Heft 245 Februar 2011
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Stadtteile

Mainzer Neustadt

Boppstraße soll auf die »Beauty-Farm«


Ortsvorsteher Nico Klomann
Ortsvorsteher Nico Klomann an der Ecke Boppstraße/Frauenlobstraße. Solche Straßencafès würde er sich mehr in der Boppstraße wünschen.

So richtig deutlich will es keiner sagen, aber in der Boppstraße liegt offenbar manches im Argen. Ortsvorsteher Nico Klomann (Grüne) spricht vorsichtig von »Fluktuation« in der dortigen Geschäftswelt und deutet an, dass »vielleicht nicht immer mehr Friseurläden« dort eröffnen müssten. Projektleiterin Bettina Gies vom Wirtschaftsforum des Gewerbevereins Mainz-Neustadt erklärt auf die Frage nach dem Branchen-Mix in der Straße noch vorsichtiger, »er ist so wie er ist«. Eben »typisch für einen Stadtteil in ergänzender Funktion zur Innenstadt«, wie es im Stadtentwickler-Jargon heißt.

Kurzum, Mischung und Beständigkeit der Geschäfte in der Boppstraße könnten wohl besser sein. »Leerstand ist nicht so sehr das Problem, aber die Fluktuation«, sagt der Ortsvorsteher. Er würde sich beispielsweise mehr Straßencafes wünschen oder auch einen Laden für Schreibwaren und Druckerpatronen - »wo doch so viele Studenten hier wohnen«. Und dann ist da auch noch das Verkehrsproblem: Autofahrer schieben sich in zwei Richtungen aneinander vorbei, Radfahrer und Fußgänger drängeln sich auf den Bürgersteigen.

Optisch und ökonomisch hapert es also ein wenig in der Boppstraße, weshalb SPD und Grüne im Ortsbeirat Neustadt im August dieses Jahres unter der Überschrift »Die Boppstraße muss auf die Beauty Farm« eine Aufwertung der Straße in einem Antrag an die Verwaltung fordern. Immerhin sei die Boppstraße wegen ihrer vom Stadt­baumeister Eduard Kreyßig geplanten Sichtachse auf den Dom eine der schönsten und bekanntesten Straßen in der Stadt. »Sie ist aber in die Jahre gekommen und bedarf einer zeitgemäßen Gestaltung und Aufwertung«, heißt es in der Begründung.

Ähnliche Forderungen sind in den vergangenen Jahren immer wieder aus dem Ortsbeirat gekommen. Im April dieses Jahres hatte Baudezernentin Marianne Grosse (SPD) allerdings die Verhältnisse klar gerückt: Die gestalterische und funktionale Aufwertung der Boppstraße als Geschäftsstraße sei zwar Bestandteil des Entwicklungskonzepts Soziale Stadt Neustadt.

Angesichts der angespannten Haushaltslage der Stadt und der Schwierigkeiten notwendige Eigenanteile an Fördermaßnahmen bereitzustellen, sehe sie die Umgestaltung nicht als prioritäre Maßnahme: »Es existieren weder Planungen noch wurden Mittel für dieses Projekt eingeplant«, schrieb sie an den Ortsbeirat.

Indirekt laufen jedoch Planungen auch für die Boppstraße. Und zwar über das von Grosse angesprochene Bund-Länder-Programm »Soziale Stadt«, dem Mainz im Jahr 2000 mit drei Wohnvierteln beigetreten ist, darunter auch der Neustadt. Dessen Ziel ist es, Stadtteile mit städtebaulichen, wirtschaftlichen und sozialen Problemlagen zu unterstützen und aufzuwerten.

Der Gewerbeverein Mainz-Neustadt unterhält ein sogenanntes Wirtschaftsforum, das vom Wirtschaftsministerium und der Stadt - mit deren Mitteln aus dem Soziale-Stadt-Topf - unterstützt wird. »Der Zustand der Boppstraße ist für uns wichtig«, stellt Forumsleiterin Bettina Gies klar. Sie sei zentrale Erschließungsachse und zentrale Einkaufsstraße für die Neustadt, erklärt die Wirtschaftsgeografin.

Boppstrasse
Die Sichtachse auf den Dom, der im Herbst durch den Nebel nur schemenhaft zu erkennen ist, hatte Stadtbaumeister Eduard Kreyßig bei der Planung der Boppstraße im Blick.

Eine völlige Aufwertung der Boppstraße sei zwar innerhalb des dreijährigen Projektzeitraums (2009-2011) des Forums nicht machbar, sagt Gies, aber man könne anschieben helfen. So zum Beispiel mit einem Schaufenster-Wettbewerb, der in der von den Neustädtern als ihre »Gud Stubb« wahrgenommenen Straße zur kommenden Fastnachtskampagne laufen soll. Motto: »Neustadt Helau!«. Eine Jury entscheidet über die schönste Schaufenster-Dekoration und lobt Preise aus.

Ein passender Ansatz, findet Ortsvorsteher Klomann. Immerhin ist der Zugbeginn in der Neustadt - »das ist doch was«. Überhaupt will der Ortsvorsteher trotz abschlägiger Bescheide der Stadtspitze nach Unterstützung weiter für seine Boppstraße - er wohnt selbst dort - kämpfen. In kleinen Schritten. Zunächst müsste man mal mit Eigentümern und Pächtern der Läden reden, sagt Klomann. Zum Beispiel darüber, warum sie in der Boppstraße sind: Weil sie die Straße für eine gute Lage halten, oder nur weil dort gerade eine freie Fläche war? Am Ende soll ein »Leitbild« stehen, welche Alleinstellungsmerkmale gibt es, welche besonderen Geschäfte?

Auch zum Thema Verkehr hat sich Klomann Gedanken gemacht. Das Modell des »Shared Space«, über das schon andernorts in der Stadt diskutiert werde, könnte seiner Meinung nach auch in der Bopp­straße Vorteile haben. Dieses aus den Niederlanden stammende Modell sieht sinngemäß vor, dass sich Autos, Radfahrer Fußgänger den vorhanden Raum (engl. Space) gleichberechtigt teilen (share). Der weitgehende Verzicht auf Bordsteine, Ampeln und Verkehrsschilder erfordert gegenseitige Rücksichtnahme.

Ein alternatives Modell, wie es zur bunt gemischten Bevölkerung der Boppstraße passen könnte. Was laut Ortsvorsteher Klomann am Ende aller Planungen auch immer noch für den Branchen-Mix gelten soll: »Es wäre sicher quartiersfremd, wenn man eine Glamour-Flaniermeile hätte.«

Christoph Barkewitz