Heft 244 Januar 2011
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Schwulen- und Lesbenszene

Anregend und Sichtbar in Vereinen und Initiativen.

Vielfalt in Mainz akzeptieren


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Max Wegner

Vielen ist sie bekannt, manchen nicht, anderen wiederum ist sie egal. Wie auch immer die Meinungen und Einstellungen dazu sind: Die Szene der Homosexuellen gehört zu unserer Stadt, samt ihrer Lokalitäten, Zentren und Veranstaltungen. Sie machen zwar schätzungsweise nur fünf Prozent der Einwohner aus, aber schließlich sei es »eine Frage der Akzeptanz von Vielfalt, nicht eine Frage der Menge«, so Joachim Schulte, Sprecher von Queernet. Das Netzwerk, dessen Name die englische Bezeichnung für schräg ist, vereint schwul-lesbische Initiativen in Rheinland-Pfalz, vertritt deren Interessen und ist Ansprechpartner für die Politik.

Darüber hinaus geht es dem Zusammenschluss darum, Erfahrungen und Wissen der Gruppen zu sammeln, Aktivitäten unter den Mitgliedern bekannt zu machen und gemeinsame Veranstaltungen zu organisieren. Mit der »Bar jeder Sicht« läuft im Zuge dessen die Vortragsreihe Quergefragt, bei der Themen wie Versorgung im Alter, Kinder, Adoption und Aufklärung über Homosexualität in Schulen diskutiert werden. Die Bar, die sich in der Hinteren Bleiche befindet, ist zwar Kultur- und Kommunikationszentrum der homosexuellen Szene, jedoch genauso offen für Heterosexuelle. »Das ist Teil des Konzeptes«, wie Max Wegner, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, erklärt.

»Ziel der Betreiber ist es, den Dialog und die Begegnung zwischen allen Gruppen zu fördern.« Dazu würde ebenfalls das vielfältige Programm einladen, zu dem Lesungen, Ausstellungen, Jazz-Frühstücke und Filmvorführungen gehören. Außerdem treffen sich verschiedene Gruppen und Vereine zum Stammtisch. Von der Stadtverwaltung zum offiziellen Beratungsort benannt und gefördert, bietet die Bar außerdem mit ihren ehrenamtlichen professionellen Mitarbeitern Hilfe bei Erstanfragen von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und transidentischen Menschen an. Eine notwendige Einrichtung, laut Wegner, denn es zeige sich, dass der Bedarf da sei, es aber immer noch zu wenige Anlaufstellen in Mainz gebe.

»Ein 17-jähriger Realschüler kann sich nicht einfach so outen. Er sollte sich zunächst jemandem anvertrauen können. Die Gefahr, in der Schule gemobbt zu werden, ist groß. Oder ein Familienvater, der plötzlich feststellt, dass er eigentlich schwul ist, muss sich aus gesellschaftlichen Gründen an eine diskrete Person wenden können«, schildert er Fälle aus der Praxis.

Toleranz ist gut. Akzeptanz ist besser

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Gloria L'Orange ist Moderatorin der Prinzessinnenwahl beim Prinzessinenball

Eine weitere Anlaufstelle für Beratungen ist das Frauenzentrum in der Walpodenstraße, an das sich Frauen und Lesbenpaare kostenlos und vertraulich wenden können. Es organisiert Coming-Out-Gruppen, gibt Informationen, Broschüren und Adressen rund um das lesbische Leben an die Hand und organisiert Informationsveranstaltungen. Neben einer Lesbengruppe gibt es eine Jung-Lesben-Guppe für Frauen zwischen 15 und 25 Jahren und eine lesbische Mütter-Gruppe. Auch die MainTS - Selbsthilfegruppe für Transsexuelle, die sich zum Erfahrungsaustausch in der »Bar jeder Sicht« trifft, bietet Unterstützung für Ratsuchende. Ihr Angebot richtet sich an Menschen, die sich mit ihrem körperlichen Geschlecht nicht identifizieren können, an deren Angehörige sowie Partnerinnen und Partner.

Toleranz und Offenheit, Joachim Schulte, der schon seit 20 Jahren in der Stadt lebt, weiß, dass die Mainzerinnen und Mainzer die Homosexuellen-Szene längst anerkannt haben. Und dennoch wünscht er sich, dass deren Einstellung noch einen Schritt weiter gehen könnte: »Man lebt freundlich miteinander. Damit es aber zur Akzeptanz kommt, wäre es schön, wenn ein bisschen mehr von Seiten der Bürgerinnen und Bürger kommen würde.« Dafür böte sich beispielsweise der Besuch einer der vielen unterschiedlichen Szene-Partys, -Kneipen und -Veranstaltungen an. Hierzu gehören beispielsweise der Prinzessinnenball, der die schwul-lesbische Fastnachtssaison am 15. Januar im KUZ eröffnet, und die vom 28. bis 30. Januar ausgerichtete Homonale 2011, das schwul-lesbische Filmfest in der Caligari FilmBühne in Wiesbaden.

Weiter Lokalitäten und Events stellt DER MAINZER in seiner nächsten Ausgabe vor.


KH

Infos:
www.sichtbar-mainz.de
www.frauenzentrum-mainz.de
www.main-ts.de