Heft 249 Juni 2011
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Netzwerk

Nachilfe und Betreuung

Bildung ohne Schranken


Mitarbeiterinnen des Bildungsnetzwerks
Mitarbeiterinnen des Bildungsnetzwerks betreuen im Bretzenheimer Asylbewerberheim die dort wohnen-den Kinder nach der Schule.

Schlechte Noten, aber kein Geld für Nachhilfe? Das ist leider an vielen Mainzer Schulen kein Einzelfall, wissen Pascal Brauckmann und Ali Hashoush Laboudi. Vor drei Jahren gründeten sie daher die Initiative »Bildungsnetzwerk«, die im April 2010 schließlich in einen gemeinnützigen Verein umgewandelt wurde. Erklärtes Ziel des Vereins: Nachhilfe und die Möglichkeit der Bildung sollte für alle offen sein, unabhängig von finanziellen, sprachlichen oder sonstigen Barrieren. Und von diesen gibt es unter der Mainzer Schülerschaft einige: »Oftmals scheitert es aus finanziellen Gründen in punkto Nachhilfe. In einigen Fällen liegt es aber auch daran, dass im Elternhaus einfach kein Wert auf Bildung gelegt wird«, weiß Laboudi und Brauckmann fügt hinzu: »Und dann gibt es noch die Fälle, in denen die Eltern zwar Handlungsbedarf sehen, ihren Kindern aber selbst nicht helfen können, weil die sprachlichen Barrieren zu hoch sind.« Dem wollen Brauckmann, der Geschichte, Französisch und Sozialkunde auf Lehramt studiert, und Laboudi, der sein Elektroingenieursstudium bereits abgeschlossen hat, entgegenwirken.


Verschiedene Projekte an Schulen und Einrichtungen


Konkret sieht das so aus, dass sie an verschiedenen Schulen und Einrichtungen Nachhilfeprojekte anbieten. »Wir haben zum einen ein sogenanntes offenes Projekt im Neustadtzentrum. Hier bieten wir von montags bis donnerstags für jeweils zwei Stunden Nachhilfe an. Kommen kann, wer will«, erklärt Brauckmann. Nur das wollte am Anfang leider keiner, erinnern sich die beiden: »Die ersten paar Stunden saßen wir alleine da. Irgendwann ist dann aber der Knoten geplatzt.« Seitdem wird das Angebot im Neustadtzentrum von vielen Schülern wahrgenommen: »Manche kommen nur ein, zwei Mal kurz bevor sie eine Arbeit schreiben. Andere sind aber regelmäßig da«, meint Laboudi.

Freiwillige immer willkommen


Gänzlich ohne Startschwierigkeiten liefen hingegen die anderen Projekte des Vereins an. »Wir arbeiten mit Schulen und Einrichtungen zusammen, zum Beispiel mit der Martin Luther King-Schule oder dem Asyl- und Flüchtlingsheim. Hierbei handelt es sich um sogenannte geschlossene Projekte, das heißt wir sind ausschließlich für die Schüler der jeweiligen Schule oder Einrichtung da«, erklärt Brauckmann. Die Schulen begrüßen die Arbeit des Vereins, viele Schüler werden von ihren Lehrern motiviert den angebotenen Nachhilfeunterricht tatsächlich wahrzunehmen: »Hier hatten wir also noch nicht das Problem vor einer leeren Klasse zu stehen«, lacht Laboudi. Neben Martin Luther King-Schule, Flüchtlingsheim und Neustadtzentrum ist das Bildungsnetzwerk auch an der IGS Anna Seghers und der Realschule Plus Altstadt aktiv. In Zukunft soll das Engagement noch weiter ausgedehnt werden. »Momentan haben wir um die 40 aktive Mitglieder. Wir sind also an einem Punkt angelangt, an dem wir an den Schulen schon bekannt sind, uns also durchaus erweitern könnten. Dazu bräuchten wir aber noch mehr Mitglieder, die bereit sind, ehrenamtlich Nachhilfe zu geben«, fasst Brauckmann zusammen. Über Bewerbungen freuen sich die beiden Gründungsmitglieder des Vereins immer, allerdings sollten diese auch ernst gemeint sein: »Wir schauen uns unsere Bewerber schon sehr genau an und führen im Vorfeld einige Gespräche mit ihnen«, meint Laboudi und erklärt: »Schließlich sollen sie mit Schülern zusammenarbeiten und da erwarten wir schon eine gewisse Kontinuität und Verlässlichkeit.« Zurzeit engagieren sich viele Studenten für das Projekt, aber auch Schüler und Berufstätige sind für das Bildungsnetzwerk ehrenamtlich tätig: »Die Altersspanne unserer Aktiven reicht von 16 bis 43 Jahre«, erzählt Laboudi. Von studentischer Seite sind viele Lehramtsstudenten unter den Ehrenamtlichen: »Das bietet sich ja auch gewissermaßen an«, findet Brauckmann und fügt hinzu: »Die meisten Lehramtsstudenten sehen in der Vereinsarbeit eine gute Möglichkeit praktische Er­fahrungen zu sammeln, die im Studium vielleicht manchmal zu kurz kommen.« Für Laboudi lag die Motivation für sein Engagement im persönlichen Bereich: »Ich kam mit elf Jah­ren nach Deutschland und konnte kein Wort Deutsch. Glücklicherweise hatte ich eine sehr engagierte Lehrerin. Das hat mir persönlich sehr geholfen, und genau das möchte ich jetzt mit Hilfe des Bildungsnetzwerks wieder ein Stück weit zurückgeben.«

Katrin Henrich

Infos: www.bildungsnetzwerkmainz.de