Heft 242 November 2010
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Strasse

Die Meenzer Umbach:

Ein Spielplatz für Sprachforscher


Umbach

Sie ist mit ziemlicher Sicherheit eine der kürzesten Straßen in Mainz: grob geschätzte 20 Meter lang ist die »Umbach«, das letzte Stück der Großen Langgasse, bevor diese auf die Große Bleiche stößt. Vermutlich wissen viele zugezogene Mainzer nicht einmal, dass es dieses Stückchen Straße mit dem eigentümlichen Namen überhaupt gibt. Wohlgemerkt »die Umbach« - auf echt meenzerisch eben feminin.

Volkstümlich wird der Name häufig als eine mundartliche Form von »Am Bach« gedeutet. Dagegen aber spricht nach Ansicht von Sprachforschern eben genau der Hang der Mainzer, den Bach als weiblich anzusehen. Dann hätte es nämlich konsequenterweise »An der Bach« und nicht »Am Bach« heißen müssen. Tatsächlich hieß der kleine Bachlauf, der früher in dieser Gegend verlief, mit Eigennamen "Ambach" und war Teil des Mainzer Zaybachs. Der Zaybach teilte sich innerhalb der Mainzer Stadtmauern in zwei Arme. Der Ambach war der südliche dieser Arme. Er umfloss das Weberviertel und mündete schließlich in Höhe des Kurfürstlichen Schlosses in den Rhein. Sein Wasser wurde von den Webern rege genutzt: zum Waschen und Walken ihres Tuchs. 1656 wurde der Bach kanalisiert.

Wie nun aus dem Ambach die Umbach wurde? Das ist wiederum eine typische Mainzer Sprachentwicklung und zwar über viele, viele Jahrhunderte. Woher der erste Wortteil »Am« genau stammt, darüber gibt es bis heute verschiedene Auffassungen. Denkbar wäre, dass er auf das gallische »ana« für »Sumpf« zurückgeht. Aber auch das keltische »ambhi« für »drumherum« würde wegen des Bachverlaufs passen. Irgendwann jedenfalls verstand keiner mehr so genau die Urbedeutung und das zweite Wort »Bach« wurde angehängt.

Bis zum 17. Jahrhundert ist in alten Schriften immer von der »Ambach« die Rede. Dann setzte sich die Form »Ombach« durch und daraus wurde schließlich, noch ein paar Jahrzehnte später, die heutige »Umbach«. Auch wenn heute also bei weitem nicht mehr alle von der Existenz des Baches wissen und noch nicht mal die nach ihm benannte Straße richtig wahrnehmen: Für Sprachwissenschaftler ist ihr Name ein wahres Fest!


Ilona Hartmann