Heft 246 März 2011
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Fastnacht

Die Maskerade hilft nicht immer:

Kostüme Entlarven ihre Träger


Affe

Der Höhepunkt der diesjährigen Kampagne steht unmittelbar bevor. Während der närrischen Tage sind wieder gefühlte 200.000 Singles in den Mainzer Straßen unterwegs. Ehe- und Verlobungsringe werden selbstverständlich frühestens am Aschermittwoch ausgegraben. Nie ist es leichter zu flirten und mit wildfremden Leuten in Kontakt zu treten und nie ist es schwieriger, sich ernsthaft zu verlieben. Denn, woher soll man wissen, ob sich unter all den Maskeraden eher Mr. Wrong oder Mr. Right verbirgt? Aber keine Panik, liebe Suchenden, es gibt einen Ausweg aus diesem Dilemma. Durch intensive und exzessive, nicht ganz ernst gemeinte Langzeitstudien und Selbsterfahrungstrips ist es dem MAINZER gelungen, den Typ Mann, der sich unter den gängigsten Kostümen versteckt, weitestgehend zu entlarven.

Da gäbe es zum einen die Spezies Mann, die sich in einen tierisch komischen Ganzkörperfummel zwängt, zumeist aus Fell. Obwohl die männlichen Wesen damit bestens gegen die Kälte gewappnet sind und sich das Warmsaufen sparen könnten, legen sie einen beachtlichen Verzehr von alkoholischen Getränken an den Tag. Auffallend ist, dass sie, ähnlich wie ihre tierischen Artgenossen, vermehrt in Rudeln auflaufen. Wahrscheinlich, weil es ihnen viel zu peinlich wäre, sich im wahrsten Sinne des Wortes alleine so zum Affen zu machen. Bewundernswert ist aber ihre tierische Verkleidungsrolle, die sie so ernst nehmen, dass sie regelrecht mit ihr verschmelzen. Dank eines eisernen und aufopferungsvollen Kampftrinkens schaffen sie es problemlos, sich der menschlichen Sprache vollständig zu entledigen und adaptieren sogar mit der Zeit die typischen Verhaltensmuster ihrer tierischen Verwandtschaft, wie Revier markieren und Wiederkäuen. Sollten sie der Herde aber abhandenkommen, sind sie allein völlig hilflos und verwirrt.

Zu den beliebtesten Kostümen gehört der Pirat, der spätestens seit »Fluch der Karibik« zum absoluten Dauerbrenner avanciert ist. Da hierzu nicht sonderlich viel Einfallsreichtum gehört, versteht es sich von selbst, dass unter diesem eher selten kreative Köpfe stecken, sondern zumeist rationale wie die eines BWLers oder Juristen. Hier ist Vorsicht angesagt. Ganz im Zeichen von Johnny Depps Paraderolle können auch sie im Leben mit einer beeindruckenden Karriere aufwarten und verdienen ihr Geld wenn man so will mit moderner Piraterie. Schließlich sind sie in ihrem Beruf ebenfalls darauf spezialisiert, anderen Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Dabei verlieren sie aber nie den charmanten und humorvollen Stil des Jack Sparrow aus den Augen.

Verkleidung für »nette« Männer


Die feierwütigsten sind zweifelsohne die Vampire, denn die müssen ja notwendigerweise die Nacht zum Tag machen. Unter der blutrünstigen, weißen Fassade verbergen sich wahre Filmjunkees, die immer mit dem aktuellen Kino-Trend gehen, ganz nach dem diesjährigen Motto: »Twilight-Biss zum Aschermittwoch«.

Zwar sind die Vampire auch immer auf der Suche nach Frischfleisch, sie werden aber von der Kategorie der Piloten, Kapitäne und Ärzte gnadenlos wieder zurück in ihren geliebten Schatten gestellt. Beim Flirten und Frauen aufreißen sind die drei letztgenannten unschlagbar. Was bei den Piloten und Kapitänen schon in der Natur der Sache liegt, nämlich dass sie an jedem Umzugswagen eine andere haben, wird von der Gruppe der Halbgötter in Weiß nur noch durch außerordentlich originelle Namensschilder wie z.B. »Dr. Frauenarzt« getoppt. Wirklich eine sehr nette Umschreibung für seine bevorzugte Stellung des weiblichen Geschlechts, aber wenigstens ehrlich.

Ebenfalls Klassiker sind Teufelskostümierungen und Horrormasken, wobei die Betonung hier ganz klar auf Kostümierung liegt. Denn in Wahrheit stecken dort keineswegs irgendwelche Psychopathen, sondern meistens sehr nette Männer drunter. Zurückhaltung ist hier also völlig fehl am Platz. Die Teufelskerle haben eher Angst, dass ihr weicher Kern unter den harten Teufelshörnern hervor blitzt.

Echte Mannsbilder in Frauenkleidern müssen auch nicht zwangsläufig schwul sein. Sie sind, außerhalb des Christopher Street Day natürlich, einfach nur humorvolle Kumpeltypen, die für jeden Spaß zu haben sind. Gleichfalls Pferde stehlen kann man mit den Cowboys. In den letzten Jahren ist diese Gattung jedoch vom Aussterben bedroht. Vermutlich traut sich nach »Brokeback Mountain« keiner mehr in die Cowboystiefel zu schlüpfen, da er befürchtet, von männlichen Geschöpfen angemacht zu werden. Wenn man dem diesjährigen Kostümtrend Glauben schenken darf, ist das Thema Mittelalter stark angesagt. Aber aufgepasst, hierbei handelt es sich meistens gar nicht um eine offizielle Verkleidung. Langhaarige Mittelalterfreaks laufen den Rest des Jahres auch so rum und besuchen einen Mittelaltermarkt nach dem anderen. Außerdem liebe Frauen, einen ungewaschenen und unrasierten Mann in alten Klamotten habt ihr doch eh zu Hause auf der Couch sitzen, oder?



Stefanie Gundel