Heft 248 Mai 2011
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Jubiläum / Geburtstag

Karl Kardinal Lehmann: Theologe, Bischof, Mensch

»Ich liebe die Unauffälligkeit«


Kardnal Lehmann
Sein herzliches Lachen, hier den »Grünen Damen« zugewandt« ist eines der »Lehmann'chen Markenzeichen«.

Egal ob katholisch oder evangelisch - bei der Bewunderung für ihren Bischof sind sich alle Mainzer einig. Kardinal Karl Lehmann wird, egal wo er hinkommt, bejubelt und gefeiert. Sogar ein Likör wurde nach ihm benannt. Da könnte man glatt denken Lehmann wäre Meenzer. Weit gefehlt.

Der Mainzer Oberhirte wurde am 16. Mai 1936 in Sigmaringen geboren und ist somit gebürtiger Schwabe. Erst mit 32 Jahren kam er in seine zukünftige Heimat, damals als Professor für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Universität. 1971 verschlug es ihn zurück an seine Alma Mater nach Freiburg. Doch am 23. Juni 1983 hatte ihn Mainz wieder: als Bischof. Sein Wahlspruch zur Weihe: »State in fide« - »Stehe fest im Glauben«.

Wie fest er später in Mainz stehen würde, hat damals sicher noch niemand gedacht. Seit diesem Tag ist das über 1000 Jahre alte Bistum fester Ankerpunkt des gefragten Kirchenmannes. Über zehn Jahre war Lehmann Vorsitzender der Deutschen Bischofkonferenz, Mitglied der römischen Glaubenskongregation, hat Ehrendoktorwürden in Washington, Warschau und Johannesburg, ist Kommandeur der französischen Ehrenlegion und bekam in Aachen den »Orden wider den tierischen Ernst« verliehen.

Kardnal Lehmann
Bischof Lehmann beim Einzug zu einem Pontifikalamt, mit den Insignien seines Bischofsamtes: Mitra, Bischofsstab und Bischofsring.

In den eigenen Reihen hatte es Lehmann allerdings nie leicht. Die Diskussion um den Verbleib der katholischen Kirche in der staatlichen Schwangerenkonfliktberatung wurde für ihn zur Zerreißprobe. Die Differenzen mit dem Papst führten wahrscheinlich auch dazu, dass es mit seiner Ernennung zum Kardinal so lange gedauert hat.

Am 28. Januar 2001 allerdings war es dann so weit: die Mainzer hatten ihren Kardinal - und damit noch einem Grund mehr, ihn zu feiern. Kurz vor seinem 75'igsten Geburtstag fragte DER MAINZER den Kardinal:

Fühlen Sie sich in Mainz zu Hause?

Kardinal Karl Lehmann:K Ja, ich lebe insgesamt über 30 Jahre in Mainz; nie war ich so lange an einem Ort. Worin sehen Sie die Besonder­heiten der Mainzer? Lehmann: Sie sind offen und gastfreundlich, humorvoll und erfinderisch - schöpferisch, tolerant und verlässlich; ab und zu auch ein wenig listig, freundlich, unverbindlich.

Sind Sie selbst über die Jahre zum Mainzer geworden?

Lehmann:K Dies können andere besser beurteilen als ich selbst. Ich habe auch andere Züge in meinem Charakter, die ich gewiss aus meiner schwäbisch-hohenzollerischen Heimat bewahrt habe und nicht missen möchte.

Die Mainzer lieben ihren Bischof, für manche haben Sie richtige Star-Qualitäten. Wie gehen Sie mit dem Rummel und der Begeisterung um?

Lehmann: Ich grüße alle, die mir wohlwollend-freundlich begegnen. Sonst liebe ich sehr die Unauffälligkeit.

Der Bischofssitz in Mainz hat eine lange Tradition. Die Heiligen Bonifatius, Willigis und Rabanus Maurus waren hier Oberhirten. Wie ist es für Sie, sich in diese illustre Riege einzureihen?

Lehmann: Der Blick auf diese heiligen Vorgänger macht demütig, mahnt mich aber zugleich, im Interesse des Ganzen meinen Platz im Hier und Heute auszufüllen, so gut ich es nur kann.

Sie sind seit fast 30 Jahren Mainzer Bischof - möchten Sie noch woanders hin? Oder planen Sie vielleicht sogar Ihren Ruhestand hier zu verbringen?

Lehmann: Auf keinen Fall möchte ich anderswohin. Hier in Mainz fühle ich mich zu Hause, ob im Dienst oder im Ruhestand.

Daniela Tratschitt

Bistumsfest zu Ehren des Bischofs und des Mainzer Doms


Bistumsfest Logo

Nicht nur der Erzbischof auch der Dom feiert in diesem Jahr Jubiläum: der eine wird 75, der andere 1000. Grund genug ein Bistumsfest zu veranstalten. Unter dem Motto »Gerufen in sein wunderbares Licht« beginnt 22. Mai um 10 Uhr mit einem Freiluft-Gottesdienst vor dem Dom. Danach zeigt sich die Diözese in ihrer ganzen Pracht auf zwei Bühnen mit Musik, Tanz, Akrobatik und Clownerie. Rundherum haben Dekanate, Pfarreien, Verbände, Schulen und Einrichtungen ihre Stände. Mit insgesamt 130 Anmeldungen sind sogar mehr da als vor drei Jahren.

Auf der Medienzeile kann man das Bistumsquartett ausprobieren, Meldungen schreiben oder sein Wissen an der Spielkonsole testen. Das für das Bistumsfest entwickelte Stück Hightech soll danach auf Reisen gehen, damit man in jeder Ecke der Diözese testen kann, welcher Dialekt im Odenwald gesprochen wird oder welche Kirche in welche Stadt gehört. Ruhiger geht es im Dom zu, obwohl auch hier viel Programm - von geistlicher Musik bis Kleinkunst - geboten wird. Schlusspunkt ist die Vesper um 17.30 Uhr.

Übrigens: Am 15. Mai findet im Mainzer Dom ein Festkonzert statt. Der Domchor, die Domkantorei St. Martin, das Vokalensemble des Mädchenchores am Dom und St. Quintin werden zusammen mit Solisten und dem Mainzer Kammerorchester Werke von Bach und Mozart aufführen.

Karten für das Festkonzert sind erhältlich beim Infoladen des Bistums, Heiliggrabgasse 8, Tel.: 06131/253 888 und in der Mainzer Dominformation, Markt 10, Tel.: 06131/253 412,

Internet: www.mainzer-domchor.de
www.bistummainz.de/dioezesan/feste/2011/index.html