Heft 248 Mai 2011
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Randsportart

Besser werfen:

Mit Keule, Technik und Kleber


Keulenwerfer
Die Technik des Keulenwerfens ähnelt dem Speerwerfen, bei der aus dem Anlauf oder wahlweise aus dem Stand das Gerät über den Kopf aus dem Arm geradeaus geworfen wird. Verboten sind seitliche Würfe. Die Keule wird von einer Speerwurfanlage oder einer ähnlichen geeigneten Wettkampfanlage geworfen.

Haben Sie schon mal etwas von »Keulenwerfen« gehört? Dabei handelt es sich allerdings nicht um das Schleudern eines der ältesten Werkzeuge seit es Menschen gibt, sondern um eine Sportart. Geworfen wird ein ungefähr 36 oder 28 Zentimeter langer Stock mit einem Metallkopf an seinem Ende möglichst weit - hört sich leicht an, hat aber viel mit Technik zu tun. »Die Körperarbeit ähnelt ein wenig dem Speerwerfen«, erklärt Peter Mörbel, »das heißt, ich werfe die Keule über den Kopf hinaus und hole auch genauso Schwung, nur führe ich die Keule kreisförmig von vorne nach hinten. Damit ich sie besser im Griff habe, mache ich mir immer ein wenig Kleber in die Hand.« Mit einer Entfernung von 55,75 Metern belegte Mörbel letztes Jahr bei den Deutschen Meisterschaften in Mutterstadt den ersten Platz in der Gruppe Männer ab 65 Jahre (M 65).

Dreimal die Woche trainiert der inzwischen 70-Jährige das Keulenwerfen beim Universitäts-Sportclub Mainz (USC), bei dem er seit 1961 Mitglied ist. Einen Coach braucht er schon lange nicht mehr. Im Gegenteil, der Profi würde sich freuen, Nachwuchssportler zu unterrichten, wenn es welche gäbe: »Leider wird das Keulenwerfen im Vereinsprogramm nicht angeboten und soweit ich weiß, gibt es auch keine jungen Leute in Mainz und Umgebung, die sich für das Keulenwerfen interessieren. Vielleicht ändert sich das noch in Zukunft.« Mörbel entdeckte sein Talent für Wurfsportarten als er 1962 mit 21 Jahren zur Bundeswehr kam. Dort warf er anstelle von Keulen anfangs leere Stabhandgranaten. Jahrzehntelang galt seine Leidenschaft danach dem Speerwerfen: 1983 wurde er sogar in der Altersklasse M 40 Weltmeister. Das Keulenwerfen betrieb er zunächst nur nebenbei. Als im Laufe der Jahre seine Knieprobleme immer gravierender wurden, konzentrierte er sich mehr und mehr auf die Randsportart, und das mit Erfolg: Mörbel hält den Weltrekord im Keulenwerfen mit 64,80 Metern in der Gruppe M 65. Im Juli steht bereits die nächste Herausforderung für ihn an. »Dann finden wieder die Deutschen Meisterschaften statt, auf die ich mich mit viel Elan vorbereite.«

Keulenwerfer
Die Keule hat einen handgerechten Griff und der hölzerne Kopf ist mit einer Metallbüchse ummantelt.

Keulen fürs Training


Bei der Keule handelt es sich um ein Holzgerät mit einer Eisenkappe; bei einer Länge von 285 cm muss sie 250 g, bei 360 cm 500 g wiegen, die Zuordnungen der Gewichte richteten sich nach der Altersgruppe. Erwin Kollmar, ehemaliger Präsident des »World Throwers Club« nahm Anfang der 70er-Jahre die Disziplin Keulenwerfen in die »Leichtathletik-Spezialsportart Laufen-Springen-Werfen« (LSW) auf und machte zudem die LSW-Bewegung in Deutschland populär, wobei sein Schwerpunkt auf den Wurfsportarten lag. Teilweise wird das Keulenwerfen auch beim Trainieren des Speerwerfens genutzt. »Insbesondere ältere Speerwerfer greifen gerne zur Keule und auch manche Trainer schwören nach wie vor auf das Gerät als Zubringer- und Ergänzungsübung«, sagt Gerhard Zachrau, Fachwart für Rasenkraftsport beim Rasenkraftsport- und Tauziehverband Rheinland-Pfalz (RTV RLP), in den der LSW-Spezialsport integriert ist.

Kerstin Halm