Heft 244 Januar 2011
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Nachruf - Hans-Werner Diehl

Ein Credo von Hans-Werner Diehl:

»Bleiben Sie ­menschlich!«


Hans-Werner Diehl

Hans-Werner Diehl verstarb zwei Jahre nach seinem Ausscheiden als Vorstandsvorsitzender der Mainzer Volksbank plötzlich und unerwartet. Mainz verliert mit Hans-Werner Diehl eine große Persönlichkeit, die engagiert und integer in vielen Bereichen des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens wirkte. Verlässlichkeit, Ehrlichkeit, Entscheidungsfreude und Beharrungsvermögen waren seine grundlegenden persönlichen Eigenschaften. DER MAINZER nimmt Abschied von einem ganz großen Mainzer.

Viele kennen ihn als »Macher« der Mainzer Volksbank eG. In seiner Amtszeit wuchs die MVB zur drittgrößten Genossenschaftsbank in Deutschland heran. In einer Zeit wo viele auf Distanz gehen zur Bankenwelt, wo »unseriösen« Bankern die Mitschuld an der Finanzkrise vorgeworfen wird, war Hans-Werner Diehl ein seriöser Ruhepol in einer unruhigen Umgebung.

Was zeichnete Hans-Werner Diehl aus?

Hans-Werner Diehl war überzeugter Genossenschaftsbanker und als solcher widerstand er, wie viele seiner Genossenschaftskollegen, den gierigen Lockungen von windigen Geldanlagen. Die MVB fuhr einen geraden Kurs - dieser Kurs ist stetig und erfolgreich. Der sanfte Genossenschaftszwang zu Fusionen erweiterte zwar einerseits das MVB-Geschäftsvolumen, aber oft mussten deshalb auch schwere Lasten geschultert werden, die ihn viel Kraft kosteten.

Die MVB ist DIE Mittelstandsbank und Hans-Werner Diehl war ein glühender Verfechter des Mittelstands. Natürlich gibt es innerhalb der Genossenschaft strenge Vorschriften und Regeln. Zahlen und Bilanzen bestimmen die Geschäftsgrundlage. Aber spätestens, wenn es um Ermessensspielräume ging, war Hans-Werner Diehl ein Verfechter der persönlichen Beurteilung.

War er von der Person und ihrem Konzept überzeugt, dann kämpfte er für sie, überzeugte auch andere Banken und war ein unerschütterlicher Berater. Hans-Werner Diehl war impulsiv, er konnte sich ereifern und war nicht zimperlich. Er bemerkte jedoch, wenn er sich zu mächtig ins Zeug gelegt hatte und versöhnte sich direkt wieder. Hatte er »Ja« gesagt, dann stand diese Aussage wie ein Fels.

Es würde manche Unternehmen in Mainz gar nicht geben, wenn Hans-Werner Diehl nicht für sie gekämpft hätte. Viele Initiativen und Projekte unterstützte er ohne großes Aufhebens, öffentliches Aufsehen um seine Person war ihm zuwider.

Sehr oft verblüffte er seine Gesprächspartner durch blitzschnelle Analysen von Sachverhalten und lieferte direkt die Lösung und eine Alternative mit. Da kam manch einer nicht mit und musste verblüfft und nach längerem Durchdenken zur Kenntnis nehmen, dass die Diehl'sche Lösung nicht nur Hand und Fuß hatte sondern eigentlich auch auf der Hand lag.

Sein geradliniger Charakter, seine Aufrichtigkeit, sein großes Herz haben ihn zu einer großen und verlässlichen Persönlichkeit heranreifen lassen. Mainz hat einen großen Gönner und eine moralische Autorität verloren. Und wie gab er seinem MVB-Nachfolger Uwe Abel nach einem langen und komplexen Gespräch über ein schwieriges Projekt mit auf dem Weg: »Denken Sie daran, bleiben Sie menschlich!«


Werner Horn