Heft 245 Februar 2011
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Fuchs-Interview

Christian Fuchs im Gespräch mit dem MAINZER

»Im Fußball kann alles passieren«


Fuchs

Der österreichische Nationalspieler (36 A-Länderspiele) Christian Fuchs wechselte im letzten Jahr für 350.000 ? auf Leihbasis für eine Saison vom Absteiger VfL Bochum an den Mainzer Bruchweg. Manager Christian Heidel handelte außerdem eine anschließende Kaufoption auf weitere vier Jahre aus. Der Preis soll, so die Tagespresse, deutlich über einer Million Euro liegen. Unser Redakteur Dr. Matthias Dietz-Lenssen sprach mit dem »defensiven Linksfuß« über seine Karriere, sein Engagement und sein Verhältnis zu Mainz.



fragezeichen Herr Fuchs, viele österreichische Spieler mussten sich in ihrer Jugend zwischen Ball und Skiern entscheiden. Standen Sie auch einmal vor dieser Wahl?


Christian Fuchs: Österreich wird oft nur als das Land der Berge und des Schnees angesehen - ich bin aber ein »Flachland-Österreicher« und wurde in Neunkirchen südlich von Wien geboren. Bei mir Stand Fußball immer an erster Stelle. Skifahren ist aber ein Hobby geblieben.



fragezeichen Im benachbarten Pitten
begann dann auch Ihre Karriere.


Fuchs: Mein Vater war Obmann der SVg-Pitten-Hamburger, da war es klar, dass ich schon als kleiner Bub im Verein spielte und dort die »Basics« des Fußballs lernte: laufen, passen, schießen.



fragezeichen 2001 kam dann der Wechsel
zum 1. Wiener Neustädter FC .


Fuchs: mit dem ich ungeschlagener Landesmeister in der U 17 wurde. Dort wurde auch Ernst Weber, der damalige Teamchef der Jugendnationalmannschaft, auf mich aufmerksam. Mit 15 Jahren gab ich dann auch mein Debüt in der 1. Niederösterreichischen Landesliga.



fragezeichen Und 2003 fuhren Sie
mit zur U 17 Europameisterschaft .


Fuchs: wo wir den dritten Platz belegten. Danach kam der Wechsel zum burgenländischen SV Mattersburg der im gleichen Jahr erstklassig geworden war. Hier spielte ich unter anderem mit Carsten Jancker zusammen. 2005 stand ich zum ersten Mal in der Nationalmannschaft - gegen das Fürstentum Liechtenstein.



fragezeichen Dann kam der Wechsel nach Deutschland.
Was war der Grund für diese Entscheidung?


Fuchs: Ich wollte mich weiter verbessern. Die österreichische Bundesliga ist gut für den Aufbau eines Spielers. Wenn Du aber international erfolgreich sein willst brauchst Du andere Herausforderungen - wie sie zum Beispiel die deutsche 1. Bundesliga bietet.



fragezeichen War da der VfL Bochum
der richtige Verein?


Fuchs: Zunächst ja. Ich hatte einen Stammplatz und stand so immer im Blickfeld - was für einen jungen Nationalspieler sehr wichtig ist. Es hätte mir nichts gebracht wenn ich dem »Lockruf des Geldes« gefolgt wäre - um dann nur auf der Bank eines der ganz großen Vereine herumzusitzen.

Am Bruchweg


fragezeichen Und dann
stieg der VfL ab.


Fuchs: Leider. Glücklicherweise zeigten die Mainzer dann Interesse an mir.



fragezeichen Ihr
Wunschverein?


Fuchs: Lewis Holtby, mein Mitspieler in Bochum, war schon drei Wochen vorher nach Mainz gewechselt und hat Stadt, Team und Umfeld in den höchsten Tönen gelobt. Ich müsse einfach kommen. Hier sei eine lockere, positive Grundstimmung und in allen Situationen würde das Menschliche immer sehr ernst genommen.
Die Gespräche mit Herrn Heidel verliefen sehr positiv; wichtig war für mich auch, dass der Trainer mich unbedingt wollte.



fragezeichen Die Hinrunde verlief, nicht zuletzt Dank Ihnen, äußerst erfolgreich. Sie sind fester Bestandteil der Mannschaft und die Fans haben Sie ins Herz geschlossen. Wenn ich Sie jetzt fragen würde, ob Sie heimlich von einem internationalen Wettbewerb träumen - bekomme ich dann die Antwort, dass Ihr Blick immer nur auf das nächste Spiel gerichtet ist?


Fuchs: Natürlich musst Du Dich immer auf das nächste Spiel konzentrieren - was nützen schöne Phantasien von Europa- und Champions League wenn Du auf dem Platz nicht die notwendigen Punkte machst. Andererseits hab ich - wie jeder Spieler - Ziele im Hinterkopf. Und eines davon heißt natürlich auch Champions League.



fragezeichen Die Ausgangslage ist
in diesem Jahr gut wie nie.


Fuchs: Und realistische Ziele sind auch gut und wichtig - solange sie dich motivieren und nicht ablenken.



fragezeichen In diesem Jahr wird die neue COFACE-Arena eingeweiht. Eine Frage die Sie wohl schon zu oft gehört haben: Werden wir Christian Fuchs auch dort noch spielen sehen? Gibt es Tendenzen?


Fuchs: Ich habe es bestimmt schon zwanzig oder dreißig Mal ge­sagt: Es sind noch keinerlei Entscheidungen gefallen. Die Verhandlungen sind primär eine Angelegenheit der Vereine. Und Sie wissen ja: Im Fußball kann alles passieren.

Stars4Stars


fragezeichen Sie haben gemeinsam mit Ihrem Freund Robert Almer (Profi beim FK Austria Wien) Ende vergangenen Jahres die Initiative Stars4­Stars gegründet, mit der Sie Spitzensportler mit Behinderung unterstützen. Wie kamen Sie auf diese Idee?


Fuchs: Robert und ich haben uns schon lange Gedanken gemacht, wie wir uns auch außerhalb des Spielfelds engagieren können. Wir leben selbst in einer super Situation, sind privilegiert und haben uns schließlich für das Konzept Stars4Stars entschieden: Wir wollen Spitzensportler unterstützen, die sich trotz ihrer Behinderung nicht vom sportlichen Weg abbringen lassen. Es ist keine Hilfsaktion - vielmehr geht es um klare sportliche Ziele. Auch der Leistungsgedanke ist uns wichtig dabei. Neben der finanziellen Förderung, die auch Dank verschiedener Sponsoren möglich ist, werden wir auch gemeinsam mit ihnen auftreten um die mediale Aufmerksamkeit zu verstärken. Außerdem geben wir Tipps für ein effizientes Training und ermöglichen gegebenenfalls Spezialtrainings. Für alle, die sich über die Aktion näher informieren möchten, haben wir eine Webpage eingerichtet: www.stars4stars.com .



fragezeichen Herr Fuchs, Sie sind im Internet geradezu mustergültig vertreten. Sie haben eine sehr gut gestaltete, informative und tagesaktuelle Webpage und haben auch im sozialen Netzwerk Facebook einen Account. Hier erfährt man nicht nur, wie stark sie sich über eine Niederlage aufregen, sondern z.B. auch einmal, wenn Sie sich - wie gestern Abend - eine Portion Milchreis schmecken lassen.


Fuchs: Der war auch sehr lecker! - Ich bin der Meinung, dass diese Netz-Präsenz heute zu einem Fußballer dazu gehört. Es ist eine zeitgemäße Form mit den Fans zu kommunizieren und ihnen zu zeigen, was mich freut oder ärgert. Außerdem haben sie z.B. auch die Möglichkeit, über die Webpage kostenlos Autogramme zu bestellen oder Fotos von mir herunter zu laden.

fragezeichen Es sitzt also wirklich Christian Fuchs am PC
und geht in Facebook auf die Bemerkungen der Fans ein.


Fuchs: Ja sicher - das bin ich direkt - und keine Agentur.

Mainz und die Mainzer


fragezeichen Das ist natürlich schon schwierig. Aber ich freue mich natürlich auch, dass ich so beliebt bin. Meine Frau und ich haben uns in Mainz prima eingelebt. Wir gehen gerne in der Innenstadt bummeln, einkaufen - und einen Kaffee trinken. Es macht einfach Spaß, in Mainz zu sein. Sie haben einmal im Interview einer österreichischen Zeitung gesagt, dass in Mainz »das ganze Jahr über Schmäh« sei. Wie kann man das übersetzen?


Fuchs: Das war natürlich positiv gemeint. Schmäh steht für eine gewisse Wärme und Gemütlichkeit und für viel Humor. Das könnt Ihr fast so gut wie die Wiener.



fragezeichen Wien und Österreich sind bekannt für ihre gute Küche. Wie kommt der Österreicher Christian Fuchs mit Mainzer Spezialitäten wie z.B. Fleischwurst und Handkäs mit Musik zurecht?


Fuchs: Als Sportler müssen wir immer genau auf das achten was wir essen.



fragezeichen Haben Sie denn einmal eine
Portion Handkäs mit Musik gegessen?


Fuchs: Nein - noch nicht so richtig. In den Restaurants in denen wir essen steht das nie auf der Karte.



fragezeichen Dann sollten Sie das unbedingt einmal tun - es muss ja nicht gerade am Vorabend von einem Spiel sein. Da wir schon fast beim Thema sind: Was bekommen Sie als Spieler eigentlich so von der 5. Jahreszeit mit?


Fuchs: Nicht allzu viel - aber den Rosenmontagszug möchte ich mir unbedingt ansehen.



fragezeichen Und als was werden Sie sich verkleiden?


Fuchs: Da muss ich mich noch inspirieren lassen: Vielleicht als Fuchs?



Herr Fuchs, wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen Ihnen und der Mannschaft noch viele Punkte in einer verletzungsfreien Rückrunde.




(-mdl-)