Heft 243 Dezember 2010
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Armut und Energie

Knapp bei Kasse?

Energie sparen hilft


Tatiana Gritsovskaya
Tatiana Gritsovskaya erklärt beim Stromspar-Check u.a. fundiert das Preis-Leistungs-Verhältnis energiesparender Leuchtmittel, um nachhaltig Energie zu sparen. Deren Einsatz sieht sie auch unter ästhetischen Aspekten.

Die Idee ist naheliegend: Menschen, die wenig Geld haben zu erklären, wie sie Energie einsparen können. »Die meisten Kunden sind so dankbar, wenn sie merken, wie einfach es ist, Energie und damit Geld zu sparen«, sagt Tatiana Gritsovskaya. Die gebürtige Russin ist im Rahmen der bundesweiten Stromspar-Check-Aktion in Mainz unterwegs. Sie trägt mit ihrer Arbeit dazu bei, den Energieverbrauch zu senken, das Haushaltseinkommen bedürftiger Menschen zu erhöhen und erschließt sich selbst, als Langzeitarbeitslose ein Arbeitsfeld.

Viele ihrer Kunden akquiriert Tatiana Gritsovskaya selbst. Sie schaut bei der »Tafel« vorbei, geht zu SpaZ und zu Institutionen, die Deutschkurse anbieten. Überall, wo Menschen zusammenkommen, die bedürftig sind, kommt sie mit denen ins Gespräch, die ihren Kindern zum Beispiel einen Fußball kaufen können, wenn sie Strom sparen. Die aber oft nicht an die Infokanäle rankommen, in denen Energiesparen in allen Facetten begründet und erklärt wird.

Ist der Kontakt hergestellt, vereinbart Tatiana Gritsovskaya einen Termin zum Hausbesuch und checkt, gemeinsam mit einem Kollegen, alle Energiequellen in der Wohnung: Kühlschrank, Waschmaschine, Herd, sämtliche Leuchten, Wasserkocher. . Anhand von Rechenbeispielen erklärt Gritsovskaya, was es in Euro und Cent pro Jahr bringt, einen alten, Stromfressenden Kühlschrank gegen einen neuen zu ersetzen.

Oder warum für eine Tasse Tee der Wasserkocher nicht bis zum Rand gefüllt werden muss. Oder dass ein langes Waschprogramm bei niedrigerer Wassertemperatur Geld spart und die Wäsche trotzdem sauber wird. Im Werkzeugkoffer hat Tatiana Gritsovskaya die Prüf- und Messgeräte dabei, mit Schraubenziehern hantieren kann die diplomierte Bauingenieurin sowieso und die vielen Details, die sparen helfen, hat sie in einer speziellen Schulung gelernt.


Logo Strom Spar Check

»Ich bemühe mich immer, Interesse zu wecken, alle Familienmitglieder in die Erklärungen einzubinden«, sagt Gritsovskaya. Vorträge zu halten, zu Monologisieren, mache wenig Sinn. Im Dialog mit den Menschen kann sie die Einsparmöglichkeiten anhand der jeweiligen Verhaltensweisen erklären. Das überzeugt. Beim zweiten Besuch bringt Gritsovskaya den individuellen Sparplan mit: Detailliert ist darin ausgerechnet, was neue Geräte und veränderte Verhaltensweisen an Geld bringen.

Der Sparplan listet bei jeder Einsparmöglichkeit auch auf, wie viel CO2 eingespart werden kann: »Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass Energiesparen gut für die Umwelt ist.« Diverse Artikel, die sofort den Energieverbrauch reduzieren, wie Energiesparlampen, Wasserperlator und Steckdosenleisten im Wert von bis zu 70 Euro pro Haushalt kann Gritsovskaya an ihre Kunden verschenken. Das gehört zu dem kostenlosen Beratungsprogramm dazu.

Strommessgerät, Thermometer, Durchflussmessgerät, Schraubenzieher
Strommessgerät, Thermometer, Durchflussmessgerät, Schraubenzieher. Handwerkszeug der Mainzer Stromspar-Helfer.

Fragen zu den Abrechnungen sind manchmal auch Thema in diesem Beratungen: Nur wer weiß, wie sich der Strompreis zusammen - setzt, worauf bei einem Anbieterwechsel zu achten ist, kann wirklich und dauerhaft sparen. »Wenn ich merke, dass die Kunden meinen Ausführungen in Deutsch nicht richtig folgen können, erkläre ich es eben in Russisch.« Ein Vorteil der Zweisprachigkeit der gebürtigen Russin. Die 55-Jährige lebt seit elf Jahren in Mainz, wurde nach Jahren der Erwerbsarbeit langzeitarbeitslos.

Sind die Kunden damit einverstanden, werden sie ein Jahr nach dem Stromspar-Check telefonisch gefragt, wie viel sie tatsächlich eingespart haben. »Ich hätte nicht gedacht, dass diese Arbeit so interessant und so sinnvoll ist«, bilanziert Tatiana Gritsovskaya nach fünf Monaten als Stromsparhelferin.

Vermittelt wurde ihr dieser Job von der Mainzer ARGE für Arbeismarktintegration - die zweite Säule des bundesweiten Programms beinhaltet den Einsatz von Langzeitarbeitslosen. Zeitlich befristet erhalten sie die Chance, einen Weg zurück in ein Dauerarbeitsverhältnis zu finden. 1,70 Euro pro Stunde erhält Tatiana Gritsovskaya für diese Beratungsarbeit, die Fahrtkosten zu den Kunden muss sie aus dieser »Entlohnung« selbst finanzieren.


SoS