Heft 249 Juni 2011
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Mainzer Köpfe

Annette Ludwig stellt viel auf die Beine:

Mit Kreativität und Pragmatismus


Dr. Anette Ludwig

Am 33. internationalen Museumstag wurde Dr. Annette Ludwig in ihr Amt eingeführt, das war im Mai letzten Jahres. Seither hat die Chefin des »Weltmuseums der Druckkunst« im Gutenberg-Museum viel bewegt. Eine gute Gelegenheit die promovierte Kunsthistorikerin nach ihrem woher und wohin zu befragen.

Dass sie schon als Kind mit Kunst in Berührung kam, sei ihrer Tante Martha zu verdanken, sagt Annette Ludwig. Die Tante habe sie oft mitgenommen, in Kirchen, in Museen, in Ausstellungen. »Fasziniert war ich von ihrer Fähigkeit, Bilder zu erklären. Sie kannte sich gut aus mit dem ,Bildpersonal', also mit den Personen, die von den Malern auf den Bildern verewigt wurden und erzählte mir deren Geschichte.« Im Nachhinein gesehen könnte man annehmen, dass mit diesen kindlichen Erfahrungen der Weg in die Führungsriege eines Museums schon vorgezeichnet war.

Allerdings hätte sich der berufliche Werdegang auch auf den Bereich der Töne erstrecken können, denn Musik spielte im Hause Ludwig in Karlsruhe eine wichtige Rolle: »Mein Vater war Hobbytenor, meine Mutter sang ebenfalls und wir Kinder sorgten für die instrumentale Begleitung.« Schön sei das gewesen, erinnert sich Annette Ludwig, sie selbst habe aber dem Klavierspielen nicht so viel abgewinnen können und es irgendwann sein lassen. Die Bilder, die Skulpturen, die Kunst in Gänze hatten eine verlockendere Wirkung, das Studium der Kunstgeschichte war eine logisch erscheinende Konsequenz.

Das Ziel nicht aus den Augen verlieren


Als zu Beginn des Studiums der Vater starb, stand Annette Ludwig vor der Aufgabe, die eigene Ausbildung voranzutreiben und gleich­zeitig den Fortbestand des Familienunternehmens zu sichern. »Ich habe diese Herausforderung mit Freude angenommen«, blickt sie zurück. Zehn Jahre führte sie das Unternehmen, arbeitete zusätzlich freiberuflich, konzipierte und realisierte Ausstellungen und begann 2002 ihre Kuratorenarbeit in den Städtischen Museen Heilbronn.

»Ich bin so erzogen, dass man etwas schaffen muss, um weiter zu kommen, ich habe immer viel gearbeitet«, stellt Annette Ludwig fest - als sei es das selbstverständlichste der Welt, zwei Berufen auf einmal nachzugehen. Organisieren, mit Geld umgehen, effektiv und effizient arbeiten - sie könne das gut. Und: »Ich habe mich als Frau in der von Männern dominierten Metallbranche durchgesetzt.«

Annette Ludwig erscheint überhaupt nicht auftrumpfend; sie ist zierlich, wirkt sehr weiblich - vielleicht ist es gut, dass ihre Stärken nicht so ins Auge fallen. Schlecht sind diese Stärken für die Arbeit als Direktorin des Gutenberg-Museums bestimmt nicht: Geld steht nicht im Überfluss zur Verfügung, Personal ebenso wenig. Die Kunst besteht darin, aus dem Vorhandenen das Beste herauszuholen. Ohne zu verzweifeln. Oder das Handtuch zu werfen.

»Ich habe ein Füllhorn an Ideen mitgebracht« sagt sie bestimmt. Eine Fülle von Änderungen hat sie bereits umgesetzt. Ohne großes Trara aber mit stetiger (Medien-) Präsenz. »Ich wusste doch schon bei meiner Bewerbung, was mich erwartet, also war klar, dass ich auskommen muss.« Pragmatisch orientiert ist die Badenerin und kreativ. Annette Ludwig stürzt sich gerne in die inhaltliche Arbeit. Eine Ausstellung zu konzipieren, die fachlichen Grundlagen zu erarbeiten, knifflige Details aufzudröseln.

»Dieses Museum bietet so viele Schätze, die müssen wir ans Tageslicht bringen.« Zielpublikum sind alle: Junge und Alte, Einheimische und Gäste. Offen wie die Fenster ihres Büros zum Liebfrauenplatz hin bei schönem Wetter - so soll das Museum immer sein. Ausgestattet mit Kreativität und realistischem Pragmatismus schafft es Annette Ludwig, auch in Zeiten knapper Kassen, möglichst viel auf die Beine zu stellen.

Mit Begeisterung erzählt sie von den vielen Projekten, von den Kooperationen, von der Suche nach und der Unterstützung durch Sponsoren. Das Team führen, das Museum weiterentwickeln, das stehe an vorderster Stelle. Die Dauerausstellung durch interessante Wechselausstellungen ergänzen, den Audioguide auf den Weg bringen - dieses Jahr noch soll der elektronische Museumsführer als eine Art »erste Hilfe« für den Museumsbesuch eine Annäherung an den Bestand vermitteln können.

Hoher Einsatz, der Freude macht


Das persönliche Engagement der Direktorin ist enorm. Seit zwölf Monaten ist sie im Dauereinsatz, auch am Wochenende - mit viel Freude, wie sie überzeugend sagt. Vielleicht ist der Dauereinsatz nicht ganz so schwer zu verkraften, weil die privaten Interessen nicht weit entfernt sind von den beruflichen: Ausstellungen besuchen, ins Theater gehen, lesen.

Wirklich bedauerlich findet Annette Ludwig, dass sie wenig Zeit hat, Mainz und Umgebung zu erkunden - zumal ihr gut gefällt, was sie wahrnehmen kann. »Man kommt leicht ins Gespräch, die Menschen sind offen, ich fühle mich gut aufgenommen. Eine Erfahrung, die auch mein Mann immer wieder macht. Bleibt der Direktorin zu wünschen, dass ihre Anstrengungen gewürdigt werden.

SoS

Infos: www.gutenberg-museum.de; hier gibt es auch Informationen zu den Sonderausstellung »Zwiebelfische« und »Schrift ist ein Abenteuer« sowie das ausführliche Programm des Gutenberg-Museums zur Mainzer Museumsnacht am 18. Juni, daraus eine kleine Auswahl:
  • Künstlerische Mitmachaktion: Kingsize-Kalligraphie. Mit Besen, Wischmops etc. auf riesigen Papierbahnen kalligraphieren! (18-24 Uhr)
  • Druckaktion zum Selbermachen an drei Stationen: Kombinationsdruck, Aller guten Dinge sind drei. An drei unterschiedlichen Orten im Gutenberg-Museum entsteht an den Handabzugspressen Schritt für Schritt ein druckgrafisches Unikat zum Mitnehmen. (18-24 Uhr)
  • Künstlerische Vorführung: Ein Farbholzschnitt entsteht. Demonstration der künstlerischen Techniken und Zwischenstadien des Farbholzschnitts, von der Vorzeichnung bis zum fertigen Druck. (18-1 Uhr)