Heft 249 Juni 2011
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Festival

Open Ohr auf der Zitadelle:

Alles dreht sich ums Geld


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Sozialdezernent Kurt Merkator, die Männer der Projektgruppe Sami Proch, Christian Englert, und Rafael Pantelic und vorne die Open-Ohr- Damen Emily Härtel, Anna Hassel und Nora Weisbrod
Dendemann Hartlieb Seng Ladi Nessi Pigor Schattentheater Schmickler

Selbst für Nichtspieler hat dieser Satz etwas Magisches: »Rien ne va plus - Nichts geht mehr.« Sofort tauchen Bilder von schicken Helden, leicht bekleideten Damen, von Luxus und purer Verschwendung auf. In fast jedem James-Bond-Film sitzt der Geheimagent in einem teuren Anzug am Spieltisch, verjubelt Unsummen, trinkt dabei einen Martini und flirtet mit den anwesenden Damen. »Rien ne va plus« - das ist ein Hauch von Dekadenz, dem jeder einmal gerne erliegen würde.

Für die meisten Menschen allerdings bleibt das auf ewig ein Traum. Denn schon beim Blick in den Geldbeutel stellen sie fest: »Nichts geht mehr.« Gerade in den vergangenen Jahren wurde das Thema immer wichtiger: Finanzkrise, Reichensteuer, Hartz IV, Kinderarmut, Arbeitslosigkeit,. Immer häufiger drehen sich die Gedanken und die Gespräche um das liebe Geld.

Die Projektgruppe Open Ohr sucht jedes Jahr aufs Neue nach einem Motiv für das nächste Festival. Datenschutz, Gleichberechtigung, Konsum, Religion - alles Themen, die bei dem politischen Kulturfestival schon behandelt wurden. 2011 heißt es nun: »Rien ne va plus«. Wobei das nicht heißt, dass beim Open Ohr nichts mehr geht. »Die letzte Finanzkrise hat deutlich gezeigt, dass unsere Art des Wirtschaftens an seine Grenzen stößt«, erklärt Rafael Pantelic von der Projektgruppe. »Wir müssen immer häufiger feststellen, dass der Mensch für das System da ist und nicht umgekehrt.

Deshalb wollen wir mit diesem Festival die Frage aufwerfen, wie man den Menschen wieder in den Mittelpunkt bekommt.« Und so soll neben brisanten Themen wie Privatisierung oder Lobbyismus auch die Frage geklärt werden, woher Geld eigentlich kommt und warum wir so viel davon haben wollen.


Alles auf den Tisch


Das versucht das Team der Freien Projektgruppe in gewohnter Manier. Vom 10. bis zum 13. Juni erwarten die Besucher wieder eine Vielfalt an thematischen Veranstaltungen aus den Sparten Kabarett, Musik, Theater, Film sowie Podien, Workshops und Aktionen. Gerade bei den Wortveranstaltungen kommt vieles auf den Tisch. Dr. Volker Wissing, finanzpolitischer Sprecher der FDP, und das ATTAC-Mitglied Nicola Liebert diskutieren darüber, welche Maßnahmen helfen würden, den Finanzmarkt krisenfest zu machen, die ehemalige Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul redet über »Spenden - Das sensible Geschäft mit dem Geld« und der rheinland-pfälzische Finanzminister Carsten Kühl analysiert »Das Märchen vom Aufschwung«.

Aber natürlich wird bei einem echten Open Ohr nicht nur geredet - es wird auch gesungen. In diesem Jahr sogar mit internationalen und nationalen Berühmtheiten. Die erfolgreiche Soul- und Blues Sängerin Marla Glen macht mit ihrem neu erschienen Album »Humanology« in diesem Jahr Station auf der Zitadelle und wird für eine besondere Atmosphäre sorgen. Für gesungenen Humor sorgt der Rheingauer Liedermacher Gisbert zu Knyphausen mit seinem lakonisch-sprödem Witz. Eine Premiere ist der Auftritt des Deutsch-Rappers Dendemann. Nicht etwa, weil der Hamburger noch nie in Mainz gewesen ist, sondern weil das Open-Ohr-Team für diesen Gig eine Kooperation mit DASDING, dem jungen Programm für Musik und Lifestyle des SWR, eingegangen ist und beide gemeinsam den Rapper im Rahmen des SWR Sommerfestivals auf der Hauptbühne bringen. »So haben wir es geschafft, mit einem Etat von 80000 Euro tolle Künstler auf die Zitadelle zu holen«, meint Sozialdezernent Kurt Merkator. »Respekt, was die Projektgruppe aus diesem Etat rausgeholt hat.« Auch Kabarett und Theater sind gut besetzt: Wilfried Schmickler, Pigor und Eichhorn + der Ulf und Nessie Tausendschön sorgen für die Lacher, das Theater Titanick, das Schattentheater Vagantei Erhardt und Link! Das Improvisationstheater für so manchen AHA-Effekt.

Ansonsten ist beim Open Ohr in diesem Jahr alles wie gewohnt. Drei Tage lang haben die Besucher die Möglichkeit über den Markt der Möglichkeiten zu spazieren, sich über Initiativen und Organisationen schlau zu machen, bei den Yoga- und Pilates-Kursen mitzumachen, und auf dem Festivalgelände neue Freundschaften zu schließen. Das Einzige, das in diesem Jahr modifiziert wurde, ist das Sicherheitskonzept. »Nach Duisburg müssen wir uns neuen Anforderungen stellen«, erklärt Merkator. »Mehr und bessere Sicherheitskräfte, mehr Licht, mehr Absperrungen sollen für die Sicherheit der Besucher sorgen. Aber nicht für mehr Kontrollen.« Auch für den Zeltplatz wurde Geld locker gemacht - um in besucherfreundlicher zu machen. Allerdings ist man sich bei Stadt und Veranstalter einig: »Ohne Geld heißt es: Rien ne va plus - das gilt auch fürs Open Ohr.«

Daniela Tratschitt

Infos: Open Ohr, 13. bis 15. Juni, Zitadelle, Mainz, www.openohr.de