Heft 243 Dezember 2010
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Umsonstladen

Geld spielt keine Rolle


Christian Weckerle, Birgit Lerch, Lukas Godula
Die Gründer des Umsonstladens (v.l.): Christian Weckerle, Birgit Lerch, Lukas Godula

Auf den Regalen finden sich Gläser, Tassen und diverse andere Haushaltsgegenstände, Schallplatten und sogar Weihnachtskugeln, auf einem Tisch daneben stehen Computer und leere Aktenordner. Es riecht nach Kaffee und das gemütliche Sofa lädt zum Verweilen aus. Mit einem typischen Laden, wie der Name vermuten lässt, hat der 15 Quadratmeter große Raum nicht viel gemein. Soll er auch nicht, denn eigentlich sieht ihn Lukas Godula als eine Art »Soziale Plastik« la Joseph Beuys. Die Theorie zu dieser »Sozialen Skulptur«, wie sie auch genannt wird, besagt vereinfacht, dass jeder Mensch durch kreatives Handeln zum Wohle der Gemeinschaft beitragen und dadurch gestalterisch formend auf die Gesellschaft einwirken kann.

»Das wollen wir mit unserem Raum bezwecken, denn er befindet sich ständig in Wandlung, er ist eben eine begehbare Skulptur«, erklärt Godula, Mitbegründer des Umsonstladens, und erläutert das Konzept dahinter: »Viele Menschen haben Dinge, die sie nicht mehr brauchen, aber die zu schade sind, um sie wegzuwerfen. Diese liegen meist nutzlos herum. Hier können sie fast alles abgeben, was sauber ist und funktioniert, vom Küchengeschirr über technische Geräte bis hin zu Büroartikeln.« Man könne Sachen aber auch mitnehmen ohne etwas zu bringen oder nur auf der Couch sitzen und den »Raum und die Besucher auf sich wirken lassen«. Menschen unterschiedlicher sozialer Zugehörigkeit, Berufs- und Altergruppe nutzen den Umsonstladen, der als ein Ort gedacht ist, an dem Geld und Profit keine Rolle spielen, sondern Gedanken, Ideen und Waren ausgetauscht werden.

Für Godula die Realisierung seines Traums. Schon während seiner Kindheit stellte er sich die Frage, warum Leistung stets mit Geld honoriert werden muss. Die Gedanken über die Macht des Geldes und sein Einfluss auf alle Lebensbereiche beschäftigten den ehemaligen Philosophie-Studenten immer intensiver. Bei seiner Suche, der monetären Dominanz etwas entgegenzusetzen, stieß er im Internet auf die Idee des Umsonstladens. Der erste in Deutschland wurde 1999 in Hamburg eröffnete, Läden in Berlin, Leipzig und Trier folgten. Nach diesen Vorbildern stellte der Lebenskünstler, wie sich Godula selbst bezeichnet, mit seinen Freunden Birgit Lerch, Christian Weckerle und Peter Großgarten 2008 in einer Tanzschule zunächst als Test ein Regal mit verschiedenen Utensilien auf. Ein Jahr später zogen sie in den heutigen Raum, für den sie zwar keine Miete, jedoch Nebenkosten zahlen.

»In unserem Laden ist alles umsonst, daher ist er eine wirkliche Alternative, in einer Welt, in der alles einen Preis hat. Gerne würden wir uns vergrößern, um auch Jugendlichen im wahrsten Sinne des Wortes Raum für ihre gestalterischen Ideen und Phantasien zu geben. Vielleicht findet sich ein Philanthrop, der unsere Projekte unterstützt und uns eine Halle zur Verfügung stellt, die uns nichts kostet«, hofft Godula.


KH
Infos: Umsonstladen Mainz,
Rheinallee 79-81,
Öffnungszeiten: Di 18-20, Mi 11-15, Fr 17-19
,
www.umsonstladen-mainz.de (u.a. »Suche« und »Biete« in der Rubrik »Schwarzes Brett«)