Heft 246 März 2011
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Radeln

Kommt der oder kommt er nicht, der Radfahrbeauftragte?

Arbeit gibt es mehr als genug!


Kreuzung vor dem Hotel Favorite, Mainz
Schwer einsehbar ist diese Kreuzung vor dem Hotel Favorite für Autofahrer wie Radler. Spätestens im Frühjahr, wenn zahlreiche Pendler und Schulkinder die vorgeschriebene Radroute durch den Volkspark nutzen, soll die neu Ampelanlage sicherstellen, dass die kreuzenden Radler nicht überfahren werden.

Vakant ist die Stelle seit dem Ausscheiden von Harry Tebbe im vergangenen Jahr, obwohl die rot-grün-gelbe Koalition klar bekundet: Die Stadt Mainz braucht einen Radfahrbeauftragten. Für die Stellenbesetzung braucht die Stadt aber auch grünes Licht von der ADD. So lange bleibt das Radwegenetz sich mehr oder weniger selbst überlassen und einige bereits beschlossene und bemittelte Projekte harren der Umsetzung. DER MAINZER unternahm mit dem ADFC-Sprecher Wolfgang Stallmann eine Bestandsaufnahme.

Die guten Nachrichten zuerst:

  • Eine neue Radwegführung durch den Volkspark über den Stadtpark in Richtung Eisenbahnbrücke ist eingerichtet, die Ampelanlage war Mitte Februar immerhin installiert;
  • der Geh- und Radweg der Eisenbahnbrücke Mainz-Süd wurde verbreitert;
  • ein Fuß- und Radweg von Lerchenberg nach Gonsenheim entlang der L 427 ist beschlossen und geht in die Planung;
  • auf Einladung des Dezernenten für Umwelt, Grün, Energie und Verkehr, Wolfgang Reichel, trafen sich zum Thema Fahrradverkehr Vertreter des ADFC, VCD, des Arbeitskreises Verkehr der Agenda 21 sowie des örtlichen Fahrradhandels zu einem »Runden Tisch«; weitere Treffen sind terminiert;
  • die Ampel-Koalition ist sich einig, dass die Stadt einen Radfahrbeauftragten braucht und gewillt, die Stelle neu zu besetzen, der Stellenplan ist jedoch von der ADD noch nicht genehmigt; nicht auszuschließen ist, dass die ADD diese Stelle als nicht zwingend notwendig erachtet und eine Genehmigung verweigert;
  • in Radler-Kreisen wird die Wahl der Grünen-Politikerin Katrin Eder als Nachfolgerin von Dezernent Reichel erwartungsvoll gesehen, wobei klar ist, dass auch die neue Dezernentin den alten Sparzwängen unterliegt.

Weniger gut sind folgende Beobachtungen:

Radweg, entlang der Goldgrube bis zur Göttelmannstraße
Es war einmal ein Radweg, beidseits entlang der Goldgrube bis zur Göttelmannstraße. Durchaus sinnvoll, auch für Radler, die gar nicht durch den Volkspark fahren wollen. Sein Zustand lässt schon lange zu wünschen übrig, er wurde von der Benutzungspflicht ausgenommen. Jetzt gammelt er vor sich hin.
  • Das über 200 km lange Radwegenetz bedarf der ständigen Unterhaltung, nach dem harten Winter sind an vielen Stellen Frostschäden zu beseitigen, zusätzlich zu den ganz normalen Ausbesserungsarbeiten; nach Schätzungen des ADFC wären dazu 150.000 Euro pro Jahr nötig; bislang stehen 50.000 Euro pro Jahr zur Verfügung;
  • im Bereich Dom/Markt- und Gutenbergplatz ist der Bedarf an gesicherten Fahrradabstellplätzen zwar erkannt und in der Größenordnung von 100 Plätzen geplant, die Realisierung lässt jedoch auf sich warten;
  • die Mainzer Verkehrsgesellschaft baut bis 2012 ein Fahrradverleihsystem auf: nach Abschluss der Testphase in 2011 (es werden noch Testkunden gesucht: www. mvgmeinrad.de) soll es in 2012 mit 1000 Fahrrädern und 120 Verleihstationen mehr Menschen zum Alltagsradeln bewegen; ein gut ausgebautes und gut erhaltenes Radwegenetz ist aus Sicht des ADFC für den Erfolg dieses Systems ebenso notwendig, wie ausreichen­de Abstellplätze und eine gute Beschilderung - genügend Aufgaben für den Radfahrbeauftragten;
  • die Endlos-Geschichte »Fahr­radparkhaus am Hauptbahnhof« geht in eine neue Runde: Seit Jahren beschlossen, die erforderlichen Gelder, insbesondere vom Land RLP sind bereit gestellt, wurden die Bauarbeiten der Bahn an den beiden Tunnelröhren und die hier­zu notwendige Zuwegung der Bau­fahrzeuge als Grund für die Verschiebung des Baustarts genannt; aktuell wird gemunkelt, die Gelder stünden erst in 2012 bereit, vorher könnten die Bauarbeiten nicht beginnen;
  • aufgrund einer Novelle zur StVO in 2009 müssten alle zur Pflichtbenutzung ausgewiesenen Radwege einer Prüfung unterzogen werden: Ist die Radwegebenutzungspflicht noch sinnvoll oder ist eine Aufhebung angebracht? In Tempo 30-Zonen bspw. ist die Pflichtbenutzung nicht erforderlich, hier sind Radfahrer (ausgenommen Kinder bis 10 Jahre) grundsätzlich berechtigt, die Straßen zu benutzen.
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Dranbleiben

Wolfgang Stallmann weiß aus den vielen Jahren seines Einsatzes für Fahrradfahrer im ADFC, dass ein Radfahrbeauftragter als unermüdlicher Mahner notwendig ist: »Es braucht einen Insider, der den Überblick hat über alle Vorschläge und Projekte, der weiß, wo dringend und wo längerfristig Reparaturen durchgeführt werden müssen, wo Abstellplätze sinnvoll sind etcetera.« Zumal, und das hat RLP-Wirtschaftsminister Hendrik Hering bei der Eröffnung des verbreiterten Radweges der Eisenbahnbrücke Mainz-Gustavsburg deutlich gesagt, der Fahrradtourismus seitens des Landes gefördert werden soll. Sicherlich nicht zum Nachteil der ortsansässigen Wirtschaft.



SoS