Heft 249 Juni 2011
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Einblick

Der Mainzer Dom

Die Mainzer lieben ihn


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Plakatmotiv »Der verschwundene Dom« - ©Bischöfliches Dom- und Diözesanmuseum, Mainz /Grafik: studioBader

Viele fühlen sich nach einem kurzen oder langen Trip erst wieder heimisch, wenn sie einen kurzen Blick auf ihren Dom erhascht haben. Und das ist ja auch kein Wunder. Immerhin prägt der St. Martinsdom schon seit tausend Jahren das Stadtbild. Doch selbst wenn er zum Leben eines jeden Mainzers gehört, wissen nur die Wenigsten viel über ihn. Wann und vom wem er gebaut wurde, ist Grundwissen. Aber wie hat er sich verändert? Wo sind seine architektonischen und historischen Besonderheiten? War er immer schon so farblos? Keine Antwort parat - kein Problem, das lässt sich ändern.

In der Sonderausstellung »Der verschwundene Dom« im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum wird der Dom nun so gezeigt, wie ihn bislang keiner oder nur wenige Menschen kannten: Auf insgesamt 2.500 Quadratmetern Ausstellungsfläche werden jene Raumzustände, die im Lauf der Jahrhunderte verschwanden, wieder sichtbar und erfahrbar gemacht. Neu entdeckte Stücke der mittelalterlichen Chorschranken, prächtige Wandteppiche, kostbare Schatzkunst und weitere, nie gezeigte Exponate aus 1000 Jahren Domgeschichte - so bekommt der Besucher ganz leicht die Möglichkeit, einfach mal durch die Augen von früheren Dombesuchern zu schauen. »Die Ausstellung sollte einen anderen, neuen Weg gehen«, erklärt Museumsdirektor Dr. Hans-Jürgen Kotzur das Konzept. »Sie sollte den Dom nicht aus dem Blickfeld verlieren, sich aber nicht mit dessen gegenwärtigem Erscheinungsbild und den vorhandenen Denkmälern auseinandersetzen, sondern den Fokus auf all das richten, was heute nicht mehr sichtbar ist.«

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Dombrand, 22. Mai 1767 vom Leichhof aus gesehen (Öl/Leinwand) - Quelle: Bischöfliches Dom- und Diözesanmuseum

Damit man nicht nur anhand von historischen Details einen Einblick bekommt, gibt es zusätzlich zu den Schätzen des Museums noch anschauliche Rekonstruktionen und aufwendige Modelle der verlorenen Zustände des Domes. »Die Spurensuche beginnt am Ende des 10. Jahrhunderts bei Erzbischof Willigis' ambitioniertem Dombau, sie verfolgt die wichtigsten historischen Gestaltungs- und Erneuerungsphasen, die der Mainzer Kathedrale nach und nach ihr heutiges Gesicht verliehen, und endet schließlich in der Gegenwart mit den jüngsten künstlerischen Beiträgen«, konkretisiert Kotzur. Dazu wird in der Ausstellung versucht, das Verschwundene wieder sichtbar zu machen. Und so sieht man heute einen rekons­truierten Ostlettner aus dem 15. Jahrhundert, historische Animationen der Farbenpracht des Doms im Mittelalter und den Nachbau eines Seitenteils der barocken Domorgel. Für Mainzer, die ihren Dom nicht nur lieben, sondern auch näher kennenlernen wollen, ist ein Besuch der Ausstellung also Pflicht.


Daniela Tratschitt

»Der verschwundene Dom - Wahrnehmung und Wandel der Mainzer Kathedrale im Lauf der Jahrhunderte«
Di-So 10-17 Uhr, do bis 19 Uhr, bis 16. Oktober,
Bischöfliches Dom- und Diözesanmuseum, Domstraße 3,
Eintritt: 8 Euro, ermäßigt: 6 Euro,
www.dommuseum-mainz.de