Heft 248 Mai 2011
Werbung




Mainzer Plätze

Aufwertung belebt den Frauenlobplatz

Treffpunkt für Kleine und Große


Fraunlobplatz

Wer von der Hindenburgstraße die Frauenlobstraße in Richtung Rhein läuft, trifft auf einen großen trapezartig angelegten Platz. Umrahmt wird er u.a. von Japanischen Blütenkirschen, die im Frühling einen rosafarbenen Blickfang bieten. Benannt wurde der Platz am 27.12.1893 im Rahmen der Stadterweiterung nach dem Dichter Heinrich von Meißen, genannt Frauenlob. Der lebte bis zu seinem Tod als Schützling des Peter von Aspelt, einem Erzbischof und früheren Kanzler Wenzels II. in Mainz und soll, einer Legende zufolge, von trauernden Mainzer Frauen zu Grabe getragen worden sein - weil er in seinen Werken voll des Lobes für das weibliche Geschlecht war.

Der Platz ist nachmittags und abends selbst in der kälteren Jahreszeit sehr belebt. Ältere »Neustädter« auf den Bänken schauen gerne den Kindern zu, die alleine oder in Begleitung der Eltern die Spielgeräte nutzen. Viele, wie die tiefe und breite Rutsche sowie der große Sandkasten sind insbesondere für Kleinkinder geeignet. »Hier gibt es die einzige Babyschaukel in der näheren Umgebung«, weiß Anke Volkhardt, die am Bismarckplatz wohnt und oft mit ihrem Kind zum Spielen herkommt.

»Ich hätte nicht gedacht, dass der Bedarf an Spielmöglichkeiten für Kleinkinder so groß ist«, erzählt Bernd Quick, Quartiermanager der Mainzer Neustadt. Im Rahmen des Programms »Soziale Stadt« wurde im Jahr 2009 zusammen mit dem Grünamt und dem Amt für Jugend und Familie an einer Umgestaltung des Platzes gearbeitet. Intensiv beteiligt waren auch die Neustadt-Bürger: »Das ist das Positive an dem Programm«, erklärt Quick. Im Vorfeld wurden Passanten auf dem Wochenmarkt, der donnerstags vormittags an den Platz angrenzend in der Forsterstraße stattfindet, nach ihren Erfahrungen mit dem Platz und ihren Änderungswünschen gefragt. Außerdem gab es ein Bürgerforum in der Schillerschule zum Thema »Aufwertung des Frauenlobplatzes«. Auch die Kinder durften mitbestimmen, welche der vorgeschlagenen Spielgeräte ihnen gefallen.

Kids
Annalena Münzenberger (9) und ihr Bruder Dominic (6) schwingen gerne auf der großen Schaukel durch die Luft.

Spielen und Juxen


Am 28. Oktober vergangenen Jahres war der neue Frauenlobplatz fertig gestellt. »Da der Platz vorher stark ineinander lief, wollten wir ihn entzerren und haben die Bereiche räumlich voneinander abgetrennt«, so Quick. Es entstanden ein kleiner Basketballbereich mit geräuscharmem Boden, eine Tischtennisecke, ein Ruhebereich mit Bänken und zwei Spielplatzbereiche für kleine und große Kinder.

Annalena Münzenberger und ihr Bruder Dominic kommen gerne zum Spielen her. »Am besten gefällt mir die »Turboschaukel«, erzählt der Sechsjährige begeistert. Seine neunjährige Schwester findet die Schaukel auch gut, meint aber, dass sie eher einer »Hängemattenschaukel« ähnlich sieht. Johannes Dörner wohnt auf dem Hartenberg und besucht den Frauenlobplatz mit seiner kleinen Tochter. Er begrüßt die Neugestaltung und findet den Platz besonders im Frühling, wenn die Kirschbäume blühen, sehr ansprechend. »Einfach so würde ich jetzt nicht her kommen, so schön ist der Platz nun auch nicht«, findet hingegen Regina Müller, die in der Feldbergstraße wohnt. Da das Angebot an Spielgeräten für Kleinkinder allerdings so gut ist, kommt sie zum Spielen mit ihrer Tochter vorbei.

Thomas Braun ist Mitarbeiter des Instituts für Lernförderung und Jugendhilfe und nutzt den Platz eher beruflich. Im Rahmen seiner lerntherapeutischen Tätigkeit kommt der Sozialpädagoge oft mit seinen zu betreuenden Kindern auf den Platz. Heute steht Basketball auf dem Programm. »Das einzige was noch fehlt ist ein Bolzplatz«, meinte Braun. »Aber man kann nicht alles haben«, lacht er.

Früher war der Frauenlobplatz sehr symmetrisch mit einigen Baumreihen, Laternen und Bänken angeordnet. Ein Highlight erfuhr er im Juli 1934, als die »Gartenfelder Kerb« nach 26- jähriger Unterbrechung auf dem Frauenlobplatz stattfand und - so zitierte der »Mainzer Anzeiger« damals - »in einen lärmenden Juxplatz verwandelt wurde.« Die Anwohner wurden aufgefordert durch Beflaggung ihrer Häuser dem traditionellen Volksfest einen festlichen Rahmen zu geben. Geplant war den Kerwebaum, der zu jeder rheinischen Kerb gehörte, durch die Mainzer Innenstadt zu tragen und auf dem Frauenlobplatz aufzustellen. Doch keiner hatte mit so großem Ansturm gerechnet. Da das »Menschengewoge« durch die ebenfalls angerückten Altstädter so dicht war, konnte die Baumaufstellung erst am darauffolgenden Tag bewerkstelligt werden. Der »Mainzer Anzeiger« resümierte nach dem Volksfest: »Während die heranreifende Jugend das Tanzbein schwang und sich immer verliebter in die Augen sah, liebäugelte die »reifere« Jugend mit dem goldgelben Wein oder dem frischgeschäumten Bier!«

Helena Winter