Heft 247 April 2011
Werbung




Mainzer Plätze

Der Feldbergplatz

Ein großer Garten in der Neustadt


Der Feldbergplatz
Den »Feldi« nutzen Kinder ebenso gerne, wie Boule-Spieler, die Anwohner für ihre gemeinsamen Feiern und für den »Wanzenmarkt«.

Spielen, Geburtstag feiern, Quatschen, Essen und Trinken - klingt nach einer großen Party im heimischen Garten. Doch hier geht es um einen öffentlichen Platz, mitten in der Mainzer Neustadt - den Feldbergplatz. Aus der Feldbergstraße kommend, ahnt man noch nicht, was sich hinter der »Grünen Brücke« verbirgt. Eingefasst in Blumen, Sträucher und Hecken, bringt die begehbare Großplastik von Dieter Magnus den Fußgänger sicher über die Rheinallee. Oben angekommen geht der Blick über eine größere Fläche bis zum Rheinufer. Angelegt wurde der Platz in Folge der Rheinuferaufschüttung und -befestigung Ende des 19. Jahrhunderts und am 23. April 1890 nach der höchsten Erhebung des Taunus, dem Großen Feldberg benannt. Die »Caponnière V«, eine Festungsanlage am Fuße des Platzes, wurde 1887 gebaut und ist noch heute erhalten. Rundherum wurden Wohnhäuser errichtet. Am Rheinufer stand sogar eine aufwendig gestaltete Einzelvilla. In den 1940er Jahren wurde der Platz kurzfristig in Ludendorffplatz umbenannt. Seit 1945 hat er wieder seinen alten Namen.

»An diesem Ort kommen Groß und Klein zusammen«, erzählt Anette Roters, eine Anwohnerin des Feldbergplatzes. Regelmäßig treffen sich auch einige Boule-Spieler. »Ich finde es toll, dass sie hier sind. Wir nennen sie liebevoll unsere »Kampf-Bouler««, so Roters. Denn sie spielen bei Wind und Wetter und zu jeder Jahreszeit. Und das bereits seit 1994. Ein paar Frankophile brachten den Sport auf den Feldbergplatz.

Aber warum gerade dieser Ort? »Es handelt sich um einen anspruchsvollen Boden«, erklärt ein Spieler, »den muss man lesen«. Aufgrund der Witterung ist der sandige Boden oft mit Ästen, Steinen und Blättern bedeckt. Daher fegen die Spieler regelmäßig ihren Platz. »Sogar im Schnee haben wir schon gespielt«, erinnert sich ein anderer Spieler: »Das macht es noch interessanter.« Jeder der Lust hat mitzuspielen, ist herzlich willkommen. Zuerst gab es zwei große Gruppen, die sich nach einiger Zeit zusammengeschlossen haben. Dass die Gruppe so groß ist, liegt gewiss auch an der Freundlichkeit und Offenheit der Spieler.


Hier ist immer etwas los


Ob Geburtstag, Zeugnis, Jubiläum, auf dem »Feldi« - wie die Anwohner ihren Platz nennen - wird jedes Ereignis gefeiert. Da muss auch mal der Elektropoller als Büffetunterlage für die Party herhalten. »Letzten Winter haben wir sogar mal eine Schneebar gebaut«, erzählt Roters. Die angrenzende Feldbergschule nutzt den Feldbergplatz ebenfalls. »Das Baumhaus ist in der Pause bei den Kindern der Hit«, weiß Roters, die in der Schule arbeitet. Die Turnhalle der Feldbergschule hat eine historische, allerdings auch traurige Vergangenheit. Bei der ersten Deportation von Mainzer Juden am 20. März 1942 diente sie als Sammelstelle. Von hier wurden die zum Abtransport bestimmten Juden in der darauf folgenden Nacht zum Güterbahnhof gebracht. Am jüdischen Neujahrsfest 1947 konnte in der Turnhalle der Feldbergschule eine provisorische Synagoge eingeweiht werden. Die Turnhalle diente der kleinen jüdischen Nachkriegsgemeinde bis 1952 als Stätte des Gebets und als Versammlungsort.

Beliebt ist der Feldbergplatz besonders bei Kindern. Der Spielplatzbereich wurde 2006 im Rahmen der »Sozialen Stadt« erneuert. Gemeinsam mit dem Jugendamt, dem Grünamt und dem Arbeitskreis Kinderbunt bezog das Quartiermanagement auch Kinder mit in die Planung ein. Sie durften selbst entscheiden, welche Spielgeräte sie auf dem Platz haben möchten. Sie malten Bilder und bastelten Modelle. So entstand eine »Dschungelbrücke«, die zwei Türme verbindet. Am unteren Teil gibt es eine Hängematte aus schwarzem Hartgummi und eine Rutsche. Auch der »Wanzenmarkt«, der Stadtteilflohmarkt der Neustadt, ist auf dem Feldbergplatz beheimatet.

Was schätzen die Mainzer Neustädter an ihrem »Feldi«? »Ich finde es gut, dass der Platz nicht so zugebaut ist. Es gibt eine große Freifläche, wo die Kinder einfach kreativ sein können«, meint Roters. Als sie vor rund zwölf Jahren an den Feldbergplatz gezogen ist, empfand sie den Platz als recht dunkel und still. Das hat sich in den letzten Jahren komplett geändert. Zwar wirkt der Platz im Winter recht kahl, aber wenn im Frühjahr alles blüht und der Wasserfall an der Grünen Brücke runter rauscht, kann man sich hier richtig wohlfühlen.

Und langweilig wird es auch nicht: Ob Tischtennis, Fußball, Federball oder Leichtathletik. Mit dem Rad auf den Steinen balancieren oder einfach nur toben. Hier ist für jeden etwas dabei. Es gibt sogar eine Laufbahn und eine Sprunggrube. Auf dem »Feldi« ist einfach immer was los.

Helena Winter


Infos Wanzenmarkt:
Der nächste Wanzenmarkt findet am 9. April von 9-13 Uhr (Aufbau ab 7 Uhr, Abbau bis 14 Uhr) statt. Veranstalter: Neustadttreff e.V. - Initiative »Wanzenmarkt aktiv«. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, gewerbliche Anbieter sind nicht erlaubt. Die Standgebühr beträgt entweder einen selbstgebackenen Kuchen oder 5 Euro.