Heft 249 Juni 2011
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Mogunzius

Mogunzius, Stadtschreiber DES MAINZERs

Ampel-Koaltion über Sparpolitik uneins


Die Ampel springt farblich munter hin und her. Es war letztlich nur eine Frage der Zeit, bis sich die Rathaus-Koalition aus SPD, Grünen und FDP öffentlich in die Haare geraten musste. Und das um Fragen des Haushalts, der im hochverschuldeten Mainz stets eine sensible Angelegenheit ist, konnte man ebenfalls unschwer prognostizieren. So ging jetzt die Kulturdezernentin Marianne Grosse (SPD) den für die Finanzen zuständigen Bürgermeister Günter Beck (Grüne) scharf an und verteidigte ihre Theaterklientel. Die von Beck geforderten drei Millionen an Einsparung seien »utopisch«, kanzelte die SPD-Frau den Grünen-Mann ab.

Und nebenbei tobte sich die von den Theater-Verantwortlichen instrumentalisierte Grosse in Allgemeinplätzen aus, die »Kultur werde selbstverständlich ihren Beitrag zur Entschuldung leisten« - nur nicht in der von Beck geforderten Höhe.

Mittlerweile ist der Karren dieser Diskussion so festgefahren wie immer, wenn das Staatstheater in die öffentliche Spardebatte geriet. Die Theatermacher befürchten Eingriffe in ihre Strukturen und Substanz. Am Kleinen Haus wird mit plakativen Aussagen für die Mainzer Theaterkultur geworben und gekämpft.

Bei aller Diskussion um die von Bürgermeister Beck eingeforderten Kürzungen des städtischen Theaterzuschusses, die aufgrund des generellen Sparzwangs unumgänglich sind, fällt der Blick auch auf Fehler in der Mainzer Vergangenheit. Nie hätte ein Kleines Haus gebaut werden müssen, das jetzt finanziell der Landeshauptstadt wie ein Klotz am Bein hängt. Nie hätte eine Sanierung des Mollerbaus mit einem Restaurant versehen werden dürfen, das jetzt keinen Betreiber findet und somit nur Fixkosten entstehen lässt. Niemand wagte wegen der üblichen kulturpolitischen Kirchtumpolitik darüber auch nur ansatzweise nachzudenken, mit anderen Städten im Rhein-Main-Gebiet Kooperationen einzugehen, um Kosten zu minimieren.

Feder So hat am Ende jede größere Kommune im Rhein-Main-Raum ihre Kulturtempel und auch die Kosten dafür zu tragen. Jetzt übrigens will Bürgermeister Beck mit Landrat Schick ein Gespräch in diese Richtung führen - spät, vielleicht zu spät.

Wenigstens der Mainzer Blick auf den Winterhafen macht Laune. Tatsächlich gab es den symbolischen Spatenstich zu einem Projekt, mit dem ernsthaft viele gar nicht mehr gerechnet haben - der Wohnbebauung, die schon in zwei Jahren vollendet sein soll. Was war das für eine Hängepartie, wie lange mussten die Mainzer sich die hässliche Freifläche in schönster Rheinlage beim Sonntagsspaziergang anschauen, weil früh abgerissen, aber erst spät richtig geplant worden war.

Jetzt wird's spannend in der lukrativen Wohnlage: Ist für die 134 Wohnungen mit rund 15.000 Quadratmetern Wohnfläche noch ein Käufermarkt vorhaben, nachdem in Frankfurt und in Wiesbadens Stadtteil Schierstein längst lukrative Immobilien das Wohnen am Wasser ermöglichen und viele Kaufinteressenten noch in Richtung der Neugestaltung des Mainzer Zoll- und Binnenhafens schielen?

Zumindest ist der Baubeginn und Verkaufsstart der Luxus-Eigenheime am Winterhafen ein Lebenszeichen der Mainzer Aufbau-Gesellschaft (MAG), die an diesem Projekt beinahe als stadtnahe Gesellschaft ganz gescheitert wäre, was auch das MAG-Ende bedeutet hätte. Der finanzielle Kraftakt geschah zu Zeiten, als Mainz noch vom Etat her deutlich besser da gestanden hat. Dennoch kommt die Bebauung zu spät, aber dieses Risiko hat jetzt der Projektentwickler mit zu tragen. Die Lage hat - so viel ist jetzt schon klar - ihren Preis: 330.000 kostet eine 110qm-Wohnung, eine halbe Millionen eine Penthouse-Wohnung. Alle Immobilien liegen in einem L-förmigen Gebäuderiegel.

Steht hoffentlich für lukrativ. Mogunzius

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