Heft 244 Januar 2011
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Denkmal

Denkmal

Wie der Phönix aus der Asche


Phönix Denkmal der Künstlerin Emy Roeder

Wie in der letzten MAINZER-Ausgabe zu lesen war, wurde die Mainzer Uni ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkrieges auf dem Gelände einer ehemaligen Flak-Kaserne als »Johannes Gutenberg-Universität« wieder eröffnet. Kurz darauf hielt dort Friedrich Gerke seine Antrittsvorlesung, der Direktor des neuen Instituts für Kunstgeschichte. Hatte das Institut anfangs gerade mal rund 50 Studierende, so wuchs es im Laufe der folgenden Jahre immer mehr.

Die Hochschule erwarb zahlreiche Sammlungen von Kunstwerken, Büchern, Dias und Fotos, andere wurden ihr von Kunstgesellschaften überlassen. Bald wurde klar, dass das Institut mehr Platz benötigt. Am 3. Mai 1960 war es dann endlich soweit. Das Institut für Kunstgeschichte bezog sein eigenes Gebäude an der Binger Straße. Auf dem Gelände hatte zuvor eine Kriegsruine gestanden. Dazu passend schuf die Künstlerin Emy Roeder für den Eingangsbereich des Neubaus das Bronzerelief eines Phönix. Darunter steht die Inschrift »sed de suo resurgit rogo«: »aber aus sich heraus entsteigt er der Asche«.

Der Phönix ist ein mythischer Vogel, der verbrennt, um jedes Mal aus seiner Asche heraus wieder neu zu entstehen. Die Redewendung »wie ein Phönix aus der Asche« bezeichnet noch heute etwas, das man schon verloren glaubte, das aber plötzlich wieder auftaucht und in neuem Glanz erstrahlt. Diese Darstellung lässt sich sowohl auf die Nachkriegsgeschichte der Mainzer Universität übertragen als auch auf das Leben der Phönix-Erschafferin Emy Roeder (1890-1971).

Die Würzburger Künstlerin war schon in den 20er Jahren eine bekannte Bildhauerin. 1933 ging sie mit ihrem Mann nach Italien. Für die Nazis gehörten ihre Werke zur »entarteten Kunst«, sie belegten sie mit einem Ausstellungsverbot. Als Roeders Mann nach Deutschland zurückkehrte, blieb sie deshalb in Italien. Dort schlug sie sich, häufig von finanzieller Not geplagt, mehr schlecht als recht durch. Erst 1950 kehrte Emy Roeder nach Deutschland zurück. Sie bekam einen Lehrauftrag in Mainz und lebte hier bis zu ihrem Tod als angesehene Bildhauerin. Und sie verewigte sich nicht nur mit dem Phönix am Mainzer Institut für Kunstgeschichte. Der zweite Stock des Instituts-Treppenhauses heißt heute noch »Emy-Roeder-Foyer«.


Ilona Hartmann