Heft 244 Januar 2011
Werbung




Stadt der Wissenschaft

Im Rhythmus der Forschung

»Baustellenparty« zum Auftakt


yyy

Mit einem Paukenschlag will Mainz den Veranstaltungsreigen zum Jahr »Stadt der Wissenschaft 2011« beginnen. So nannte Oberbürgermeister Jens Beutel die »Baustellenparty« am Sonntag, 16. Januar. Viele Orte der Wissenschaft, sagte er, sind in Mainz zwar noch im Entstehen, aber es kann schon vieles gezeigt, entdeckt und erforscht werden. Mit einem kostenlosen Shuttlebus können sich die Partygänger von einer unfertigen Sehenswürdigkeit zur nächsten fahren lassen. Der Eintritt ist übrigens frei. Offiziell geht es um 11 Uhr im Neubau Chemie der Johannes-Gutenberg-Universität los. Im Mai soll das 32 Millionen teure Forschungs- und Lehrgebäude auf dem Campus fertig sein - und schon jetzt gibt es viel zu sehen. Die viergeschossige, dreibündige Anlage mit modernen Laboratorien, Büros, Lehrräumen und Lichthöfen soll, so offizielle Stellen der Universität, die »Kommunikation unter den Professoren und Studierenden« fördern.

Mit Kommunikation kennt man sich auch im Neubau der Fachhochschule Mainz aus - eine weitere Station der »Baustellenparty«. Dort sind schon im Mai 2010 Studenten eingezogen, einige Baustellen gibt es dennoch zu bewundern: Von der im Aufbau befindlichen Kindertagesstätte bis hin zu bloßen Projektbaustellen. Sabine Kirchner, Projektleiterin der Wissenschaftsstadt Mainz, erklärt das so: »Wir können die Menschen im Januar draußen nicht nur über echte Baustellen laufen lassen. Ein bisschen Indoor-Programm braucht es auch.« Genau das gleiche gilt für den Besuch in das, im letzten Jahr eingeweihte, Forschungsverfügungsgebäude der Universitätsmedizin. Auch hier werden sozusagen geistige Baustellen gezeigt.

Es bewegt sich viel

Baustelle am Zollhafen
Baustelle am Zollhafen

Ein Mittelding zwischen geistiger und tatsächlicher Baustelle ist das Naturhistorische Museum. 2010 wurde hier viel um- und angebaut - vom frisch sanierten Treppenhaus bis hin zum gläsernen »Schaufenster der Wissenschaft«. Doch auch im Inneren wurde und wird viel bewegt: Als Mitglied der Mainzer Wissenschaftsallianz will das Museum mit anderen Mitgliedern kooperieren und gemeinsam sollen Themenkomplexe wie die Dokumentation der Klimageschichte oder Biomineralisation angegangen werden. Was genau auf der Baustelle Naturhistorisches Museum alles passiert, kann man bei der »Baustellenparty« erfahren.

Handfestere Baustellenromantik findet man zum Beispiel in der Coface Arena. Erst kürzlich wurde das Richtfest gefeiert - und am 16. Januar kann ganz Mainz einen Blick in das neue Stadion werfen. Oder wie wäre es mit einem Besuch im neuen Archäologischen Zentrum, sprich dem ehemaligen Museum für Antike Schifffahrt. Auch wie die Bauarbeiten am Zollhafen vorangehen und welche Entwicklung das Mainzer Großprojekt nehmen soll, kann bei der »Baustellenparty« erforscht werden. Außerdem gibt es die Möglichkeit zu einem informativen Rundgang durch den Laubenheimer Steinbruch und dem dort geplanten Umweltbildungszentrum sowie dem geologischen Pfad. Bis 17 Uhr können die spektakulärsten und interessantesten »Bildungsbaustellen« der Stadt besucht werden und am Ende erwartet die Teilnehmer ein »leuchtender Abschluss« am Naturhistorischen Museum.

Aber natürlich ist es im Jahr zur »Stadt der Wissenschaft 2011« nicht mit einer einzigen Party getan. Insgesamt finden in den nächsten zwölf Monaten 320 Veranstaltungen zum Thema statt. Viele davon sind einmalig, aber manche davon auch echte Dauerbrenner. »Das Programm folgt der Idee, nicht nur ein paar große Events zu machen, sondern Nachhaltigkeit zu erzeugen«, erklärte der Präsident der Mainzer Universität, Professor Dr. Georg Krausch. »Deshalb sind auch der Wissenstransfer und die dafür notwendigen Strukturen so wichtig.« Dreh- und Angelpunkt dieses Strukturwandels ist die neugeschaffene Transferstelle. Für die nächsten drei Jahre sollen Wirtschaft, Wissenschaft, Vereine und Stadt hier einen direkten Ansprechpartner finden.

Baustelle Coface-Arena
Baustelle Coface-Arena

Aber auch bei den Bürgern der Stadt soll das Wissenschaftsjahr direkt und langfristig ankommen: Zum Beispiel durch das Ferienangebot »Denksport« für Schüler der Sekundarstufe I, das Sprachförderungsprojekt »sprint«, gemeinsames Singen und Musizieren bei »Chorpädagogik als Sozialarbeit«, ein Eltern-Kind-Kompetenz-Zentrum in der Mainzer Neustadt, die Internetbrunnen, die in der ganzen Stadt spendenfinanziertes WLAN anbieten sollen , die Experimentierkiste des NatLab Schülerlabors oder die Wanderausstellung »Mathematik be-greifen!«. Eine ganz neue Plattform zum direkten Austausch von Wirtschaft und Wissenschaft wird ab März das Transfercafé im Proviantmagazin. Wissenschaftler und Unternehmer sollen sich hier ganz ungezwungen kennenlernen, um dann zu sehen, wie beide Seiten miteinander kooperieren können. Inzwischen schon etablierte Standards wie die Kinder-Uni oder die Reihe »Universität im Rathaus« werden während des Wissenschaftsjahres natürlich weiterlaufen - sie sind fester Bestandteil des Konzepts. Dem großen Paukenschlag im Januar folgen also viele weitere. So, dass am Ende die ganze Stadt im Rhythmus der Forschung bebt.


Daniela Tratschitt

Infos: www.emz2.de