Heft 248 Mai 2011
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Engagiert

Beete bepflanzen und miteinander ins Gespräch kommen

Blühende Leibnizstraße


Leibnitz
Die Damen mit dem »grünen Daumen« Luise Hart (l.), Irmela Teufel und Gertraud Bergner (nicht auf dem Bild) kümmern sich um die Beete in der Leibnizstraße.

Die kunstvoll angelegten Beete könnten auch in einer englischen Parkanlage zu finden sein: Lieschen, Osterglocken, Stiefmütterchen, Forsythien sowie Büsche sind fachgerecht und harmonisch zueinander gesetzt, die Erde darum ist erneuert und fein säuberlich geharkt. Drei Seniorinnen der Bürgerinitiative Blühende Leibnizstraße sorgen mit ihrem ehrenamtlichen Engagement für ein besonderes Flair in der Mainzer Neustadt. Ihre Motivation dafür ist denkbar einfach. »Wir möchten es schön und sauber haben vor der Haustür«, bringt es Gertraud Bergner auf den Punkt. »Und das städtische Grünamt kann sich aus verschiedenen Gründen nur wenig um die Rabatten kümmern.« Deshalb hat sie bereits vor 40 Jahren damit begonnen, diese vor ihrem Wohnhaus zu bepflanzen.

»Man wundert sich immer wieder, was man neben dem Müll alles findet. Vor drei Jahren waren es sogar 2.000 Euro«, erzählt die 75-Jährige schmunzelnd. »Aber ich habe festgestellt, je gepflegter die Beete sind, desto weniger wird hinein geworfen.« Sie teilt sich mit Irmelda Teufel den Abschnitt von der Adam-Karillon- bis zur Kaiserstraße. Ihre Nachbarin begeistert sich nach zwei Jahrzehnten noch für die von ihr zu begrünenden 13 Rabatten, trotz der Anstrengungen: »Momentan bin ich sehr krank, aber diese Arbeit bereitet mir enormes Vergnügen und gibt mir Kraft, insbesondere wenn ich dann das Ergebnis sehe.«

Leibniz Auch Luise Hart macht es Freude, »ihre« 20 Rabatten zu bepflanzen, die bis zur Kurfürstenstraße reichen. »Ich laufe so gern an unseren blühenden Beeten vorbei. Eigentlich sollte die Leibnizstraße eine Rosenstraße werden, aber uns fehlte das Geld. Jetzt werden wir älter und können leider gar nicht mehr so viel machen.« Insbesondere Herbst und Frühling bedeuten für die drei Hobby-Gärtnerinnen die meiste Arbeit, zudem bereitet ihnen im Sommer das regelmäßige Schleppen der Gießkannen Probleme. »Immerhin hilft die Stadt bei der Entsorgung der Abfälle und stellt uns sogar drei Mal im Jahr kostenlos Blumen zur Verfügung. Die restlichen Pflanzen zahlen wir aus eigener Tasche.«

Lange Zeit arbeiteten insgesamt sechs Frauen unabhängig voneinander an verschiedenen Beeten. Aus den zufälligen Treffen entstanden Freundschaften, kurzerhand gründeten sie 1995 die Bürgerinitiative Blühende Leibnizstraße. Heute sind nur noch die drei Rentnerinnen aktiv dabei, die zwar wenig tatkräftige Unterstützung von den Nachbarn erhalten, dafür Lob und manchmal sogar Geld.

»Mit unseren Aktivitäten verschönern wir nicht nur das Straßenbild, sondern brechen damit die Anonymität ein Stück weit auf, denn wir kommen mit vielen Passanten und Anwohnern ins Gespräch«, bemerkt Irmelda Teufel, und Luise Hart ergänzt: »Wir würden uns wünschen, wenn Nachwuchsgärtner an unserem Projekt Interesse haben. Sie können mich jederzeit ansprechen, ich bin momentan fast jeden Tag an den Beeten anzutreffen.«

KH

Leibnitz