Heft 248 Mai 2011
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Computer

Die »geniale Erfindung« auf ungewöhnlichen Wegen

70 Jahre Z3, 30 Jahre »Hacker«


bastler

Vor 70 Jahren veränderte die Erfindung des ersten Computers die Welt. Die Bastler vom Chaos Computer Club Mainz traten in die Fußspuren des genialen Erfinders Konrad Zuse.

»Wir wollen nur verstehen, wie die Welt funktioniert.« Wobei sich die Welt, von der Robert da spricht, eigentlich nur auf Technologie bezieht. Robert ist Mitglied des Mainzer Chaos Computer Clubs und somit Spezialist in Sachen Technik. Was auch daran liegen kann, dass er Informatik studiert und als Programmierer arbeitet.

Der Chaos Computer Club wurde 1981 in den Berliner Redaktionsräumen der taz gegründet und am 14. April 1986 offiziell als Verein eingetragen. In diesem Jahr, in dem der Z3 seinen 70. Geburtstag feiert, feiert der deutsche Hacker-Verein seinen 30. Die Haltung der Deutschen gegenüber den Computerfreaks hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt. Früher war der CCC Staatsfeind Nummer eins, Schreckgespenst vieler Unternehmen und Buhmann für den Computernutzer. Niemand wusste genau, wozu die Mitglieder fähig waren und solche Aktionen wie der Btx-Hack 1984, der NASA-Hack 1987 oder der GSM-Hack 1997 trugen nicht dazu bei, das Vertrauen in den Chaos Computer Club zu stärken. »Durch solche Handlungen hat sich der Begriff ,Hacker' zu etwas negativen entwickelt. Dabei heißt das bloß, dass wir nicht bedingungslos an bestehende Systeme glauben«, erklärt Robert. »Wir versuchen nur ungewöhnliche Wege zu gehen. Auch solche, an die die Programmierer nicht gedacht haben. Und dann schauen wir, was passiert.«

Geniale Erfindung

Die Welt, so wie sie heute ist, verdanken wir eigentlich Konrad Zuse. Das was der deutsche Erfinder am 12. Mai 1941 in Berlin vorstellte, war der erste funktionstüchtige Computer der Welt, der Z3. Jeder Laptop, jedes Smartphone und jedes Touchpad, das heute im Umlauf ist, ist mehr oder weniger ein Nachfolger dieser genialen Erfindung. Wobei sich Experten darüber einig sind, dass Zuse nur der erste in der Reihe war. Robert vom Chaos Computer Club Mainz drückt es so aus: »Hätte er ihn nicht erfunden, hätte es ein anderer getan.« Wobei man sich weltweit sowieso nicht einig ist, dass Zuse diese Ehre zusteht. In den USA wird der Jahre später von J. Presper Eckert und John W. Mauchly entwickelte ENIAC 1 als der »erste Computer« gefeiert - je nachdem, welche Definition von Computer gilt.

Der Z3 ist nicht Zuses erster Versuch. Schon lange bevor dem Berliner die Idee zum Z1 kam, wollte er mit seinen Erfindungen wie dem »automatisierten Fotolabor« oder dem »Geldwechselnden Warenautomaten« Furore machen. 1935, mit 25 Jahren, schloss er sein Ingenieurstudium mit Diplom ab und arbeitete danach als Statiker bei den Henschel-Flugzeug-Werken. Eine Firma, die ihn auch nach seinem Ausscheiden immer wieder unterstützte. Genauso wie Freunde und Familie. Immerhin wurde aus dem Wohnzimmer seiner Eltern Zuses »Erfinderwerkstatt«, in der er 1938 den Z1 entwickelte. Ein vollmechanischer, programmierbarer Ziffernrechner, der seine Befehle von Lochstreifen ablas.

Nachdem er auch noch die Aerodynamische Versuchsanstalt Göttingen als Unterstützer gewonnen hatte, zog die Erfinderwerkstatt in eine Wohnung in die Kreuzberger Methfesselstraße. Dort ist die Heimat des Z3, des ersten vollautomatischen, programmgesteuerten und frei programmierbaren Computer der Welt. Am 21. Dezember 1943 wurde er bei einem Bombenangriff zerstört. Was aber nicht so schlimm war: Zuse hatte nämlich schon den Z4 in der Mache, der unauffällig ins Allgäu verfrachtet wurde, wo ihn der Erfinder nach dem Krieg an die ETH Zürich verkaufte. Und damit eine Entwicklung einleitete, die die ganze Welt veränderte.



Heute werden die früheren Bösewichte von Regierung und Unternehmen oft um Hilfe gebeten. Weil sie kreativ sind ,ohne betriebsblind zu sein. »Der Begriff Hacker ist inzwischen viel positiver besetzt und der Chaos Computer Club hat sich etabliert. Immerhin machen wir das alles ehrenamtlich.« Trotzdem ist man beim CCC manchmal etwas scheu. Wer Interesse hat, darf aber mitmachen. »Wir haben jeden Dienstag, offene Sprechstunde.« Seit dem Umzug des Mainzer Vereins nach Wiesbaden gibt es auch Raum für noch mehr Computer. Wobei man im CCCMZ nicht nur am Rechner hockt. Manchmal ist auch Technologiephilosophie angesagt - vor allem bei Jubiläen. »Meiner Meinung nach war Zuse nur zu faul zum Zählen. Im Endeffekt können wir dafür dankbar sein, denn danach ging es steil bergauf.« Laut Robert kam die tatsächliche Revolution aber erst mit der Entwicklung des PCs. »Wir sind jetzt an einem Punkt angelangt, an dem die Evolution der Technik in bestimmten Bereichen stagnieren muss. Andere Bereiche wie das Internet, die Größe und der Preis der neuesten Technologien, die globale Vernetzung und die Nutzung moderner Medienkanäle sind die Themen der Zukunft. Ich bin schon gespannt darauf, was aus Zuses Erfindung noch alles wird.« (www.cccmz.de)

Daniela Tratschitt