Heft 243 Dezember 2010
Werbung




Lichterzeit

In Erinnerung an die zweite Tempeleinweihung in Jerusalem

Chanukka, das jüdische Lichterfest


Die neue Mainzer Synagoge
In der Pogromnacht 1938 wurde die Mainzer Synagoge vollständig zerstört. Am dritten September diesen Jahres wurde die neu errichtete Synagoge feierlich eingeweiht. Am 8. Dezember findet auf dem Synagogenvorplatz ein Chanukka-Markt statt: Zum über zweitausend Jahre alten Fest zu Ehren der zweiten Tempeleinweihung locken Kreppel, Latkes und Glühwein.

Die Straßen sind mit Lichterketten geschmückt, am Adventskranz brennen die Kerzen, in vielen Fenstern hängen Lichterketten und das Weihnachtskarussell wirft von Kerzen erzeugte Schatten an die Decke. Es riecht nach Orangen und Kerzenwachs und irgendwie ist allen klar: Weihnachtszeit ist Lichterzeit. Doch nicht nur im Christentum spielen im Dezember Lichter eine wichtige Rolle, auch im Judentum gibt es ein sogenanntes Lichterfest.

Acht Tage dauert das Chanukka-Fest und beginnt in der Regel Anfang oder Mitte Dezember. In diesem Jahr fällt das Chanukka-Fest in die Zeit vom zweiten bis neunten Dezember. Doch was wird bei diesem Fest eigentlich gefeiert? Übersetzt bedeutet Chanukka so viel wie Einweihung und weist somit auf den historischen Ursprung des jüdischen Lichterfestes hin. Eingeweiht wurde damals der Tempel in Jerusalem. Genauer gesagt: Er wurde zum zweiten Mal eingeweiht.

Damals, das war im Jahr 164 vor Christus, als die Zeichen auf Hellenisierung standen und die unter Alexander dem Großen und seinen Nachfolgern geduldete Religionsfreiheit der Vergangenheit angehörte. Seleukiden König Antiochus IV. Epiphanes brauchte einen gemeinsamen Nenner, um sein aus vielen Kleinstaaten bestehendes Reich zumindest auf einer Ebene zusammen zu halten und erklärte kurzerhand den hellenistischen Glauben zur verbindlichen Religion. Für die Juden bedeutete das neben dem Verbot, ihren Glauben auszuüben, auch eine Entweihung ihrer Tempel: Denn diese wurden einfach in hellenistische Kultstätten umgewandelt. So auch der Tempel in Jerusalem, der künftig dem Zeus dienen sollte.

Doch im Jahr 164 vor Christus wagten die Juden den Aufstand und konnten ihren Tempel zurückerobern und neu einweihen. Eigentlich schon Anlass genug zum Feiern findet sich im Talmud, ein weiterer Grund sich Jahr für Jahr an das Ereignis der zweiten Tempeleinweihung zu erinnern.

Kaum war der Tempel zurückerobert, stand die Gemeinde nämlich vor einem neuen Problem: Es gab nur noch einen kleinen Krug geweihtes Öl, bei weitem nicht genug um den siebenarmigen Leuchter, die Menora, zu entzünden und längere Zeit in Gang zu halten. Doch wie durch ein Wunder brannte die Menora volle acht Tage, bis neues Öl geliefert werden konnte.

Bräuche und Traditionen

Chanukkia
Die Chanukkia besitzt acht oder neun Arme oder Lichterhalter, wobei die neunte Halterung für die Kerze in der Mitte als »Diener« bezeichnet wird. Mit dieser (nicht zählenden) Kerze werden die anderen Kerzen angezündet, nachdem die notwendigen Segen gesagt wurden. (Foto: Chanukkia in der Alten Synagoge der Jüdischen Gemeinde in Mainz)

Volle acht Tage dauert daher auch das moderne Chanukka-Fest. Jeden Abend wird dabei eine Kerze an der Chanukkia, dem achtarmigen Leuchter angezündet, so dass am letzten Tag alle acht Kerzen brennen. Begleitet wird das Ritual von Gebeten und Liedern, die Kerzenständer finden meist auf der Fensterbank ihren Platz. Anschließend wird gegessen und gespielt und die Kinder erhalten kleinere Geschenke. In Anlehnung an die Wunder-Legende, strotzt die traditionelle Speisenkarte nur so vor in Öl gebackenen Gerichten.

So gehören neben den sogenannten Latfes, einer Art Kartoffelpuffer, auch Kreppel zum Chanukka-Menü. Zwar wird die Chanukkia in den Synagogen ebenfalls angezündet, das jüdische Lichterfest an sich ist aber eher ein häusliches Fest, das in der Regel in den Familien gefeiert wird. Der Popularität des Festes tut dies jedoch keinen Abbruch; im Gegenteil: Auch wenn das Chanukka-Fest nicht zu den großen Feiertagen im jüdischen Festtagskalender zählt, dürfte es doch zu einem der beliebtesten Feste zählen.

Grund dafür mag die gesellige Spieltradition sein, die traditionell für die Abendgestaltung während des Lichterfestes sorgt. Am bekanntesten dürfte in dieser Hinsicht vielleicht das Kreiselspiel sein, bei dem in der Regel um Süßigkeiten oder Haselnüsse gespielt wird. Am Rand des Kreisels sind verschiedene Buchstaben notiert: Je nach dem bei welchem dieser Buchstaben der Kreisel zum Stehen kommt verdoppelt oder verliert man seinen Einsatz.

Auch in der jüdischen Gemeinde in Mainz wird das Chanukka-Fest gefeiert. Zum Anzünden der Chanukkia und zum fröhlichen Mitfeieren mit Latkes, Kreppel und koscherem Glühwein lädt die Jüdische Gemeinde am 8. Dezember ab 18 Uhr auf den Synagogenvorplatz zum Chanukka-Markt


Katrin Henrich