Heft 244 Januar 2011
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Fastnacht

Designierter Kulturpreisträger der Deutschen Fastnacht:

»EIN MANN ALS PRINZESSIN«


Günter Schenk
Günter Schenk: »designierter Kulturpreisträger der Deutschen Fastnacht 2011«

Der MAINZER sprach mit Günter Schenk, dem designierten Kulturpreisträger der Deutschen Fastnacht.

Der Bund Deutscher Karneval kürte sie zum neuen »Kulturpreisträger der Deutschen Fastnacht«. Was ist das für eine Auszeichnung?

Schenk: Der Kulturpreis der deutschen Fastnacht wird nur alle drei Jahre an Persönlichkeiten verliehen, die sich um das größte deutsche Volksfest verdient gemacht haben. Zu verdanken habe ich ihn neben meinen Arbeiten zu fastnachtlichen Themen - von Fernsehfilmen über Bücher bis zu Schallplattenproduktionen mit Mainzer Fastnachtsliedern - auch Peter Krawietz, der mich in seiner Eigenschaft als Vize-Prä­sident des Bundes Deutscher Karneval als Preisträger vorgeschlagen hat.



Wann wird der Preis verliehen?

Schenk: Am 3.September im Rahmen einer großen Veranstaltung des Bundes Deutscher Karneval in Augsburg. Die Auszeichnung ist mit keinem Preisgeld dotiert. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Maskenschnitzer ebenso wie Museumsgründer, Fastnachtsforscher oder Karnevals-Philosophen wie Wolfgang Oelsner aus Köln, der als letzter Preisträger auch die Laudatio auf mich halten wird.



Die Nominierung für den Preis soll, wie man hört, einstimmig erfolgt sein. Ihre Thesen zur Entwicklung der Fastnacht allerdings sind oft umstritten.

Schenk: Gott sei Dank! Mein Verständnis von Traditionspflege ist eben eines, das nicht nur die Fastnacht an sich, sondern auch Entwicklungen im gesellschaftlichen Umfeld mit einbezieht. Auch die Mainzer Fastnacht lässt sich nicht unabhängig von politischen und modischen Strömungen betrachten. Der närrische Reigen am Bruchweg und die Verkleidungen beim Oktoberfest haben längst auch ihre Rückwirkungen auf die Fastnacht. Und historische Zeremonien wie die traditionelle Rekrutenvereidigung am Fastnachtssamstag sind nur verständlich, wenn man die gesellschaftlichen Realitäten des 19.Jahrhunderts kennt, als Mainz noch zum Großherzogtum Hessen-Darmstadt gehörte und österreichische und preußische Truppen hier stationiert waren.



Ein Blick in die Zukunft: Wohin geht die närrische Reise in der Mainzer Sitzungsfastnacht ?

Schenk: Sie wird geselliger und vielfältiger. Der Trend geht weg von den Großveranstaltungen hin zu kleinen Feiern, wie sie die Stammtischgesellschaften immer erfolgreicher organisieren. Die Allerscheenste sind da ja ein Musterbetrieb. Aber auch der MCV ist mit der neuen Funzelsitzung auf dem richtigen Weg, mehr Intimität und Identität zu zeigen. Das gleiche Prinzip verfolgt man übrigens auch mit der sogenannten Stehung in Gonsenheim, einer närrischen, von viel Musik und Comedy-Elementen geprägten Veranstaltung, mit der man gezielt ein jüngeres Publikum ansprechen will.



Wagen Sie auch einen Blick in die Zukunft der Straßenfastnacht?

Schenk: Auch da ist der Zustrom zu geselligeren Formen beachtlich. Für mich sind die Umzüge in den Vororten wie Finthen, Kostheim, Kastel oder Mombach, aber auch der Jugendmaskenzug, inzwischen von einem größeren Unterhaltungswert als der Rosenmontagszug, der ja einen Großteil seines Reizes verloren hat, seit man die Wagen schon einen Tag vorher auf der Ludwigstraße sehen kann. Auch die eine oder andere Nicht-Mainzer Gruppe im Zug trägt nicht unbedingt zur Vermehrung närrischer Lebensfreude bei. Vielleicht findet Mainz ja in den nächsten Jahren neue Formen der Straßenfastnacht, die sie attraktiver macht. Mit dem Jubiläumsjahr 2013 könnte man neue Akzente setzen.



Haben Sie Vorschläge?

Schenk: Für das Jubiläumsjahr wünsche ich mir ein Mainzer Prinzenpaar, das zeigt, dass an Fastnacht die Welt auf dem Kopf steht. Warum sollen wir 2013 nicht einmal einen Mann als Prinzessin und eine Frau als Prinz ins Rennen schicken? Ich kenne Mainzer Originale, die diese Rolle mit Bravour spielen könnten. Das wäre ein Zurück zu den Wurzeln der Fastnacht und sicher närrischer als die Kür zweier Figuren aus dem Mainzer Wirtschaftsleben. Auf alle Fälle ein Alleinstellungsmerkmal, um das ganz Deutschland die Mainzer beneiden wird.



Der verstorbene Zugmarschall Ady Schmelz hatte vor Jahren die Idee eines Fackelzuges. Was halten Sie davon?

Schenk: Ein Fackelzug ist heute zu wenig! Aber ich könnte mir einen Lichterkorso gut vorstellen. In Europas närrischen Hochburgen wie Nizza oder Viareggio sind die Umzugswagen längst auch nachttauglich. Und warum sollen wir in Mainz nicht auch Samstagabends einen Lichterkorso mit spektakulären Umzugswagen auf die Strecke schicken? Das wäre eine Herausforderung für Wagenbauer und Lichtdesigner und auf alle Fälle eine kulturell-künstlerische Bereicherung der Mainzer Fassenacht.

Zum Schluss noch eine Frage: Was sind Ihre nächsten närrischen Projekte?

Schenk: Im neuen Jahr werde ich mit der Arbeit an einem Mainzer Fastnachtslexikon anfangen. Es wird ein Nachschlagewerk für alle, die sich für die Geschichte und Hintergründe des Festes interessieren. Noch immer stelle ich fest, dass eine große Unwissenheit herrscht, wenn es um ganz einfache Fragen wie nach der Narrenzahl Elf oder der Entstehung des Narrhallamarsches geht.