Heft 242 November 2010
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Geschenke

Geschenke

Brauch des Gebens


Sitzen Sie auch schon wieder schwitzend über die alljährliche Geschenkeliste gebeugt? Dann interessiert es Sie doch sicherlich was Sie da eigentlich machen, was ein Geschenk eigentlich ist - und wer mit dieser ganzen Weihnachts-Schenkerei eigentlich angefangen hat. Immerhin kann man genau definieren, was ein Geschenk ist: »Die Übertragung des Eigentums an einer Sache an einen zweiten, ohne eine Gegenleistung zu verlangen.« (Details entnehme man dem BGB, § 516)

Auch für den eigentlich recht ungewöhnlichen Brauch, die Geschenke durch einen konstruierten Dritten (z.B. den Weihnachtsmann) überreichen zu lassen gibt es eine Theorie: Man möchte den Beschenkten von der (moralischen) Verpflichtung entlasten, das Geschenk zu erwidern. (Wieso hab ich dem Christkind dann früher eigentlich immer Kekse und ein Glas Milch auf die Fensterbank gestellt?) Außerdem konnte man mit dem gestrengen Herrn auch kräftig drohen, ohne sich selbst als unpädagogischen Erpresser zu entlarven: »Wenn Du nicht brav bist, bringt Dir der Nikolaus nur eine Rute!«

Kompliziert wird es - wie immer - genau dann, wenn sich die Obrigkeit direkt in die weihnachtlichen Bräuche einmischt. So geschehen im England des 17. Jahrhunderts. Zum Entsetzen aller Quäker und Puritaner waren »Gelage, Besäufnis, Tanz und Glücksspiel« zentrale Bestandteile des damaligen Festes. Als das Parlament 1647 ein komplettes Verbot verhängte kam es zu Straßenschlachten zwischen Befürwortern und Gegnern des Festes. Seit 1660 zog man vor, das Verbot in der Praxis nicht mehr anzuwenden.

Frau mit lauter Geschenken Kritik übte die Kirche auch schon im 16. Jahrhundert an dem Brauch, Kinder an Weihnachten zu beschenken. Sah man doch vielerorts darin eine Fortsetzung altrömischer Sklavenbeschenkungen bzw. vorchristlicher Wintersonnenwendengaben. Die Gegenseite wies darauf hin, dass die Geschenke ein Symbol jener Gaben seien die die drei »Weisen aus dem Morgenland« überbracht haben sollen.

In der Kategorie »historische Bräuche« ist der norwegische Herr­scher Hakon »der Gute« uneinholbar. Er legte im 10. Jahrhundert das Weihnachtsfest mit dem nicht-christlichen Julfest (= «Wintersonnenwende«) zusammen und erließ ein Gesetz, dass jeder Haushaltsvorstand 40 Kannen Bier zu brauen habe. Das neue Fest habe so lange zu dauern, wie noch Bier in den Kannen war. (Über die Größe der Kannen ist leider nichts bekannt.)

Solche Gelage gehören natürlich längst der Vergangenheit an - lediglich der Gabenbringer darf sich noch etwas laben. So bekommt der Weihnachtsmann bei seinem alljährlichen Besuchen in Irland jeweils pro Familie (mindestens) ein Glas Whisky und eine Flasche Guinness angeboten. Gehen wir von rund einer Million Besuchen auf der Insel aus, dürfte sich zumindest in der einheimischen Getränkeindustrie regelmäßig vorweihnachtliche Freude breitmachen.

Nicht ganz ohne Alkoholika dürfte es auch in Sizilien zugehen. Hier trifft man sich, so ist zu lesen, in der Adventszeit regelmäßig zum abendlichen Kartenspiel. Mit dem Erlös werden die Weihnachtsgeschenke finanziert. Über die Höhe der Einsätze kann man dabei nur spekulieren.


(-mdl-)