Heft 243 Dezember 2010
Werbung




Mainzer Firmen

125 Jahre Juwelier Weiland - Haus der Goldschmiedekunst (Teil 1)

»Der Schlüssel zum Erfolg ist die Liebe«


yyy
Haus der Goldschmiedekunst

yyy
Richard Weiland II

yyy
Tragaltar St. Stephan

yyy
Die Heilige Schrift
yyy
Martha Weiland, geb. Seyfried
yyy
Richard Weiland I

yyy
Reliquienschrein der Mainzer Heiligen

yyy
Deutsche Kaiserkrone

yyy
Krönungsschmuck der Kaiserin Gisela

Vor 125 Jahren gründeten der Goldschmiedemeister Jean Weiland und seine Frau Anna geb. Krause in der Mainzer Klarastraße ein Juweliergeschäft. Selbst in ihren kühns­ten Träumen werden sie wohl nie damit gerechnet haben, dass sie damit die Basis für ein Familienunternehmen gelegt hatten, das die Präsentation von Bistum und Stadt in der Folgezeit vielschichtig mitprägen sollte.

Objekte seines Großvaters besitzt Richard Weiland II, Nachfolger und ebenfalls Goldschmiedemeister in 3. Generation, nicht mehr: Bei den Luftangriffen auf Mainz wurde das Haus in der Großen Bleiche Nr. 44 mit dem gesamten Besitz völlig zerstört. Hierhin war die Familie nach dem Ersten Weltkrieg umgezogen. Gleichzeitig hat­ten Jeans Sohn Richard I und dessen Ehefrau Martha Geschäft und Werkstatt übernommen.



Krönungsschmuck und Sakrale Kunst

In der Mitte der dreißiger Jahre begann Richard Weiland I mit der Arbeit an einem Projekt, das ihn weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt machen sollte: Der Kopie eines historischen Fundes, den Mainzer Kanalarbeiter 1880 im Keller eines mittelalterlichen Hauses machten und der lange als »Krönungsschmuck der Kaiserin Gisela« bezeichnet wurde.


Die Arbeit wurde später von seinem Sohn beendet. Zwei Ketten davon befinden sich heute als Leihgabe im Landesmuseum. Etwa zur gleichen Zeit begann er im Auftrag einer gräflichen Familie mit der Ausschmückung einer Kapelle im Oberhessischen. Aus dieser Zeit sind u.a. »Die Heilige Schrift« (1935) und »Die vierzehn Stationen des Herrn« (1938) erhalten.



Wiederaufbau nach dem Krieg

Die erste Schaffensperiode von Richard Weiland I wurde durch den 2. Weltkrieg unterbrochen, das Gebäude war völlig zerstört. In der Augustinerstraße 9 fand man von 1945 bis 1950 ein angemessenes Provisorium im Hause »Zucker-Jakob«, bis man vor 60 Jahren in einen Eckbau am Neubrunnenplatz umziehen konnte der heute als »Haus der Goldschmiedekunst« in Mainz bekannt ist.


Durch die Ereignisse des Krieges geprägt und aus Dankbarkeit für das Überleben der Familie - 1935 wurde Sohn Richard II geboren - konzentrierte er sich seit der Phase des Wideraufbaus verstärkt auf sakrale Kunst. Das Bistum war von seinen handwerklichen Fähigkeiten und der künstlerischen Ausdruckskraft sehr angetan, so dass in der Folgezeit eine enge und bis heute andauernde Zusammenarbeit begann.


Nach ersten Arbeiten für die bei Luftangriffen stark zerstörte Quintinskirche stellte er anschließend die Tabernakeltür und das silberne Lamm, für die Stephanskir­che den gesamten Kirschenschatz her - darunter das Altarkreuz. Aus seiner Hand stammen auch die beiden zur Wiedereinweihung 1959 geschaffenen kupferbeschlagenen Türen für das Nordportal.


Als einer der Höhepunkte seines Schaffens gilt der »Goldene Schrein der 22 Heiligen« an dem er 1960-1962 arbeitete und der heute in der Bardo-Krypta des Domes steht. Er beinhaltet Reliquien der frommen Frauen und Männer die ein besonderes Verhältnis zur Stadt hatten.



In den Fußstapfen des Vaters: Richard Weiland II

Richard Weiland II, der 1935 geborene Sohn von Richard Weiland I und seiner Frau Martha trat beruflich in die Fußstapfen seiner Vorfahren. Zwan­zigjährig legte er seine Gesellenprüfung ab. Mit dem zu diesem Zweck entworfenen Schmuck­stück wurde er Bundessieger des Prüfungsjahrgangs 1955. Der junge Goldschmied hatte ein Collier in Granulationstechnik erstellt - eine Kunst, die bereits in etruskischer Zeit ihre Blüte hatte. Fünf Jahre später folgte die Meisterprüfung.


Hatten sich seine Vorfahren auf die Vervollkommnung handwerklicher Techniken und deren Umsetzung in der sakralen Kunst konzentriert, wollte Richard Weiland II eigenen Wege gehen. Durch Reduktion auf klassische Formen und Bearbeitungsmethoden, neue Kombinationen verschiedener Elemente und im letzten Schritt auch durch eine »Individualisierung« jedes einzelnen Schmuckstückes gelang es ihm, seinen ganz eigenen Schmuckstil mit der Kollektion »Aurum 2000« zu kreieren.


Richard Weiland jun. schloss auch direkt an die Arbeiten seines Vaters an. Er vollendete die Kopie des Gisela-Schatzes und schuf 1974/75 nach intensiven Analysen und Studien in ca. 4.200 Arbeitsstunden eine Kopie der Deutschen Kaiserkrone, die um das Jahr 1000 für Otto I. geschaffen wurde. Das Original befindet sich heute in der Wiener Schatzkammer.



Meisterstücke für den profanen Bereich

Auch im profanen Bereich prägten und prägen ebenfalls noch kunsthandwerkliche Meisterstücke aus dem Hause Weiland die Stadt Mainz - sei es in Form der Gestaltung des Deckels in Bergkris­tall und Silber des Goldenen Buches der Stadt. So schuf er in letzter Zeit als Mäzen das »Mainzer Rad«, den Filmpreis des FilMZ Festivals in Mainz und die Auszeichnungen des Mainzer Rudervereins für seine aktuellen Weltmeister.

Als echte Mainzer waren die Weilands auch immer mit der Fastnacht eng verbunden. Richard Weiland II saß 55 Jahre im Komitee des MCC und war 44 Jahre dessen Zeremonienmeister. In dieser Zeit schufen beide Weilands 56 Orden für den Club. Bereits aus der Hand seines Vaters stammen Zepter des Sitzungspräsidenten des MCC und der Spiegel des Till, den dieser bei jedem seiner Auftritte mit sich führt.


(-mdl-)