Heft 247 April 2011
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Hilfe

Extreme Krisensituation für Frauen:

Aktion Moses hilft


Moses

Eine ungewollte Schwangerschaft bedeutet für viele Frauen eine schwierige Situation. Wenn sie diese auch noch vor der Familie oder dem Partner verheimlichen müssen und zudem nicht wissen, an wen sie sich vertrauensvoll wenden können, kann mit der Verzweiflung der Gedanke wachsen, das Baby ohne medizinische Versorgung zu gebären, es auszusetzen oder gar abzutreiben. Die Aktion Moses vom Sozialdienst Katholischer Frauen (SkF) bietet mit ihrem Notfalltelefon und in persönlichen Gesprächen diesen Frauen anonyme Beratung und ermöglicht ihnen außerdem eine anonyme Entbindung. Im Interview mit dem MAINZER erklärt Margot Richarts, ehrenamtliches Vorstandsmitglied des SkF, die seit acht Jahren bestehende Aktion und deren Grundgedanken.

Woher kommt der Name und was ist deren Anliegen?


Margot Richarts: Der Name bezieht sich auf die biblische Geschichte: Von seiner Mutter in einem Weidenkörbchen ausgesetzt, wurde Moses von der Tochter des ägyptischen Pharaos gefunden und von ihr wie ein eigenes Kind aufgezogen. Die Geschichte nimmt also für das Kind ein gutes Ende. So sehen wir auch unsere Aktion für Frauen, die sich in einer extremen Krisenlage befinden, also ihre Schwangerschaft verheimlichen oder diese sogar verdrängen, bis es nicht mehr geht und sie am Ende nicht wissen, an wen sie sich wenden können und völlig alleine sind. Diesen Frauen bieten wir Hilfe, wie eine anonyme telefonische Kontaktaufnahme mit uns, denn unser Angebot soll ein niedrigschwelliges sein. Die Betroffenen sollen im Hintergrund bleiben können, damit sie geschützt sind. Das gilt auch für die persönlichen Beratungen. Hierfür können die Schwangeren sogar einen beliebigen Ort in Mainz bestimmen, an dem sie sich mit unseren Mitarbeiterinnen treffen. Uns ist es wichtig diesen Frauen zu vermitteln, welche Möglichkeiten es gibt, das Kind auszutragen, zu ihm zu stehen und mit ihm zu leben.

Richarts
»Unser Haus ist für Frauen und ihre Kinder offen«, sagt Margot Richarts vom SkF.
Wie ist die gesamte Hilfsaktion aufgebaut?


Margot Richarts: Die Aktion Moses besteht aus drei Säulen: Dazu gehört wie beschrieben die anonyme Beratung - persönlich oder telefonisch. Außerdem geben wir auch Personen, die sich um eine Schwangere sorgen, Tipps. Die zweite Säule ist die Kooperation mit dem katholischen Klinikum, über das wir eine vertrauliche Geburt vermitteln, damit Frauen nicht zu Hause oder wo auch immer alleine ohne medizinische Hilfe entbinden müssen. Der Aspekt, auf alle Fälle für die Niederkunft medizinische Hilfe aufzusuchen, liegt uns am Herzen. Das erwähnen wir in jeder Beratung. Im Idealfall, begleiten unsere Beraterinnen die Schwangere, wenn sie das wünscht. Wenn nicht, setzen wir uns mit der Geburtshilfe-Station in Verbindung und kündigen die betreffende Person an.

Die dritte Säule von Aktion Moses ist das von den Marienschwestern im Bruder-Konrad-Stift betreute Babyfenster. Verzweifelte Mütter müssen ihr Neugeborenes nicht aussetzen, sondern können es dort in Obhut geben, ebenfalls anonym. Um das Kind kümmern sich die Schwestern sofort nachdem es in das Bettchen gelegt wurde, zudem wird es über einen Notarzt medizinisch versorgt und dem Jugendamt gemeldet. Im Babyfenster liegen Adresskarten über uns als Träger in mehreren Sprachen aus, die die Mutter mitnehmen kann und darüber informieren, dass sie sich jederzeit an uns wenden kann. Acht Wochen hat sie Zeit, ihre Entscheidung zu überdenken, ob sie ihr Baby wieder zu sich nimmt oder es zur Adoption frei gibt. Natürlich stehen wir ihr auch in dieser Phase beratend zur Seite. Seit der Einrichtung des Babyfensters im Jahr 2002 sind glücklicherweise erst vier Babys auf diese Weise abgegeben worden.

Die anonyme Beratung ist, wie Sie sagen, das Herzstück von Aktion Moses.


Margot Richarts: Ja, denn unser Ziel ist es, einer Frau, die überhaupt keinen anderen Ausweg aus ihrer Situation sieht, jeden möglichen Beistand zu geben, damit sie in ihrer misslichen Lage nicht alleine ist. Ihr Schutz über die Anonymität ist dabei essentiell. Die Beraterinnen zeigen zudem Schwangeren das gesamte Hilfesystem auf, das heißt, welche Unterstützungen ihnen generell zustehen etwa bei finanziellen Schwierigkeiten und begleiten sie aktiv. Auch die Bedeutung der Kenntnis der Abstammung für das Kind wird thematisiert. Außerdem kann, aufgrund unserer zahlreichen Kontakte zu anderen Einrichtungen auch über Mainz hinaus, Frauen beispielsweise nach der Geburt geholfen werden, etwa die Vermittlung in ein Mutter-Kind-Heim. Grundsätzlich suchen wir gemeinsam mit den Ratsuchenden nach Lösungen ihres Problems. Im Übrigen beraten wir kostenlos alle Frauen jeder Konfession und Nationalität.


Aktion Moses
Notruftelefon für schwangere Frauen: 01805 / 0888880 (12,3 Cent /Minute)
Babyfenster: Bruder-Konrad-Stift, Eingang Kappelhofgasse.

Sozialdienst Katholischer Frauen
Römerwall 67, 55131 Mainz, Telefon: 06131 / 233895,
info@skf-mainz.de, Öffnungszeiten: Mo-Do 8-16 Uhr, Fr 8-13 Uhr.



KH