Heft 245 Februar 2011
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Homo-Szene

Vielseitige Interessen und Angebote unter dem Motto:

Offenheit und Flagge zeigen


Meezelmänner
Meezelmänner

Das Urgestein der Mainzer Schwulenszene ist das Chapeau Claque. Seit 1985 betreibt Reinhold Korz die Bar in der Kleinen Langgasse. Über sich reden mag der Inhaber zwar nicht, aber mit ein wenig Stolz erzählt er von der Idee für seine Lokalität: »Damals gab es so gut wie keine Kneipen oder Clubs dieser Art in der Stadt. Ich wollte für Schwule einen Treffpunkt schaffen, und anfangs war dieser auch nur für homosexuelle Männer zugänglich.« Nicht ohne Schwierigkeiten verlief die Anfangsphase, da Störenfriede meinten, die Gäste anfeinden zu müssen. »Wir haben jedoch dafür gesorgt, dass diese Leute zu ihrem eigenen Erstaunen immer ganz schnell wieder draußen waren«, schmunzelt Korz. Im Laufe der Jahre habe sich erfreulicherweise die Situation in Mainz gegenüber der Szene hin zu mehr Akzeptanz verändert. »Deshalb ist unsere Tür längst für jedermann offen. Heterosexuelle Frauen kommen sogar ganz gerne zu uns, um mal in Ruhe ohne Anmache ein Bier zu trinken.« Die kleine Raucherbar ist täglich ab 17 Uhr geöffnet und bietet jeden ersten Freitag im Monat Schlagermusik sowie jeden dritten Karaoke. Auch Fastnacht hat in der Kneipe seit fast 26 Jahren Tradition. Am 12. Februar findet bereits eine Warm-Up-Party statt und von Altweiberdonnerstag bis Rosenmontag wird durchgefeiert.

Schwitzen, Fußball, Kultur, Rat und Tat


Wer danach den Alkohol ausschwitzen will, kann dies in der Bluepointsauna. Nur für Männer zugänglich eröffnete sie 2002 in der Nähe des Bahnhofs in einem historischen Gewölbekeller, in dem sich früher ein Weinlokal befand. Neben verschiedenen Saunen, Massagen und kosmetischen Anwendungen gibt sie jeden vierten Donnerstag ab 19 Uhr einen Schlemmerabend, für den je nach Motto dekoriert wird.

Begeisterte schwule, lesbische und bisexuelle Mainz-05-Fans sind bei den Meenzelmännern genau richtig. Keine Heim- und nur wenige Auswärtsspiele verpasst dieser Club, dem auch Heterosexuelle angehören. »Sie machen ein Drittel unserer Mitglieder aus«, erklärt Markus Denlef, Präsident der Meenzelmänner, »viele mögen ganz einfach unsere Fan-Club-Arbeit.« Dabei eint sie alle der Grundgedanke »Flagge zu zeigen«, gegen Diskriminierung von Minderheiten im Fußball und dass Homosexualität und Fußballbegeisterung einander nicht ausschließen. Kurz nach ihrer Gründung wurden die Meenzelmänner im Juni 2007 als offizieller Fanclub beim 1. FSV Mainz 05 eingetragen und sind laut Denlef »in der Fan-Szene voll integriert und arbeiten eng mit den Supporters zusammen.«

Chapeau Die Interessen von homosexuellen Studenten und Studentinnen vertreten das Autonome Schwulenreferat und das AlleFrauenreferat an der Johannes Gutenberg-Universität. »Wir wollen allen Studierenden zeigen, dass es alternative Lebensformen gibt«, sagt Martin Schneider, einer der drei Referenten des Schwulenreferats, denn im Uni-Alltag sei nur wenig schwules Leben sichtbar. In diesem Sinne organisiert die Einrichtung jedes Semester ein vielfältiges Kulturprogramm, zu dem Vorträge wie jener am 16. Februar um 20 Uhr »Über die verschwiegenen Biographien der Architekten« gehören. Außerdem gibt es im laufenden Wintersemester eine Ringvorlesung, die mit den Veranstaltungen des Filmwissenschaftlers Dr. Marcus Stiglegger der Uni Siegen »Fetischismus im Film« am 9. Februar und des Diplom-Politologen Maurice Schuhmann der FU Berlin »Fetisch Performance Kultur« am 14. Februar endet. »Grundsätzlich ist uns wichtig, dass Schwulsein nicht nur im Bett passiert, sondern das Leben dadurch viel bunter ist«, betont Schneider. Er meint damit auch, die über Mainzer Grenzen hinweg bekannte lesbi-schwulen Fete »Warm ins Wochenende« im Kulturcafé (Q-Kaff) jeden zweiten und vierten Freitag im Monat, bei der seit 16 Jahren ebenso Heterosexuelle willkommen sind. Mit Rat und Tat steht das Referat nicht nur schwulen Studierenden Mittwoch von 19 bis 20 Uhr zur Seite, sondern gibt den kostenlosen schwul-lesbischen Stadtführer SCOUT! für Mainz und Wiesbaden heraus.

Das AlleFrauenreferat richtet sich zwar nicht ausschließlich an lesbische Studentinnen, sie können hier dennoch erste Informationen und Kontaktadressen bei Fragen und zum Coming-Out erhalten. Generell will es Frauen einen Raum geben, in dem sie sich frei von Sexismus, Heteronormativität und Homophobie bewegen können. Zudem werden Vorträge, Filmreihen und Workshops zu queer-feministischen, lesbischen und frauenzentrierten Themen organisiert und Haus- und Abschlussarbeiten mit diesen Inhalten unterstützt. Ausdrücklich auf die Frauenbibliothek weist Referentin Mascha Magin hin, in der sich »zur lesbischen Thematik viel Literatur und ebenfalls Filme« finden, die teilweise von der »Bar jeder Sicht« gezeigt werden.

www.chapeau-mainz.de
www.bluepointsauna.de
www.meenzelmaenner.de
www.schwulenreferat-mainz.de
www.frauenreferat-mainz.de


KH