Heft 242 November 2010
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Hochschulen

Nicht nur auf dem Campus:

Bereicherung durch Vielfalt


Fremde werden Freunde

»Fremde werden Freunde« - und zwar nicht nur auf dem Campus, sondern auch in der Stadt. Das neue Pilotprojekt des Studierendenwerks Mainz versteht Austausch ganzheitlich und sucht für Studierende aus aller Welt in der ganzen Stadt nach Gastfreunden, unabhängig von Alter oder Berufsstand. Erklärtes Ziel: Den internationalen Studis von Fachhochschule und Universität das Mainzer Leben näher zu bringen, fern­ab von Campus und Hochschulalltag. Denn, so Stefan Reimann vom Service International Students Büro (SIS) des Mainzer Studierendenwerks: »Es gibt zwar schon ähnliche Projekte, in denen sich Studierende um internationale Kommilitonen kümmern, dabei fehlt aber oft der Kontakt zur Stadt.« Dieser soll mit Hilfe des neuen Projekts nun hergestellt werden: Frei nach dem Motto: »Weg vom Campus - rein in die Stadt« wird Mainzer Bürgern und internationalen Studierenden eine Austauschplattform geboten, die sie ganz individuell gestalten können. Konkret sieht das so aus, dass jedem Gastfreund ein Student zugeordnet wird; Hobbys und Interessen sollten dabei weitestgehend zusammen passen. Wie oft und wo sich die Gastfreunde mit ihren Paten treffen, kann dann jeder Teilnehmer nach seinen Wünschen gestalten. Will heißen: »Es besteht absolut kein Zwang sich ständig zu treffen. Das hängt ganz davon ab, wie viel Zeit man selbst in das Projekt investieren möchte«, stellt Reimann fest. Neben den individuellen Patenkontakten sollen aber auch gemeinsame Aktivitäten für alle Beteiligten angeboten werden: »Wir haben zum Beispiel einmal im Monat einen Stammtisch, zu dem alle Projektteilnehmer herzlich eingeladen sind«, meint Reimann und ergänzt: »Dazu kommen dann noch verschiedene Veranstaltungen: Jetzt in der kalten Jahreszeit und mit der beginnenden Vorweihnachtszeit werden wir sicherlich etwas weihnachtliches unternehmen. Das wird bestimmt sehr spannend und ich freue mich schon darauf, etwas über unterschiedliche Bräuche in anderen Ländern zu erfahren.«

Großes Interesse bei den Mainzern

Logo

An Zuspruch seitens der Mainzer mangelt es dem vom Deutschen Akademischen Auslandsdienst (DAAD) finanzierten Projekt nicht: »Die Resonanz in der Bevölkerung ist wirklich groß«, freut sich Reimann. Über 60 Gastfreunde haben sich bereits angemeldet, jede Woche kommen neue Anmeldungen hinzu. Wie grenzenlos das Interesse der Mainzer ist, zeigt ein genauerer Blick auf die Anmeldungen: Fast alle Berufsstände sind bei den zukünftigen Gastfreunden vertreten und die Alterspanne reicht von 25 bis 70 Jahre. Clarissa Haenn ist eine der 60 Gastfreunde und hat von dem Projekt aus der Zeitung erfahren: »Ich finde die Idee wirklich sehr gut und weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig es ist, dass man im Ausland jemanden hat, der dich rumführt und sich um dich kümmert, dich quasi im positiven Sinne babysittet.« Sie möchte ihrem Paten daher eine familiäre Umgebung schaffen, ein gewisses »Wohlfühlen generieren«. Dabei geht es ihr jedoch nicht nur darum, den internationalen Studierenden die Mainzer Sehenswürdigkeiten zu zeigen, vielmehr freut sie sich auf den gemeinsamen Kultur- und Sprachaustausch: »Ich denke, dass ein interkultureller Austausch immer eine Bereicherung ist, er erweitert das eigene Denken und baut Vorurteile ab.« Genau aus diesem Grund findet sie es auch so wichtig, dass der Austausch über die Grenzen von Uni und FH hinaus geht und der Kontakt zur Mainzer Bevölkerung aufgebaut wird.

Zukunftsaussichten

Das sehen die Macher des Projekts ähnlich und blicken bereits mit neuen Ideen in die Zukunft: »Wir würden gerne mit Schulen kooperieren und internationale Studierende in bestimmte Unterrichtseinheiten einbinden«, erklärt Reimann. Praktisch könne das so aussehen, dass ein brasilianischer Austauschstudent einen Vortrag über den Regenwald hält oder ein Student aus Frankreich im Französischunterricht hospitiert. Der entsprechende Antrag für eine solche Kooperation ist bereits geschrieben; wenn er durchgeht, könnten der Idee bereits im nächsten Jahr Taten folgen. Weniger konkret aber nicht minder ambitioniert verfolgt das Studierendenwerk darüber hinaus die Kontaktaufnahme zur regionalen Wirtschaft: »Längerfristig planen wir Kooperationen zu hiesigen Unternehmen, bei denen internationale Studierende beispielsweise Praktika machen oder als Werksstudent arbeiten können«, sagt Reimann. Integration und die Förderung des interkulturellen Austauschs steht bei »Fremde werden Freunde« also in jeglicher Hinsicht an erster Stelle; Nationen-, Standes- und Altersübergreifend. Man darf daher gespannt sein auf die weitere Entwicklung des Projekts.


Katrin Henrich

Infos:
www.fremdewerdenfreunde-mainz.de