Heft 242 November 2010
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Stadtteile

Gonsenheimer Wald erhält neue Wegweiser und Trimm-Geräte

Läufer kommen auf den rechten Pfad


Stefan Dorschel, Michael Blum und
Sabine Flegel (v.l.)
Gemeinsam weisen sie den Weg: Stefan Dorschel, Michael Blum und Sabine Flegel (v.l.) mit neuen Richtungspfeilen.

Das Joggen im Gonsenheimer Wald ist eigentlich eine prima Sache - wenn man sich auskennt. Weicher Sandboden, kaum Steigungen, verschiedene Routen. Aber, hier fängt auch schon das Problem an: Wer erstmals oder nur selten an der Vierzehn-Nothelfer-Kapelle seine Schuhe schnürt, in den Wald hineinläuft und eine der vermeintlich ausgeschilderten Strecken absolvieren will, ist mit seiner Orientierung schnell am Ende. 5-, 10- und 15-Kilometer-Route sind schlecht ausgeschildert: Richtungspfeile sind auf Bäume gemalt, aber oft schwer zu sehen, mancher Baum steht nicht einmal mehr. Die Pfeile für verschiedene Strecken sind nicht in unterschiedlichen Farben ausgewiesen, Kilometerstände sind Mangelware.

»Sogar Ortskundige gehen im Wald verloren«, berichtet die Gonsenheimer Ortsvorsteherin Sabine Flegel (CDU) von verirrten Joggern und Walkern. Das sei natürlich nicht das Richtige in Sachen Naherholung und Sicherheit für die gut 900.000 Besucher, die jährlich in den Wald kommen. Aber eine ordentliche Beschilderung ist teuer, »und weder Mainz noch Budenheim haben das Geld, um dafür etwas locker zu machen«, weiß die Lokalpolitikerin. 70 Prozent des Waldgebietes gehören zur Gemeinde Budenheim, die das Areal zusammen mit der Stadt Mainz im »Zweckverband Lennebergwald« bewirtschaftet. Also hat die Ortsvorsteherin sich auf die Suche nach privaten Geldgebern gemacht und ist auch fündig geworden.

Nicht zweckdienlich

Mit der Allgemeinen Ortskrankenkasse und dem Mainzer Kurierdienst »GO! General Overnight Express und Logistics« hat Flegel zwei Sponsoren gefunden, die für eine anständige Beschilderung der Laufstrecken sorgen wollen. Rund 100 Pfosten wollen die Unternehmen setzen, die mit Metallschildern in den Farben gelb, rot und grün Strecken über künftig 6, 10 und 15 Kilometer ausweisen. GO-Geschäftsführer Michael Blum, selbst begeisterter Läufer, berichtet, dass sein Unternehmen schon früher mit der AOK Laufveranstaltungen im Gonsenheimer Wald organisiert habe. »Gesundheit und Express«, das passe einfach zusammen, begründet Blum das gemeinsame Sponsoring.

Auch Revierförster Stefan Dorschel ist mit von der Partie. Die bisherigen Markierungen an den Bäumen seien zwar »unauffällig und Naturbelassen, aber nicht zweckdienlich«, räumt er ein. Der Lennebergwald - als Förster des Zweckverbands muss er natürlich den offiziellen Titel verwenden - biete eine Fülle von Erholungsfunktionen: für Spaziergänger, Jogger, Nordic Walker, Radfahrer, Mountainbiker und Reiter. Da könnten verschiedene Wege alles entzerren helfen. Schließlich gelte es auch noch den Naturschutz zu berücksichtigen, und mit einer ordentlichen Wegführung könne man die Besucher um sensible Gebiete herumlenken. 150 Kilometer Wege und Pfade auf 700 Hektar Waldgebiet seien ohnehin eine hohe Belastung für das Ökosystem.

Auch der Förster ist schon öfter verirrten Läufern begegnet, »die ziemlich ausgepumpt sind und die Nothelfer-Kapelle suchen«, dem Ausgangspunkt der meisten Sportler. Deshalb habe man bereits mehrere Schilder im Wald aufgestellt, die auf das Kirchlein hinweisen, sofern die Richtungspfeile mal wieder versagt haben. Das soll mit den neuen Schildern alles besser werden. Laut Dorschel sollen sie auf Pfähle aus eigenen Bäumen geschraubt werden. Seine Mitarbeiter würden bereits robustes Holz aus Eichen und Robinien des Lennebergwaldes schneiden. Anfang nächsten Jahres sollen die ersten Pfosten gesetzt werden, am ersten Aprilwochenende ist dann ein großes Einweihungsfest geplant.

Genug »getrimmt«

Baum mit Pfeil drauf
Hätten Sie's erkannt? Die weiße Markierung am Baumstamm ist der Wegweiser für Jogger.

Bis dahin sollen aber nicht nur die neuen Pfeile den rechten Weg weisen, sondern auch neue Fitnessgeräte im Wald stehen. Die alten Stationen zur Körperertüchtigung seien überwiegend morsch gewesen und auch nicht mehr zeitgemäß, sagt Dorschel. Der alte Trimm-dich-Parcours mit mehreren Stationen stammt aus den 70er Jahren, als Jogging noch Dauerlauf hieß. Es habe sich aber inzwischen herausgestellt, dass die Läufer erstmal laufen und nicht ständig anhalten wollten, sagt der Förster. Deshalb sollen die Geräte künftig an einer Stelle im Wald zusammengefasst werden. Dort sind bereits die Reckstangen und die Balken mit den Ringen wieder aufgebaut worden, die einzig noch brauchbaren Geräte des alten Trimm-Pfades.

Drei bis vier Stationen seien geplant, berichtet GO-Geschäftsführer Blum. Einfach zu bedienen und robust - aus Metall, gestiftet vom Draiser Metallbauunternehmen Landua. Ein Fitnesstrainer berate das Projekt und wolle künftig einmal im Monat auch Übungen an den Geräten vorführen, so Blum.

Und um das Lauferlebnis rund zu machen, soll am Parkplatz an der Kapelle auch noch ein neuer Schaukasten mit dem Streckenplan aufgestellt werden. Die nicht nur nach Ansicht von Förster Dorschel »etwas peinliche« jetzige Tafel hat dann ausgedient. Ohne das Engagement der Unternehmen lasse sich ein solches Projekt nicht umsetzen, weiß Ortsvorsteherin Flegel und träumt schon vom Gonsenheimer Wald als »Sportpark«.


Christoph Barkewitz