Heft 246 März 2011
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Mainzer Köpfe - Luzeyi Kuelusukina

Vom Kongo nach Mainz und zurück

Unterwegs im Einsatz für Menschen


Luzeyi Kuelusukina
Luzeyi Kuelusukina

»Es ist eine Bereicherung des Lebens, eine Erweiterung des Horizonts wenn man zwei Kulturen in sich vereinigen kann.« Luzeyi Kuelusukina weiß genau, wovon sie spricht. Die gebürtige Kongolesin lebt seit Mitte der 80er Jahre in Deutschland. Mit ihrem Mann und mit Unterstützung von deutschen Freunden gründete sie in Mainz »Lisungi«, einen Verein der insbesondere Frau­en und Kindern im Kongo den Zugang zur medizinischen Versorgung ermöglicht.

Wortgewandt und temperamentvoll fasst Luzeyi Kuelusukina die Stationen ihres Lebens zusammen. Anfang der 80er kam sie mit einem Studentenvisum nach Deutschland, absolvierte als Stipendiatin der Otto Benecke Stiftung in Marburg einen Sprachkurs, in Mainz das Studienkolleg und studierte anschließend in Münster Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Außenwirtschaft und Marketing. Während und nach dem Studium arbeitete Luzeyi Kuelusukina bei der Landesbank in Nordrhein-Westfalen, der Dresdner Bank in Hannover, bei Reemtsma in Hamburg. Ihr kongolesischer Mann studierte ebenfalls in Deutschland, 1991 kam der erste gemeinsame Sohn auf die Welt, vier Jahre später die Tochter und 1999 der zweite Sohn.

Dazwischen absolvierte Luzeyi Kuelusukina noch ein Aufbaustudium der Politikwissenschaften bis zum Vordiplom an der Mainzer Uni. Im Referat Weltmission, Gerechtigkeit und Frieden des Bistums Mainz hat die überzeugte Katholikin eine Teilzeitstelle, bei Gerichtsverhandlungen und am Frankfurter Flughafen sind ihre Sprachkenntnisse als Dolmetscherin gefragt: Französisch, Lingála, Kinkongo. »Ich finde es wichtig, mich für andere Menschen einzusetzen«, so das Credo, das wohl Grundlage für ihr vielseitiges Engagement ist - und: »man muss nach vorne schauen und nicht die Hände in den Schoss legen.«

Neben Spenden werden vor allem auch gebrauchte medizinische Geräte für Ultraschall, Mikroskope und Medikamente (mit gültigem Verfallsdatum!) benötigt.




Dringend nötig: medizinische Hilfe

Mobile Klinik von Lisungi
Die Mobile Klinik von Lisungi im Einsatz: Im Dorf Mekao der Gemeinde N'sele besuchen Dr. Francy Mbelembe, Facharzt für Allgemeinmedizin (re) und Krankenpfleger Jean (Mitte) eine junge Mutter und deren Baby.

Eine andere Grundlage, so legt ihr Blick zurück nahe, dürfte die selbstverständliche Unterstützung sein, die Luzeyi Kuelusukina aus der Familientradition im Kongo gewohnt ist. Ihr Bruder Mark Luyindula ebnete ihr den Weg zum Studium nach Deutschland, erinnert sie sich. Der in Deutschland promovierte Mathematiker hatte in Hannover ein Unternehmen gegründet und versprach seiner Schwester: »Wenn Du Dein Abitur im Kongo geschafft hast, kommst Du nach Deutschland.« Vom Bruder lernte Luzeyi Kuelusukina auch, dass im direkten Kontakt sowohl Sprache als auch Mentalität leichter gelernt und erfasst würden. »In Deutschland ist alles sehr geregelt, man geht nicht spontan auf einen Kaffee zu Freunden, meldet sich vorher an, das war anfänglich ungewohnt, ich finde das längst in Ordnung.« Sehr geprägt habe sie außerdem die Arbeitsmoral, meint Luzeyi Kuelusukina und stellt fest: »Sehen Sie, ich kann annehmen, was ich hier gut finde und gleichzeitig beibehalten, was ich als Kongolesin gut finde - das ist doch eine Bereicherung!«

Dass der Bruder, der nach seiner Rückkehr in Kinshasa ein Unternehmen gründete und seine Eltern und Geschwister dort unterstützte, sterben musste, weil seine Diabetes nicht erkannt wurde, war wiederum ein Anstoß für »Lisungi«. »Es mangelt im Kongo an medizinischen Geräten, ich habe deshalb Blutzuckermessgeräte, Medikamente und ähnliches in Mainz organisiert und sie bei meinen Besuchen im Kongo in Kliniken abgegeben.« 2008 begleitete Luzeyi Kuelusukina einen Arzt in den Randgebieten der Hauptstadt, wo es keine Kliniken und noch nicht einmal Krankenstationen gibt. »Schwangere Frauen laufen kilometerweit zu Fuß, um zu entbinden, wenn sie es nicht schaffen, kommen die Kinder auf der Straße zur Welt und viele müssen sterben.«

Mit ihrem Mann Jean Claude Luyeye entwickelte Luzeyi Kuelusukina das Konzept für die Mobile Klinik, gründete mit deutschen Freunden »Lisungi« und hilft mit den Spenden und einer kongolesischen Polyklinik als Partner direkt vor Ort. »Als Frau möchte ich mich in erster Linie für die Gesundheit von Frauen einsetzen, damit erreichen wir gleichzeitig die Kinder und viele ältere Leute.« Die mobile Klinik, besetzt mit Arzt, Krankenschwestern und -pfleger behandelt dort, wo die Menschen leben. »Das umfasst die medizinische Basisversorgung ebenso wie Schwangerschafts- und Aidsberatungen.« Die Patienten zahlen so viel, wie sie können - in einem Land in dem ein öffentliches Gesundheitssystem praktisch nicht vorhanden ist, ihre einzige Chance auf medizinische Hilfe.



SoS