Heft 244 Januar 2011
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Gesundheit

Antike Therapieformen wiederentdeckt

Aderlass als Therapie


DER MAINZER befragte den Heilpraktiker Joska Fiedermutz, der seit vielen Jahren den Aderlass bei verschiedenen Indikationen in seiner Praxis durchführt. Besonders bewährt hat sich bei ihm diese Therapie bei Hypertonie (Bluthochdruck) und Arteriosklerose (Verhärtung von Blutgefäßen -Verkalkung).

URSPRUNG UND GESCHICHTE

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Historische Darstellung von Hildegard von Bingen

Der Aderlass gilt als eine der ältesten Therapieformen überhaupt. Die meisten Naturvölker nutzten die Therapie. Auch die alte indische Medizin beschreibt zahlreiche Indikationen für den Aderlass. Theoretische Begründung fand er dann in den in dem humoral-pathologischen Denksystem (Lehre, dass die Gesundheit auf der richtigen Mischung der Körpersäfte beruhe) der »Säf­telehre« des griechi­schen Altertums.

Er gilt als eine Sonderform der so genannten ausleitenden Verfahren. Hippokrates (um 460 v.Chr.) empfahl ihn bei Ent­zün­dungen und Schmerzzuständen. Hildegard von Bingen (1098-1179) beschreibt ihn als Teil ihrer Lebens­kunst und empfiehlt einen Aderlass pro Jahr zur regelmäßigen Reinigung und Entgiftung des Gesamtstoffwechsels und zur Stimulation der körpereigenen Heilkräfte. Vom Mittelalter bis ins 19. Jahr­hundert hielt man dieses Verfahren für ein Allheilmittel gegen jedes Leiden. Inzwischen wird der Aderlass sehr gezielt vorgenommen.

WIRKUNGSWEISE

Der Aderlass zählt zu den Ausleitungsverfahren. Stoffe, von denen der Körper zu viel hat, werden nach außen geleitet, um ihn zu entlasten. Der Aderlass ist eine Blutentnahme zu therapeutischen Zwecken. Die vielfältige Wirkungen des Aderlasses erklären sich aus dem »leeren Raum«, der durch den Blutentzug geschaffen wird. Dieser wird durch ein Nachströmen von Gewebsflüssigkeit wieder aufgefüllt. Dadurch verändert sich die qualitative Zusammensetzung des Blutes. Die Fließeigenschaft des Blutes wird verbessert,ein blutbildender Reiz auf das Knochenmark ausgeübt und eine Vermehrung der Leykozyten (weiße Blutkörperchen) bis hin zu einer Ausleitung der im Gewebe zurückge- haltenen Stoffwechselendprodukte und Toxine (Gifte) erreicht und die Immunabwehr gestärkt.

Der Aderlass gehört zu den von der Schulmedizin anerkannten Ver­fahren und wird von Ärzten und Heil­praktikern durchgeführt. Dr. Ewald Töth hat die Wirkung des Aderlasses untersucht und das Blut vor und nach dem Aderlass mit verschiedenen Methoden verglichen. In allen Verfahren konnte er einen deutlichen Unterschied vor und nach dem Aderlass feststellen.

ANWENDUNGSGEBIETE

Hippokrates
Historische Darstellung von Hippokrates

Der Aderlass wird therapeutisch eingesetzt, wenn die Blutgefäße durch Ablagerungen an den Gefäßwänden zu eng geworden sind, um das Blut ungehindert transportieren zu können. Das ist zum Beispiel bei Arteriosklerose der Fall. Durch den Blutstau in den engen Gefäßen kann es zu gefährlichem Bluthochdruck, einem Schlaganfall, zu Thrombosen oder Embolien kommen.

Nach der Entnahme wird das Blut dünner, es gelangt leichter in die verengten Gefäße. So werden selbst die äußersten Körperteile vom kleinen Zeh bis zum Großhirn wieder besser durchblutet und mit Sauerstoff versorgt. Da sich der Blutdruck nach einem Aderlass senkt, vermindert sich die Gefahr, dass Gefäße unter dem Druck platzen. Als weitere Indikation für die Aderlasstherapie gelten erhöhte Hämoglobinwerte (roter Blutfarbstoff) und ein erhöhter Hämatokritwert (das Verhältnis von Blutzellen zu Blutflüssigkeit in Prozent).

Der Aderlass ist in der Regel einfach und problemlos durchführbar und im Gegensatz zu früheren Zeiten werden heute im allgemeinen Mengen von 120-180 ml je Sitzung ca. 1-2 mal pro Woche abgelassen. Die Aderlassmenge orientiert sich an Alter, Konstitution und dem Hämatokritwert des Patienten.