Heft 245 Februar 2011
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Mainzer Weinsenat

Institut für Molekulare Biophysik

Lösen Eiweiße im Wein Allergien aus?


Prof. Heinz Decker
Prof. Heinz Decker

Dieser Frage geht aktuell das Institut für Molekulare Biophysik der Johannes Gutenberg-Universität nach und steht damit in harter internationaler Konkurrenz.

Dass Eiweiße im Wein enthalten sind, ist sehr lange bekannt und in den vergangenen Jahren konnte bei einigen Weinsorten auch aufgeklärt werden, um welche Eiweiße es sich handelt und wie sie in den Wein kommen.

Von großer politischer Bedeutung ist aktuell die Fragestellung, ob eiweißhaltige Schönungsmittel auf Ei- und Milchbasis, die in den Wein eingebracht werden, um eine Trübung zu verhindern, im Wein verbleiben und ob diese Allergien auslösen können. Sollte dies der Fall sein, so müssten diese laut einer EU-Kennzeichnungsrichtlinie auf der Weinflasche deklariert werden, so dass national und international viele Untersuchungen auf diesem Gebiet laufen.

In der Arbeitsgruppe von Frau Dr. Wigand und Herrn Prof. Heinz Decker am Institut für Molekulare Biophysik hingegen liegt der Schwerpunkt ergänzend hierzu auf den Eiweißen, die aus der Traube stammen und in sehr geringer Konzentration noch im fertigen Wein zu finden sind. Betrachtet man die Vielzahl der Traubeneiweiße übersteht nur ein geringer Teil den Prozess der Weinherstellung. Diese Eiweiße zeichnen sich durch eine sehr hohe Stabilität aus. Unter ihnen finden sich drei Eiweiße, die als Allergene in anderen Pflanzen bekannt sind.

yyy Nur ein Eiweiß aus der Traube ist bislang als Allergen international anerkannt (das Lipid-Transfer Protein). An der Johannes Gutenberg-Universität Mainz soll nun überprüft werden, ob die Eiweiße im Wein überhaupt Allergien auslösen können. Begleitend zu den Laboruntersuchungen führt die Arbeitsgruppe von Prof. Decker eine vom Ethikausschuss und Datenschutz genehmigte epidemiologische Studie durch, bei der 4.000 zufällig ausgewählte Mainzer BürgerInnen über einen Fragebogen angeschrieben wurden, um eine Aussage zu der Häufigkeit des Auftretens einer Weinallergie treffen zu können.

Ob es sich um echte Allergien handelt, soll in einer Folgestudie untersucht werden. Hier arbeitet die Universität mit der Hautklinik der Universitätsmedizin Mainz zusammen.

Dass die Johannes Gutenberg-Universität Mainz in der Weinforschung allgemein sehr aktiv ist, zeigt sich auch in einem kürzlich gegründeten Interdisziplinären Arbeitskreis »Wein und Rebe«, bei dem sich unter der Führung von Prof. Decker und Prof. König vom Institut für Mikrobiologie und Weinforschung Wissenschaftler verschiedenster Disziplinen zusammengeschlossen haben. So werden neben den Weininhaltsstoffen und der Weinbereitung auch gesundheitliche Aspekte, das Traubengenom sowie die Weinkultur untersucht.

Im Sommersemester findet auch regelmäßig eine Ringvorlesung im Rahmen des Studiums Generale statt, bei der die Wissenschaftler ihre Forschungsgebiete und neuesten Ergebnisse den interessierten Mainzern präsentieren. Aufgrund des großen Interesses erscheint in kürze auch das Fachbuch »Wein - Facetten eines Kulturgutes«.