Heft 249 Juni 2011
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Plätze

Der Sömmerringplatz

Bewusst nach allen Seiten offen


Sömmeringplatz
Wenige Spielmöglichkeiten, mehr Sitzbänke: Der Sömmer­ringplatz ist ein Plätzchen zum Verschnaufen

Wo Forsterstraße, Sömmerringstraße, Raupelsweg und Neckarstraße in der Neustadt zusammenlaufen trifft man auf einen quadratisch angelegten Platz - den Sömmerringplatz. Benannt wurde er um 1890 im Rahmen der Stadterweiterung nach dem Mediziner, Erfinder und Naturforscher Samuel Thomas von Sömmerring (1755-1830), der an der Mainzer Universität von 1784 bis 1794 als Professor lehrte.

Stadtbaumeister Eduard Kreyßig wollte bei dem neugeschaffenen Mainzer Stadtteil auch ein paar Grünflächen erhalten. Allerdings wurde beim Sömmerringplatz nicht nur eine rechteckige Fläche offen gelassen, so wie es bei anderen Plätzen in der Neustadt, beispielsweise dem Gartenfeldplatz oder dem Frauenlobplatz heute noch zu sehen ist. Der Sömmerringplatz war vielmehr der Kreuzungspunkt der damals hier verlaufenden Heinrich-Heine Straße, der Feldbergstraße und der Gabelsbergerstraße. Deshalb bildeten sich auf dieser »Kreuzung« weniger Platzwände heraus, der Platz blieb nach allen Seiten offen, wirkt heute hell und freundlich.

Das war nicht immer so: Nach dem Zweiten Weltkrieg verkam der Platz zusehends. Es gab viele dunkle und ungepflegte Bereiche. Der Sömmerringplatz war zugewuchert mit vielen Bäumen und Büschen und bestand aus verschiedenen Ebenen. Der Ort wurde von einer einzigen Gruppe in Beschlag genommen und konnte kaum noch als öffentlicher Platz angesehen werden. Ein Anwohner erinnert sich, dass er Angst hatte, mit seinen Kindern auf den Platz zu gehen, da sich dort meist Betrunkene aufhielten.

»Ziel war es, dass der Platz auch anderen zur Verfügung stehen sollte«, erzählt Bernd Quick, Quartiermanager des Programms Soziale Stadt in der Neustadt. Bis der Platz in neuem Glanz erstrahl­te, verging einige Zeit. Im Jahr 2003 gründete sich die Bürgerinitiative »Forum Sömmerringplatz« im Rahmen der Sozialen Stadt. Mithilfe der 2005 und 2006 beantragten Fördergelder wurden die Anwohner aktiv in die Umgestaltungsplanung eingebunden. Sie organisierten Sommerfeste, kamen miteinander ins Gespräch, lernten sich kennen. Die Mitglieder der Bürgerinitiative legten selbst Hand an und reinigten regelmäßig den Platz. »Wir wollten ein kommunikatives Element schaffen«, erklärt Quick: »Der Platz ist bewusst nach allen Seiten offen.«

Grüne Oase erhalten


Auffallend ist, dass es sehr viele Bänke, aber nur drei Spielmöglichkeiten für Kinder gibt. Warum? »Es war von vornherein klar, dass der Platz keinen extra Spielplatzbereich bekommen soll«, erklärt Quick. »Denn in unmittelbarer Nähe gibt es den Goethe- und den Lessingplatz mit Spielmöglichkeiten.« Einen solch offenen Platz wollten nicht alle Anwohner. Stattdessen wünschten sich einige ihre »Grüne Oase«, wie sie den Sömmerringplatz nannten, zurück. Es bildete sich eine zweite Bürgerinitiative, die eine Unterschriftenkampagne gegen die geplanten Änderungen durchführte. Obwohl die Entscheidungsfindung bereits abgeschlossen war, sollten sich doch möglichst viele Menschen mit dem Platz identifizieren.

Ansprechende Neugestaltung


So kam es zu einem Kompromiss zwischen den beiden Bürgerinitiativen. Trotzdem entschied man sich für einen möglichst offenen, von allen Seiten gut einsehbaren Platz. Der Baumbestand wurde bewahrt, die hohen Sträucher durch Buchenhecken ersetzt. Die Kosten für die Neugestaltung waren günstiger als zunächst veranschlagt. Statt der geplanten 220.000 ? wurden 192.000 ? investiert. Finanziert wurde damit auch die äußere Pflasterung und im inneren Bereich die sogenannte wassergebundene Wegedecke, die bei Regen die Feuchtigkeit schneller bindet. »Der Platz besteht nur noch aus einer Ebene und hat nicht wie früher verschiedene Abstufungen. Daher gibt es nun barrierefreie Gehmöglichkeiten und keine hohen Absperrungen«, erklärt Quick.

Eine Anwohnerin der Sömmerringstraße findet die Neugestaltung sehr ansprechend und kommt oft mit ihrem vierjährigen Sohn zum Spielen. Sie wohnt seit 2002 hier und hat die Veränderungen selbst miterlebt. »Früher war der Platz nicht sehr kindergeeignet, man musste immer aufpassen, dass man nicht in Scherben tritt. Aber nun ist der Platz aus seinem Dornröschenschlaf erwacht.« Im Gegensatz zu anderen Plätzen in der Neustadt würde sie den Sömmerringplatz eher als einen »Durchgangsplatz« bezeichnen und nicht als einen Platz, auf dem man sich länger aufhält. »Er ist nicht so belebt wie andere Plätze.«

In den Abendstunden allerdings trifft man auch Anwohner zum Spielen oder Plaudern. Sogar einige Boul-Spieler nutzen den sandigen Boden für eine Partie. Rund um den Platz gibt es außerdem eine Bäckerei, einen Blumenladen, eine Apotheke und eine Kneipe. Auch ältere Bewohner der angrenzenden Straßen legen gerne mal auf einer der zahlreichen Bänke eine kleine Verschnauf­pause ein. Die hohen Bäume spenden ausreichend Schatten für ein kleines Nickerchen.

Helena Winter