Heft 249 Juni 2011
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Ausstellung

Kunst, Religion und Musik:

Drei Impulse für eine Beziehung


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Im Juli wird das Picasso-Bild Homme assis im Fokus von »beziehungsWeise« stehen. © Landesmuseum Mainz

Keter ist das hebräische Wort für Tora-Krone, und eine solch aus dem 19. Jahrhundert ist im Mainzer Landesmuseum ausgestellt. Doch was hat dieser antike Schmuck einer jüdischen Schriftrolle mit dem Komponisten Marc Ravel oder gar mit der evangelischen Kirche zu tun? Sehr viel, zumindest in der Veranstaltungsreihe beziehungsWeise des Museums, die im Mai startete. Kunstwerke aus verschiedenen Jahrhunderten werden dabei aus theologischen, musikalischen und kunsthistorischen Blickwinkeln betrachtet. »Ravel hat sich mit der jüdischen Musik beschäftigt als er einen Auftrag für ein Musikstück von einer jüdischen Sängerin erhalten hat.

Diese Erfahrung hat er in seine Kompositionen einfließen lassen«, erklärt Professor Benjamin Bergmann von der Hochschule für Musik die Verbindung zur Keter während Rainer Beier, Evangelischer Stadtkirchenpfarrer von Mainz, den Ablauf eines jüdischen Gottesdienstes beschreibt und Ursula Wallbrecher vom Landesmuseum in ihrem Vortrag den Bogen zur Judaica-Sammlung schlägt. Drei Referenten, drei unterschiedliche Fachgebiete, drei Sichtweisen. »Der Name beziehungsWeise ist ein wichtiges Element bei der Betrachtung jedes Kunstobjektes, es gibt eine Vielzahl an Bezügen, die hergestellt werden können«, erläutert Rainer Beier den Leitgedanken des Konzepts. »Wir wollen den Besuchern ganz besondere Impulse geben, indem wir sie mit unseren Gedanken und Informationen begleiten.«

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Die Veranstalter von beziehungs-Weise, Stadtkirchenpfarrer Rainer Beier, Ursula Wallbrecher und Professor Benjamin Bergmann (v.l.) möchten mit ihren fachlich unter-schiedlichen Betrachtungsweisen von Kunstobjekten Impulse geben.
In Zusammenhang mit der Altartafel aus dem Mainzer Marienleben des 15. Jahrhunderts, die Mittelpunkt der Juni-Veranstaltung ist, wird er deshalb etwas zur Bedeutung eines Altars und zu »Religiöses im Museum« sagen. Über die Beziehung von Klang und Farbe in der Musik der Barockzeit spricht Benjamin Bergmann: »Jede Tonart assoziiert Emotionen und dadurch auch Farben entsprechend ihres Klangcharakters, h-Moll beispielsweise ist eine Todestonart. Manche Komponisten haben sogar Farben vor Augen, wenn sie komponieren.« Ergänzend zu seinen Ausführungen werden Meisterschüler der Musikhochschule auf Original-Barockinstrumenten Stücke von Georg Philipp Telemann und Antonio Vivaldi spielen. Da der Maler der Tafel unbekannt ist, nennt ihn Ursula Wallbrecher »Hausbuchmeister« in ihrem Vortrag, in dem sie auch über die Kunst in Deutschland Anfang des 16. Jahrhunderts referieren wird.

»Den Menschen und den Mann«, will die Archäologin dann beim Picasso-Bild Homme assis, das einen Monat später im Focus von beziehungsWeise steht, »in den Blick nehmen« und zudem die Kunstsprache im Kubismus beschreiben. Stadtkirchenpfarrer Beier indes wird sich mit dem Künstler und mit dem Selbstbildnis, das jeder Mensch von sich hat, auseinandersetzen, während Bergmann auf die Persönlichkeitsspaltung bei einigen Komponisten wie bei Rodoin Schtschedrin hinweist und erneut von Meisterschülern musikalisch begleitet sein wird. So individuell wie die Beziehungen zwischen Betrachtern und Kunstobjekten sind, so frei sind die drei Referenten in der thematischen Gestaltungen ihrer 20-minütigen Vorträge, und auch bei der Objektauswahl geben sie sich keine Regeln.

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Welche Bedeutung hat ein Altar im Museum? »beziehungsWeise« sucht im Juni nach Antworten. © Landesmuseum Mainz
»Jedes Jahr schlendern wir durch die Ausstellung im Museum und sehen Dinge, zu denen uns spontan eine Veranstaltung einfällt. Ich glaube, wir könnten sicherlich die nächsten zehn bis zwölf Jahre der Veranstaltungsreihe füllen. So viele Ideen haben wir, aus denen wir schöpfen können«, sagt Ursula Wallbrecher. Die beziehungsWeise-Kooperation des Landesmuseums Mainz mit der Evangelischen Stadtkirchenarbeit Mainz und der Hochschule für Musik Mainz läuft bereits seit 2004.


KH

Infos:

5. Juni, 15 Uhr: Altartafel aus dem Mainzer Marienleben (um 1500),
Musik von Georg Philipp Telemann und Antonio Vivaldi

3. Juli, 15 Uhr: Pablo Picasso:
Homme assis (1970), Musik von Johann Sebastian Bach, Eugène Ysaye, Rodion Schtschedrin
Es gilt der Museumseintrittspreis
von 5 Euro, ermäßigt 3,50 Euro.
Landesmuseum Mainz
Telefon: 06131/ 28 57-0
Infoband: 06131/2857-225
www.landesmuseum-mainz.de
(unter »Aktuelles«)