen, »unbewohnbar« für ältere Menschen. »Allerdings«, stellt Berit Herger klar, »geht ,Gemeinschaftliches Wohnen' über altengerechtes Wohnen hinaus, es reicht nicht, ein Wohnprojekt anzugehen, mit dem alleinigen Ziel, im Alter nicht allein zu sein.« Im Vordergrund stünden nicht die Türbreite und der Aufzug, sondern Selbstverantwortung und Kommunikation. Menschen müssten sich einigen, wie sie zusammenleben wollen - in einem Haus oder in einem Wohnblock, neu gebaut oder selbst saniert, mit Hilfe eines Investors oder einer Wohnungsbaugesellschaft, als Eigentümer oder als Mieter. Wille und Wunsch, mit Menschen, die man sich aussucht und im Laufe der Zeit gut kennenlernt, auch etwas gemeinsam zu machen, sind die Antriebsfedern. Die jeweilige Gemeinschaft bestimme selbst - auch, ob in schwierigen Lebenssituationen die Nachbarn einkaufen gehen. Im Grunde bedeute »Gemeinschaftlich Wohnen« nur, Einfluss darauf zu haben, wer nebenan einzieht, wer als nächster in das Projekt mit einsteigt. Hört sich nach wenig an, bedeutet aber erhebliche Anstrengungen. Es braucht Zeit, intensive Beschäftigung: »Das ist kein Hobby. Wer mit anderen gemeinsam leben will, muss sich damit auseinandersetzen.« Und früh anfangen. Wenn die körperliche und geistige Mobilität auch Konflikte noch gut aushalten und austragen kann.


Der Weg ist das Ziel

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»Gib und Nimm« heißt der kleine Umsonstladen im Wohnprojekt Layen-hof. Alles, was zu Hause nicht mehr gebraucht wird findet hier neue Nut-zer - nicht nur von und für Layenhof-bewohner.

Berit Herger hat schon einige Such- und Findprozesse solcher Initiativen und Vereine begleitet: »Da kommt viel in Bewegung, denn die Menschen, die miteinander reden und überlegen, ob ein Garten sein muss oder ob es auch ein Balkon tut, die verändern sich und ihre Ansprüche im Verlaufe dieser Annäherung.« Die Beratungsstelle sei nicht dazu da, fix und fertige, altengerechte oder gar barrierefreie Wohnungen zu vermitteln, stellt die Leiterin klar. »Die Palette des 'Gemeinschaftlichen Wohnens' ist sehr breit, ich unterstütze die Netz­werkarbeit, ich kenne Ansprechpartner, schaffe Wissen und vermittele Kontakte.« Gleichzeitig greift Herger die Erfahrungen der Wohnprojekte auf, bindet sie in ihre Arbeit mit ein. Klar ist allerdings, dass diese »Katalysatorfunktion« politischer Unterstützung bedarf, um nicht zu verpuffen. Rheinland-Pfalz, meint Berit Herger, sei recht gut aufgestellt, die Arbeit der Beratungsstellen werde von der Landesregierung gefördert, ebenso diverse Projekte. In Mainz ist das Thema »Gemeinschaftliches Wohnen« in den Arbeitskreis Wohnen der Lokalen Agenda 21 eingebunden, ein Ziel sei es, größere Wohnprojekte in Gang zu setzen - wie auf dem Layenhof: Der Verein Wohnprojekt Layenhof e.V. besteht seit 1996 und hat als Generalmieter von der Wohnbau Mainz 32 Wohnungen in zwei Wohnblocks der ehemaligen US-Siedlung angemietet. »Selbstbestimmt, Nachbarschaftlich, Sozial« so die Ansprüche des Vereins. (www.wohnprojekt-layenhof.de)

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Neue Wohnformen im Alter

Die Idee, mit anderen gemeinsam zu wohnen, ist für das Ehepaar Orth nichts Neues. Seit mindestens fünfzehn Jahren organisiert die fünfköpfige Familie das Abendessen mit einer ebenfalls fünfköpfigen Familie aus der Nachbarschaft gemeinsam. »Uns war immer klar, wenn die Kinder aus dem Haus sind, wollen wir diese Gemeinschaft erweitern«, sagt Ulrike Orth. Mit der Gründung des Vereins CONVIVIUM vor zwei Jahren wurde ein erster Schritt unternommen, mittlerweile ist, in Kooperation mit dem Verein »AIDA- Gemeinschaftlich Wohnen und Leben«, die Realisierung einer »Hausgemeinschaft für Leute ab 50« näher gerückt. »Wir wollen kein Eigentum erwerben, sondern mieten,

deshalb brauchen wir einen Investor.« Der die »Wünsche« der künftigen Bewohner miteinplanen soll, zum Beispiel: unterschiedlich große Wohnungen, rückbaubar, bzw. zusammenlegbar, Gemeinschaftsraum, altengengerecht. Geklärt werden muss, ob ein Gesamtmietvertrag für alle Wohnungen abgeschlossen wird oder ob Einzelmietverträge durch einen Kooperationsvertrag ergänzt werden. Für die Wohnungswirtschaft sei das viel Neuland, aber angesichts des demographischen Wandels sicher eine lohnende Herausforderung, so eine Erfahrung von Ulrike Orth.
Infos:
www.CONVIVIUM-mainz.de,
www.aida-gwl.de