Heft 249 Juni 2011
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Trendsport

Es war einmal ein Kinderspiel:

Vom Seilspringen zum Rope Skipping


Ropeskipping Double Dutch
Die Einsteiger, also Kinder ab fünf Jahren, haben am meisten Spaß am Double Dutch, dem Springen

Mit dem was die Mädchen früher in der Schule gemacht haben, hat das nur noch ganz entfernt zu tun. Rope Skipping ist mehr als Seil­hüpfen. Der neue Trendsport ist eine Mischung aus Akrobatik, Tanz, Köperbeherrschung, Technik, Wettkampf und natürlich auch Seilspringen. In Amerika ist der Sport schon seit langem der Renner - und das nicht nur bei kleinen Mädchen. »Gerade dort machen auch viele junge Männer beim Rope Skipping mit«, erklärt Daniel Herz, einer der Übungsleiter der Rope Skipping Kurse der Turngemeinde 1861 e. V. Mainz-Gonsenheim. »Bei uns allerdings hat sich das noch nicht wirklich durchgesetzt. Allerdings haben die tatsächlichen Wettkampfmannschaften wie die Flying Ropes in Rüsselsheim auch männliche Mitglieder.« In Gonsenheim gibt es vier Grup­­pen in der Abteilung Rope Skipping, mit insgesamt etwa 80 Kindern und Jugendlichen. Schon ab fünf Jahren kann man hier mitmachen und »eigentlich gibt es keine Altersgrenze. Allerdings machen bei Erwachsenen oft die Knie nicht so lange mit.« Leiterin der 1993 gegründeten Abteilung ist Steffi Iriohn. Die Diplomsportlehrerin betreut die Gruppen seit 1995. Außerdem ist Iriohn anerkannte Rope Skipping Instructorin und Fachwartin für Rope Skipping in Rheinhessen. Wie genau die Urform dieser Sportart, also Seilspringen, entstanden ist, lässt sich nicht klären. Anscheinend haben das Kinder überall auf der Welt schon immer getan. Ist auch kein Wunder, immerhin braucht es dafür, außer einem Seil, keine weiteren Sportgeräte. Das » alte« Hanfseil wurde durch »Geschwindigkeitsseile« (Speedseile) aus Kunststoff oder Metall ersetzt. Rope Skipping, so wie es heute praktiziert wird, ist vor mehr als 30 Jahren als Kam­pag­ne der American Heart Association entstanden.


Kreatives Hüpfen

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Vier Mädchen mit zwei Seilen ist ein beliebtes Showelement.

Die Idee hinter der Aktion der bekannten Herzstiftung war, durch gezieltes Training Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen. Spannenderweise hat diese gesunde Werbemaßnahme funktioniert, und Seilspringen wurde vor allem an Schulen immer beliebter. Je mehr Menschen hüpften, desto kreativer wurden die Sprünge. In den 1980ern schwappte die Welle auch nach Deutschland über. Einerseits bereiste der Choreograph und Pädagoge Rainer Pawelke mit einem Sporttheaterprojektes deutsche Bühnen und Fernsehstudios, andererseits brachte der Sportlehrer Wolfgang Westrich diese Sportart über den Teich und wurde mit den »Rusty Jumpers« bekannt. Heute kann man in vielen Sportvereinen und Fitnessstudios professionell Seilspringen. Nun gibt es aber auch beim Rope Skipping verschiedene Disziplinen. Das Einzelspringen wird bei den verschiedensten Sportarten wie etwa Boxen zum Aufwärmen und für das Ausdauertraining benützt. Im Grunde ist das dem ursprünglichen Seilspringen am ähnlichsten. Man springt entweder mit beiden Beinen oder im Laufschritt. Zum Einzelspringen gehört auch Speed, wobei es darum geht, so viele Sprünge wie möglich zu machen. Um es nicht langweilig werden zu lassen, kann man auch einen Besucher ins eigene Seil nehmen, die Arme kreuzen, rückwärts schwingen, . Beim Rad hält man die Griffe seiner beiden Nachbarn in der Hand. Hier muss man also gut zusammenarbeiten, denn wenn einer einen Fehler macht, fallen alle. Besonders beliebt ist Beaded Rope und Double Dutch - nicht nur bei den Kindern der TGM Gonsenheim. Beim Double Dutch schlagen die beiden gegenüberstehenden Schwinger ihre zwei Seile immer in Gegenrichtung. In der Mitte können dann ein oder mehrere Springer Tricks und Stunts ausführen: laufen, klatschen, drehen, Ballwerfen, tanzen, Handstand, Liegestütz oder was einem auch immer einfällt. Genau daraus entstehen dann auch oft Teile einer Show.

Show und Wettkampf


Hierbei werden Choreografien zur Musik eingeübt, die Stunts haben unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und es werden alle Teile des Rope Skippings gezeigt. »Auch hier gibt es große Unterschiede«, erklärt Steffi Iriohn. »Bei den Gruppenteilen der Shows werden meist einfache, gut zu koordinierende Stunts präsentiert. Bei den Einzelküren wird es dann oftmals schwieriger, raumgreifender und spektakulärer.« Selbst wenn es mit einfachem Seilhüpfen beginnt, ist Rope Skipping doch viel mehr. Immerhin hat auch Hollywood schon das Potential dieses »Kinderspiels« entdeckt. Und gerade für die Jüngsten ist der Sport ideal. »Es ist einfach zu erlernen und macht vor allem den Kleinen viel Spaß. Und unsere fortgeschrittene Gruppe der TGM Hoppers weiß den Wettkampfcharakters zu schätzen«, weiß Herz. Rope Skipping ist also nicht nur gesund, sondern auch noch kreativ. Kein Wunder, dass dieser Sport den Weg vom Schulhof in die Turnhalle gefunden hat.

Daniela Tratschitt

Info: www.tgm-gonsenheim.de/rope-skipping