Heft 247 April 2011
Werbung




Schwimmbad

Fünf Jahre Betrieb ohne Gewinnmaximierung:

Ein Schwimmbad für Alle


Mombacher Schwimmbad
Kein »Spaßbad« sondern ein Schwimmbad für Alle: das »Schwimmbad Mainzer Schwimmverein« am Großen Sand in Mombach.

Im Februar 2006 trat der Mainzer Schwimmverein 01 als »Retter« des Mombacher Schwimmbades in Aktion: Die Stadt Mainz wollte das marode Bad aus Kostengründen schließen. Nicht einverstanden waren damit die Schwimm- und Sportvereine sowie die vielen Nutzer von Hallen- und Freibad. Der massive Widerstand, u.a. artikuliert durch die Bürgerinitiative, führte zur Gründung der Betreibergesellschaft »Schwimmbad Mainzer Schwimmverein gGmbH«. Seither gewährleistet sie Bahnenstunden für Schulen, Sportvereine und Schwimmen für Alle.

Seit »Amtsantritt« der gGmbH hat sich in dem in die Jahre gekommenen Bad einiges getan - eins nach dem anderen, wie es die Finanzlage erlaubt. Direkt nach der Badübernahme wurden Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken im Hallenbad getrennt, damit z.B. Verschmutzungen in einem Becken nicht den Betrieb des anderen beeinträchtigten; die Warmwasser-Boileranlagen wurden erneuert, frequenzgesteuerte Pumpen in den Duschen eingebaut. Für die Besucher eindeutig erkennbar sind die sanierten Duschen im Hallenbad, der freundlich gestaltete Eingangsbereich, die ansprechende Außenanlage. Rot-weiß sind die Farben, die sich im ursprünglich grauen Einerlei allmählich durchsetzen - es seien schließlich die Farben der Stadt Mainz, weist Prokurist Torsten Traxel allzu viel Nähe zu den Nullfünfern von sich.

Noch deutlicher ins Auge fallen die vielen Angebote: Kurse zur Wassergewöhnung für Kitas, Schwimmkurse (vom Kleinkind bis zum Erwachsenen, als Einzel- oder Gruppenangebot), Aqua-Fitness - auch für Ü-60, Betriebssport für Vereine und Institutionen, Frauenschwimmen, Frühschwimmen, erweiterte Öffnungszeiten. Hinzu kommen Schul- und Vereinssport: Wöchentlich 280 Bahnenstunden in der Traglufthalle für mehr als 20 Schulen, 328 Bahnenstunden pro Woche für mehr als 20 Sportvereine.

»Die im Konzessionsvertrag zwischen der Stadt Mainz und der 'Schwimmbad Mainzer Schwimmverein gGmbH' festgelegte Mindeststundenzahl für die Schulen haben wir meistens schon Mitte des Jahres erreicht. Das hält uns aber nicht davon ab, die Bahnenstunden weiter zur Verfügung zu stellen, kostenlos versteht sich«, so Traxel. Ebenso unkompliziert handhabt die gGmbH das Angebot für die Grundschüler: Die Wassertiefe von 1,80 M erlaubt den Schwimmunterricht in der Traglufthalle nicht, also üben sie im Hallenbad. Auch dafür gibt es keinen Cent zusätzlich von der Stadt. Da die Badbetreiber den Schul- und Vereinssport in der Traglufthalle möglichst lange gewährleisten wollen, wird sie erst an Pfingsten ab- und schon im September wieder aufgebaut.

Ziel: Gute Auslastung

900.000 Euro Betriebskostenzuschuss erhält die gGmbH jährlich von der Stadt, als »Gegenleistung« für die kostenlose Nutzung des Bades durch Schulen und die Bereitstellung von Bahnenstunden für Vereine - letztere zahlen, wenn sie Mainzer sind, 5 Euro pro Bahnenstunde und 10 Euro, wenn sie nicht aus Mainz kommen. Im Gegenzug verlangt die Stadt von den Betreibern, die gesamte Badunterhaltung und alle Investitionen selbst zu finanzieren. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen, auch aufgrund des beträchtlichen Sanierungsstaus, den die klamme Stadt bis 2004 hat auflaufen lassen.

Rainer Heidt Torsten Traxel
Geschäftsführer Rainer Heidt (li) und Prokurist Torsten Traxel vor der Traglufthalle - die wird in wenigen Jahren das Zeitliche segnen. Hoffentlich hat die gGmbH bis dahin genügend Geld zurückgelegt, um eine neue Traglufthalle kaufen zu können. Sonst muss sich die Stadt für das Schulschwimmen nach einem anderen Bad umschauen.
»Wir kommen über die Runden und beschweren uns nicht, stattdessen sorgen wir mit dem umfangreichen Kursangebot und den langen Öffnungszeiten für eine gute Auslastung. Unser großer Vorteil ist, dass wir als gemeinnützige GmbH keine Gewinne erwirtschaften müssen. Alle Überschüsse werden reinvestiert«, stellt Traxel, der auch 1. Vorsitzender des Mainzer Schwimmvereins ist, fest.

Zurzeit werden die Duschen für den Freibadbetrieb umgebaut. Im Sommer sind die Winterumkleiden für die Traglufthalle dran: Deren Neubau kostet die gGmbH allein etwa 100.000 Euro.

»Je besser der Sommer, desto mehr Geld können wir zurücklegen und in die Sanierung stekken«, sagt Rainer Heidt. Das Vorstandsmitglied des Schwimmvereins 01 agiert als Geschäftsführer der gGmbH - wofür er, wie alle anderen Mitarbeiter auch, bezahlt wird. 40-50 Mitarbeiter sind für den Badbetrieb verantwortlich, Putzkräfte und Kursleiter inklusive, davon 20 auf Vollzeitbasis, die anderen als 400-Euro-Kräfte oder Minijobber.

»Wir haben von Anfang an auf die Professionalität der Mitarbeiter gesetzt«, meint Traxel. Regelmäßige Schulungen seien Pflicht, freundliches Auftreten erst recht. Das sei ein Grund, warum die Kurse gerne gebucht werden. Selbst aus dem Rheingau kämen Kinder, um Schwimmen zu lernen, ein amerikanischer Schwimmclub aus Wiesbaden trainiert in Mombach, Terres des Hommes finanziert Schwimmkurse für Migrantinnen. Ein weiterer Grund für die gute Auslastung seien sicher die günstigen Preise, sowohl für die normale Nutzung als auch für die Kurse, kostenloses Parken eingeschlossen, sind Heidt und Traxel überzeugt. Das passt zur »Philosophie« der Badbetreiber: Sie wollen ein Schwimmbad für Alle. Und übernehmen viele Arbeiten in Eigenregie, um die Unterhaltungskosten gering zu halten: Rasenmähen, kleinere Reparaturen.

Schwimmer kommen auf ihre Kosten

Ein »Spaßbad« ist das Mombacher Bad nicht, dazu fehlt die Ausstattung - wobei im Freibad Spielgeräte für Abwechslung sorgen. »Wir sind ein klassisches Schul- und Vereinsschwimmbad«, meint Traxel, »und treten nicht in Konkurrenz zu Spaßbädern in der Region.« Für Menschen, die schwimmen wollen, reicht das Bad allemal. Manches ist in die Jahre gekommen, wie das Spindschlüsselsystem. Aber es funktioniert! Die Vielzahl an -sauberen- Umkleidekabinen erfreut das Herz ebenso wie die zehn (Damen-)Duschen, alle Duschköpfe spenden reichlich warmes Wasser, während das Handtuch tropfsicher an einem Haken hängt und der Rest an Duschutensilien sicher auf einer Ablage steht. Die Wassertemperatur im Hallenbad liegt zwischen 28 und 32 Grad - den älteren Semestern, die einen Großteil der Badegäste ausmachen, ist das angenehm, den vielen Kindern sowieso. »Wir versuchen es allen unseren Badegästen recht zu machen, für alle eine Nische zu schaffen«, sagt Heidt und weist auf die Trennwände in den neuen Duschen hin. »Die waren nicht vorgesehen, aus Kostengründen, aber viele Stammgäste wollten sie unbedingt, also haben wir sie zur Verfügung gestellt.« Solche Konzessionen an die Wünsche der Badegäste kosten Geld - dafür sind die Schwimmer dann auch zufrieden. »Die Resonanz ist gut, das bestätigt uns in dem, was wir tun«, bekunden Heidt und Traxel.

SoS

Kommentar: Chapeau!

Ohne die 900.000 Euro Zuschuss im Jahr, würde der Badbetrieb nicht funktionieren. Ohne das Engagement der Betreiber aber erst recht nicht. Die stellen sicher, dass Schulen und Vereine das Bad nutzen können, übernehmen mithin diese öffentliche Aufgabe. Das funktioniert so lange, wie es der gemeinnützigen GmbH gelingt, Rücklagen aus den Einnahmen zu bilden, zu reinvestieren und das Bad, allen gesetzlichen Auflagen entsprechend, zu leiten.

Die Stadt hat kein Geld - das wissen auch die Badbetreiber und arrangieren sich. Vergleiche wollen sie nicht ziehen.

Obwohl sie wissen, dass die private Taubertsbergbad GmbH 100.000 Euro mehr Zuschuss im Jahr erhält. Dafür aber weniger Schul- und Vereins-Bahnenstunden anbietet - wobei sich die meisten Vereine die 20-30 Euro pro Bahnenstunde im Taubertsbergbad sowieso nicht leisten können. Und die Preisgestaltung für das Sportbad dort ist ganz weit weg von dem Anspruch »sozialverträglich«.

Warum die beiden Bäder seitens der Stadt ungleich behandelt werden, ist nicht nachvollziehbar - zumal ausgerechnet einem Privatunternehmen der Badbetrieb erleichtert, einer gemeinnützigen GmbH dagegen erschwert wird. (Vielleicht hatten die Verantwortlichen aus den Zugeständnissen, die im Vertrag mit dem privaten Betreiber Deyle gemacht wurden, gelernt?)

Der Stadt ist zu wünschen, dass die gGmbH noch lange genügend Geld erwirtschaftet, um den Badbetrieb in Mombach zu gewährleisten. Denn:

Wo sonst kann der Schwimmunterricht für all die Schüler stattfinden? Etwa im Taubertsbergbad?